Wachstumsfirmen

Investoren stecken Rekordsummen in europäische Start-ups

Die oberen 10 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren gelten als Premiumkonsumenten. Das sind insgesamt 7,06 Millionen Deutsche.
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Die oberen 10 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren gelten als Premiumkonsumenten. Das sind insgesamt 7,06 Millionen Deutsche.
Europäische Start-ups, die sich in einer Wachstumsphase befinden, dürfen sich nicht über mangelndes Geld beschweren. Wie aus einer aktuellen Auswertung hervorgeht, haben sich die Investitionen in solche aufstrebenden Unternehmen in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt - von 6,88 Milliarden in 2016 auf mehr als 11,66 Milliarden Euro Ende 2018. Das ist so viel wie nie zuvor. Am meisten profitieren Fintech-Start-ups wie N26 von diesem Geldregen.
Insgesamt flossen zwischen 2016 und 2018 etwa 30 Milliarden Euro in europäische Wachstums-Start-ups, die Summe verteilt sich auf mehr als 2300 Finanzierungsrunden. Wie die Untersuchung der Plattform Tech.eu und dem Bezahlanbieter Stripe zeigt, sind die Investitionen damit auf historisch hohes Niveau gestiegen. Die Studienmacher werteten dafür die Finanzspritzen von mehr als 2000 Start-ups aus, die sich in der Wachstumsphase befinden. Im Mittel konnten die jungen Firmen 10 Millionen Euro einsammeln.


Die meiste Kohle floss mit großem Abstand in Finanz-Start-ups wie Monzo aus Großbritannien und N26 aus Deutschland. Die Smartphone-Bank mit Sitz in Berlin hatte erst im Januar eine Rekordsumme von 260 Millionen Euro von Investoren eingesammelt und stieg damit zum ersten deutschen Fintech-Einhorn auf - einer Firma mit einer Milliardenbewertung. Die komplette Fintech-Branche konnte sich von 2016 bis 2018 über 5,38 Milliarden Euro freuen.

Dahinter folgen sogenannte Medtech-Firmen - Unternehmen, die in der Gesundheitstechnik angesiedelt sind. Start-ups wie PushDoctor aus Großbritannien, Kry aus Schweden und Doctolib aus Frankreich sind hier beispielhaft zu nennen. Insgesamt sammelten die Unternehmen im aufstrebenden Medtech-Bereich 4,22 Milliarden Euro an Kapital ein. Software as a Service (SaaS) ist mit 2,54 Milliarden Euro Investitionsvolumen an dritter Position in den meisten europäischen Ländern. Führend sind vor allem B2B-Player wie Aircall aus Frankreich oder Teamleader aus Belgien.


Wirft man einen Blick auf die Herkunftsländer der Start-ups, fällt auf: Geld haben vor allem Unternehmen aus Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Schweden gescheffelt. Die Finanzierungssummen in diesen Ländern überstieg im Zeitraum zwischen 2016 und 2018 21 Milliarden Euro. Das entspricht 70 Prozent der Investitionen insgesamt und ist fast doppelt so viel wie die Summe des aufgenommenen Kapitals der nächsten 20 Länder im Ranking. In Deutschland wuchsen die Finanzierungssummen um 26 Prozent auf 4,85 Milliarden Euro. Mehr Geld floss nur in Frankreich (5,44 Milliarden Euro) und Großbritannien (8,82 Milliarden Euro). Auf der Insel stagnierten die Ausgaben zuletzt allerdings. Die Schweiz landet mit einem satten Plus von über 40 Prozent (2017-2018) auf Rang 5 in Europa und kommt auf insgesamt 1,26 Milliarden Euro investiertes Kapital in den vergangenen drei Jahren. Österreich liegt an 15. Stelle mit 246 Millionen Euro.

Obwohl Deutschland ein beliebtes Zielland für Investitionen ist, sind deutsche Geldgeber eher abgeschlagen. Bei den europäischen Geldgebern kommt im Ranking erst an siebter Stelle mit Holtzbrinck Ventures ein deutscher Vertreter (gemessen an der Zahl der Einzelinvestments). Holtzbrinck Ventures ist beispielsweise an Zalando, Flixbus, Thermondo und Ottonova beteiligt. ron
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