Übernahme

Was hat Apple mit dem Start-up hinter "Hello Barbie" vor?

Apples Flagship-Store in München
© Apple
Apples Flagship-Store in München
Dass Apples Sprachassistentin Siri nicht unbedingt die hellste Kerze auf der Voice-Torte ist, hat sich unter iPhone- und Smartspeaker-Besitzern bekanntlich rumgesprochen. Nun hat sich der Konzern Medienberichten zufolge mit einem Zukauf in diesem Bereich verstärkt und das kalifornische Unternehmen Pullstring übernommen. Das Start-up steckt hinter sprachgesteuerten Spielzeugen wie "Hello Barbie". Was hat Apple mit dem Unternehmen vor?
Pullstring wurde 2011 von einer Gruppe ehemaliger Pixar-Manager gegründet, um interaktive und vor allem sprachgesteuerte Apps für Spielzeuge zu entwickeln. Von dem Start-up, das bislang circa 44 Millionen US-Dollar von Investoren eingesammelt hat, stammen unter anderem Spielzeuge wie eine sprechende Barbie und Thomas die Lokomotive. Seit 2016 bietet Pullstring auch ein Entwicklerwerkzeug an, mit dem Apps für die smarten Lautsprecher Amazon Echo und Google Home programmiert werden können.


Pullstring ist in der Tech-Branche kein unbeschriebenes Blatt: Das kalifornische Start-up machte 2015 Negativ-Schlagzeilen, weil die Puppe "Hello Barbie" aus Sicht von Datenschützen nicht ausreichend vor Hacker-Angriffen geschützt war und so angeblich Gespräche im Kinderzimmer abgehört werden konnten. Alles, was das Kind sagt, gelangt von der Puppe über ein WLAN zum Smartphone, so der Vorwurf. Schon die darauf installierte Android- oder iPhone-App war Datenschützern zufolge anfällig gewesen.

Was hat Apple nun mit diesem Unternehmen vor? Konkrete Informationen dazu will der Konzern nicht geben, allerdings scheint es logisch, dass mit der zugekauften Technologie die Sprachassistentin Siri verbessert werden soll. Denn sowohl die Spracherkennung als auch die Intelligenz der digitalen Assistentin liegen Studien zufolge deutlich hinter den Fähigkeiten von Amazons Alexa oder dem Google Assistant. Auch was die Smartspeaker-Verkäufe angeht, sind die beiden Wettbewerber dem iPhone-Konzern meilenweit voraus.


Anders als Apple haben Amazon und Google in den vergangenen Jahren außerdem breite Entwickler-Ökosysteme aufgebaut, in denen externe Programmierer eigene Anwendungen bauen können, die mit dem jeweiligen Sprachassistenten gesteuert werden. Mit den Lösungen von Pullstring, so wird in der Branche gemutmaßt, könnte Apple seine Voice-Technologien nun offener machen für externe Entwickler.

Denkbar wäre auch, dass John Giannandrea, der seit Sommer 2018 oberster Siri-Chef bei Apple ist, mit dem Zukauf nun verstärkt Kinder als Zielgruppe ins Visier nimmt. So könnte Siri künftig in eine ganze Reihe smarter Spielzeuge integriert werden. Smartes Spielzeug wurde in der Vergangenheit allerdings immer wieder von Datenschützern heftig kritisiert. Die Bundesnetzagentur griff 2017 sogar zu einem drastischen Mittel und forderte Besitzer auf, die Puppe "My Friend Cayla" zu zerstören.

Übrigens ist Pullstring nicht das einzige Start-up, das jüngst unter das Apple-Dach geschlüpft ist. Wie Bloomberg berichtet, hat der Konzern auch die britische Adtech-Firma DataTiger übernommen. DataTiger wirbt damit, die "Marketing-Journey von Kunden zu optimieren". Was genau Apple mit der Werbefirma vorhat, ist nicht bekannt. ron
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