SXSW

Die Zukunft der selbstfahrenden Trucks hat schon begonnen

Das Start-ups TuSimple schickt selbstfahrende Trucks auf die Straßen.
© TuSimple
Das Start-ups TuSimple schickt selbstfahrende Trucks auf die Straßen.
Die Testfahrt beginnt zunächst harmlos. Fast eine Stunde lang navigiert der Sattelschlepper führerlos über Autobahnen, Auffahrten und Abfahrten rund um Tucson, Arizona. Dann beginnt ein heftiger Regensturm. Während die beiden Sicherheitsingenieure - einer, der im Notfall die Steuerung übernehmen kann, und einer, der die Daten kontrolliert - in der aufspritzenden Gischt kaum noch das nächste vorausfahrende Fahrzeug erkennen können, sieht der Lastwagen auch durch Regen, Nebel und in der Nacht rund einen Kilometer weit glasklar.

Die Testfahrt ist eine Video-Demonstration des autonomen Fahrzeug-Start-ups TuSimple beim Digitalkonkress South by Southwest in Austin. TuSimple hat seinen Sitz im kalifornischen San Diego und in Peking und testet seine elf Fahrzeuge bei drei bis fünf Fahrten täglich in Arizona. "Bei den optischen Sensoren kommt kein Wettbewerber auch nur annähernd an uns heran", betonte Produktchef Chuck Price. In drei Monaten will das Unternehmen laut Price bereits 40 Fahrzeuge einsetzen. Mit dem kommerziellen Einsatz auf Autonomie-Ebene 4 - das Fahrzeug fährt in festgelegten Situationen autonom - rechnet TuSimple für Ende 2020.



Während Ridesharing, Elektroautos und Autonomes Fahren schon seit mehreren Jahren auf der SXSW intensiv diskutiert werden, bestimmen in diesem Jahr - neben den allgegenwärtigen E-Scootern in der Innenstadt von Austin - vor allem die autonomen Nutzfahrzeuge die Veranstaltungen zum Thema Zukunft der Mobilität. Die Gründe sind offensichtlich. Nach mehreren Unfällen von Testwagen im Personenverkehr hat das öffentliche Unbehagen gegenüber der Technologie zugenommen, wenn Passagiere und Passanten involviert sind.

Nutzfahrzeuge hingegen werden bereits außerhalb des heiklen innerstädischen Verkehrs auf standardisierten Routen und geschlossenen Parcours eingesetzt und beweisen bereits ihre Einsatzfähigkeit im Alltag. In Australien fahren riesige führerlose Bagger schon seit fünf Jahren in der oberirdischen Pilbara Tagebaugrube in der Nähe von Brisbane umher. Investoren erwarten aus diesen Gründen eine schnelle Rendite auf dem Sektor der autonomen Nutzfahrzeuge, so wurde auf der SXSW mehrfach betont. Eine zentrale Rolle spielt dabei die weitverbreitete Laser-Optik-Technologie LiDAR, die präzise 3D-Karten erzeugt. Auf LiDAR setzt auch Waymo, das vor zehn Jahren als Testprojekt von Google startete. Allein im vergangenen Jahr investierten Risikokapitalgeber in 28 Finanzierungsrunden in LiDAR Technologie-Unternehmen. Waymo gab während der SXSW bekannt, dass es seine LiDAR Sensortechnologie Laser Bear Honeycomb künftig auch an andere Unternehmen lizensieren will, beispielsweise für den Einsatz in Roboter-, Sicherheits- oder Landwirtschaftstechnologien, nicht allerdings an Wettbewerber auf dem Sektor autonomes Fahren.


Ein Pionier der autonomen Trucks fehlte allerdings in diesem Jahr - Uber stellte im vergangenen Sommer sein Projekt Otto ein, bei dem schon 2016 ein selbstfahrender Laster bei einer Testfahrt auf der Straße fast 200 Kilometer zurückgelegt hatte. Otto verwendete Waymos LiDAR Technologie und verlor einen spektulären Rechtsstreit um die Lizenz. Auf der SXSW lief auch die Premiere der neuen Dokumentation “Autonomy” von Alex Horwitz Thema selbstfahrende Autos. Darin gibt es eine Szene mit einer Lastwagenfahrerin, die einerseits befürchtet, bald nur noch selbstfahrende Laster beladen, aber nicht mehr fahren zu dürfen. Die andererseits aber auch glaubt, dass die Technologie sicherer ist und Leben auf der Straße retten kann. Vielleicht sogar ihr eigenes. 

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