Studie

Deutsche Twitterer sind jung, einkommensstark und markenaffin

 Twitter ist hierzulande vor allem bei Jüngeren beliebt
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Twitter ist hierzulande vor allem bei Jüngeren beliebt
Twitter gelingt es immer besser, seine Nutzerbasis in Werbeeinnahmen umzumünzen. Das geht zumindest aus den vorgestern veröffentlichten Quartalszahlen des Unternehmens hervor. Auch hierzulande will das soziale Netzwerk seine Vermarktung weiter ankurbeln und veröffentlicht kurz vor dem OMR Festival Anfang Mai in Hamburg eine detaillierte Zielgruppenstudie, die HORIZONT Online exklusiv vorliegt. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
Wie aus der Untersuchung hervorgeht, tummeln sich auf Twitter vergleichsweise viele junge Menschen. Knapp jeder zweite Deutsche auf der Plattform ist zwischen 18 und 34 Jahre alt und zählt damit zur begehrten Werbezielgruppe der Millennials. Die meisten dieser Millennials tauschen sich auf dem Kurznachrichtendienst bevorzugt über Produkte und Marken aus: Allein im vergangenen Monat habe fast jeder Zweite in dieser Altersgruppe einen Tweet mit einer Kaufempfehlung geteilt.


Dass auf Twitter auch relativ viele Entscheider unterwegs sind, dürfte hinlänglich bekannt sein - SAP-Chef Bill McDermott, Apple-Boss Tim Cook und nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump sind nur einige Beispiele für hochrangige Manager und Politiker, die auf Twitter regelmäßig ihre (umstrittene) Meinung kundtun. Speziell in Deutschland scheint die Entscheider-Dichte auf Twitter relativ hoch zu sein: Jeder vierte Nutzer ist eine Führungskraft.

Die deutschen Entscheider auf Twitter sind vor allem jung: 44 Prozent von ihnen fallen in die Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren. Auf dem Kurznachrichtendienst sind sie also deutlich überrepräsentiert. 79 Prozent von ihnen arbeiten auf internationalem Level, 51 Prozent reisen dabei regelmäßig ins Ausland.


Methode

Die Ergebnisse basieren auf Zahlen und Daten aus Twitter Market Insight & Analytics, dem Global Web Index 2018 für Deutschland sowie einer Online-Umfrage von Research Now unter Twitter- und Nicht-Twitter-Nutzern in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren in 2018.

Kaum verwunderlich also, dass auch das Haushaltseinkommen deutlich höher liegt, als beim Rest der Bevölkerung. Mehr als jeder vierte Twitter-Nutzer (27 Prozent) in Deutschland verfügt über ein jährliches Haushaltseinkommen von über 65.000 Euro und gehört damit zur begehrten Zielgruppe der Besserverdiener. Für Qualität sind sie bereit, auch mal mehr zu zahlen: Insbesondere in den Bereichen Fashion (67 Prozent), Ernährung (65 Prozent), Hotels (62 Prozent) und Kosmetik (58 Prozent) setzen sie der Studie zufolge häufig auf High-End und Luxus.

Die zentralen Aussagen der Studie lassen sich in etwa so zusammenfassen: Twitter-Nutzer in Deutschland sind vergleichsweise jung, verfügen über ein überdurchschnittliches Einkommen sowie einen hohen Bildungsgrad und besitzen in der Regel ein ausgeprägtes Markenbewusstsein. Eigenschaften, die bei Werbungtreibenden die Ladenkasse im Kopf klingeln lassen. Kaum verwunderlich also, dass Twitter-Deutschlandchefin Jolanta Baboulidis mit diesen Ergebnissen unterm Arm auf dem OMR Festival hausieren gehen wird.

"Auf Twitter sind die begehrtesten Zielgruppen direkt erreichbar", sagt Baboulidis und fügt an: "Hier bietet sich ein effizienter Zugang zur markenaffinen, einkommensstarken und einflussreichen Nutzerschaft, die von Marken im Moment höchster Aufmerksamkeit adressiert werden kann – nämlich genau dann, wenn sie das Weltgeschehen live und im direkten Austausch mit anderen auf Twitter verfolgen."

„Auf Twitter können Marken die Nutzer im Moment höchster Aufmerksamkeit adressieren – nämlich genau dann, wenn sie das Weltgeschehen live und im direkten Austausch mit anderen auf Twitter verfolgen“
Jolanta Baboulidis, Twitter
Twitter-Deutschlandchefin Jolanta Baboulidis
© Mara Monetti
Twitter-Deutschlandchefin Jolanta Baboulidis
Baboulidis, die vor etwa einem Jahr Thomas de Buhr als Deutschlandchefin ablöste, will mit Twitter im Werbemarkt angreifen. "Insgesamt sind wir neun Mitarbeiter in Deutschland und wir wachsen kontinuierlich. Wir haben in den vergangenen Monaten neue Kollegen begrüßen dürfen und sind dabei, weitere neue Stellen zu besetzen", sagte die Managerin kürzlich im Exklusivinterview mit HORIZONT Online. Das Unternehmen arbeitet hierzulande aus zwei Coworking-Spaces in Hamburg (Vertrieb) und Berlin (Public Policy).

Twitter gelingt es tatsächlich immer besser, mit seiner Nutzerbasis auch Geld zu verdienen. Im vergangenen Quartal steigerte der Kurznachrichtendienst den Umsatz im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 787 Millionen Dollar. Angetrieben wurde das Wachstum vor allem vom Plus der Werbeerlöse um ebenfalls 18 Prozent auf 679 Millionen Dollar, wie Twitter gestern mitteilte.

Die Entwicklung der Nutzerzahlen war unterdessen weniger eindeutig. Die Zahl der täglich aktiven Nutzer, die Twitter mit seinen Werbeanzeigen erreichen kann, stieg auf 134 Millionen von 120 Millionen ein Jahr zuvor und 126 Millionen vor drei Monaten. Twitter zählt dabei nur die Mitglieder, die den Dienst über die Twitter-Website oder die hauseigenen Apps der Firma nutzen. Die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Nutzer ging dagegen im Jahresvergleich von 336 auf 330 Millionen zurück. Vor drei Monaten waren es 321 Millionen gewesen. Es ist das letzte Mal, dass Twitter eine monatliche Nutzerzahl nennt. ron (mit dpa-Material)
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