The Daily Telegraph

Wie Europas größtes Medienhaus die Google Cloud einsetzt

Sébastien Marotte ist Vice President EMEA bei Google Cloud
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Sébastien Marotte ist Vice President EMEA bei Google Cloud
Im Wetteifern um die Marktführerschaft im weltweiten Cloud-Geschäft kann Google einen Erfolg verbuchen. Mit der britischen Telegraph Media Group ("The Daily Telegraph") setzt künftig Europas größtes Medienhaus vollständig auf die Technologie-Expertise der Google Cloud. Mit der Künstlichen Intelligenz des Search-Riesen will das Medienhaus unter anderem personalisierte Nachrichten liefern.
Die im Jahr 1855 gegründete Zeitung "The Daily Telegraph" gehört zu den traditionsreichsten Blättern der Welt. 164 Jahre nach der Gründung setzt der Titel alles auf die Karte Technologie und verlagert im Laufe des Jahres alle seine Abläufe der Medienproduktion in die Google Cloud. Wie das Unternehmen mitteilt, will es mit diesem Schritt zum einen die eigenen Angebote für Leser sowie die Abläufe im Unternehmen optimieren und zum anderen umweltfreundlicher werden.


Heißt konkret: Die Google-KI soll den Journalisten bei der Suche nach relevanten Informationen und Bildmaterialien helfen, weil sowohl schriftliche als auch visuelle Inhalte künftig mithilfe der Technologie klassifiziert werden. Darüber hinaus soll die
 "My Telegraph"-App (derzeit live in der Beta-Version) registrierten Lesern personalisierte Nachrichten liefern, die auf ihre Interessen oder favorisierte Journalisten zugeschnitten sind.

Außerdem will die britische Zeitung mithilfe der Google-KI die Nachfrage nach der gedruckten Zeitung besser vorhersagen können, um die Remittenden zu minimieren. So will das Medienhaus künftig jeden Tag aufs Neue eine optimale Druckauflage berechnen und entsprechend in Auftrag geben.


Für Google ist der Gewinn des "Daily Telegraph" ein Erfolg im Wetteifern um die Cloud-Krone. Die britische Zeitung hatte vorher auch zum Teil mit Amazons Cloud-Dienst AWS gearbeitet, lässt diesen Mitbewerber nun allerdings zurück und setzt künftig nur noch auf Google. Seit 2008 benutzen die Telegraph-Mitarbeiter bereits die G-Suite aus dem Konzern des Suchgiganten.

Bislang spielt Googles Werbegeschäft den Großteil der Erlöse des Konzerns ein. Doch der Mutterkonzern Alphabet setzt zunehmend auf Alternativen wie den boomenden Markt für Cloud-Services mit Speicherplatz und IT-Diensten im Netz. Um hier nicht von den Rivalen Amazon und Microsoft abgehängt zu werden, fließt viel Geld etwa in Datenzentren und andere Tech-Infrastruktur. Das trug 2018 zu einem massiven Anstieg der Investitionsausgaben um 102 Prozent auf 25,1 Milliarden Dollar bei. Google befindet sich im Cloud-Geschäft in der ungewohnten Rolle des Herausforderers. Amazon ist mit seiner Tochter Amazon Web Services (AWS) Marktführer. Ein Indiz dafür, dass die Aufholjagd aktuell allerdings nicht so läuft, wie geplant, war unter anderem der im November überraschend angekündigte Abschied von CEO Diane Greene. Medienberichten zufolge soll es interne Spannungen zwischen Greene und anderen Google-Managern gegeben haben.

Seit einigen Monaten gibt es mit Annette Maier eine neue DACH-Chefin für die Google Cloud. Sie verantwortet Googles Cloud-Services für Geschäftskunden in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Ihre Aufgabe ist, sicherzustellen,  dass Firmen aus diesen Regionen die Google-Technologie nutzen und neue Firmen an Bord geholt werden. Zuletzt zog etwa Media Markt in die Google Cloud. ron

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