Studie zur Krisen-App

Die Corona-Warn-App wird von vielen genutzt, aber zu wenig verstanden

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Die Corona-Warn-App wirft noch viele Fragen auf
© Bundesregierung
Die Corona-Warn-App wirft noch viele Fragen auf
Nachdem die Corona-Warn-App Mitte Juni verzögert auf den Markt kam und nach einigen Wochen technische Ausfälle bekannt wurden, hat die Mehrheit der Deutschen sie einer aktuellen Umfrage zufolge inzwischen dennoch auf dem Smartphone installiert. Allerdings vermissen viele Nutzer Informationen seitens der Krankenkassen, wie im Falle einer Risikomeldung zu verfahren ist. Auch bestehen grundsätzliche Fehlinformationen zur Funktion der App.
Eine Ende Juli durchgeführte repräsentative Untersuchung des Forschungs- und Beratungsinstituts Heute und Morgen mit rund 1.500 Bundesbürgern zwischen 18 und 65 Jahren ergab, dass jeder dritte Deutsche ab 18 Jahren (34 Prozent) die Corona-Warn-App der Bundesregierung bereits auf seinem Handy installiert hat. Weitere 19 Prozent gaben an, dies in Zukunft "wahrscheinlich" (5 Prozent) oder "vielleicht" (14 Prozent) noch tun zu wollen. Beide Ergebnisse zusammengenommen, steht gut die Hälfte der erwachsenen Bundesbürger der vor rund zwei Monaten gestarteten Warn-App somit positiv oder zumindest aufgeschlossen gegenüber. Allerdings wollen 41 Prozent die App auch zukünftig ausdrücklich nicht installieren. Sechs Prozent der 18- bis 65-Jährigen kennen die Corona-Warn-App nach eigenen Angaben bisher noch nicht.


Nur fünf Prozent der Umfrageteilnehmer wurden von ihrer Krankenkasse zur Corona-Warn-App informiert, gewünscht hätte sich dies aber rund jeder dritte Krankenversicherte (32 Prozent) – insbesondere gesetzlich Versicherte (33 Prozent), aber auch privat Versicherte (26 Prozent). Aufklärung darüber, wie man sich im Falle einer Warnmeldung zu verhalten hat, hätten 80 Prozent gerne von ihrer Krankenkasse bekommen. Informationen zur Funktionsweise der Warn-App wurden von 70 Prozent der Befragten vermisst, außerdem Hinweise zum Datenschutz (53 Prozent) und zur Kostenübernahme von Folgeprozessen im Warnfalle (51 Prozent). Eine große Mehrheit von 82 Prozent erwartet, dass die eigene Krankenkasse die Kosten für einen Corona-Test übernimmt, sobald die App ein Risiko anzeigt.

Anhand der Erhebung zeigt sich ein weiterhin hoher Aufklärungsbedarf zur Funktionsweise der Corona-Warn-App. "Krankenversicherer könnten dabei eine deutlich aktivere Rolle als bisher einnehmen", sagt Tanja Höllger, Geschäftsführerin bei Heute und Morgen. "Viele Mitglieder erwarten dies sogar ausdrücklich, unabhängig von ihrem Alter oder Geschlecht".


Auch Missverständnisse zur Corona-Warn-App müssten weiterhin ausgeräumt werden: Ein Drittel der befragten Bundesbürger denkt zum Beispiel fäschlicherweise, dass die App den persönlichen Aufenthaltsort der Nutzer aufzeichnen und die persönliche Einhaltung der Corona-Abstandsregeln nachverfolgen würde. "Zumindest ein Teil der 'Skeptiker' könnte noch zum freiwilligen Mitmachen bei der Corona-Warn-App gewonnen werden, wenn das Wissen größer und die Vorurteile verringert werden könnten", so Höllger.
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