Spotify will seine Nutzer länger auf der Plattform halten
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Spotify will seine Nutzer länger auf der Plattform halten
Spotify will seine Nutzer länger auf der eigenen Plattform halten und testet dafür ein neues Feature namens Storyline. Mit Storyline sollen Künstler die Geschichten hinter ihren Songs in einer aus mehreren Elementen bestehenden Story erzählen - ähnlich wie das auf Snapchat, Instagram, Facebook und Whatsapp schon länger möglich ist. Spotify könnte sich so zu einer Art sozialem Netzwerk wandeln.
Die meisten Spotify-Nutzer verwenden die Musikstreaming-App eher passiv: App öffnen, Playlist suchen, Musik abspielen und dann wandert das Smartphone für längere Zeit in die Hosentasche. Der schwedische Streamingdienst, der seit kurzem an der Börse gelistet ist, will seine Nutzer allerdings aktiver werden lassen und testet eine Funktion, die sich auf Social-Media-Plattformen wie Snapchat und Instagram bereits seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen: das Story-Feature.


Anders als in den sozialen Netzwerken heißt das Feature bei Spotify nicht Stories, sondern Storyline. Das Grundprinzip ist aber gleich: Künstler sollen mit dem Feature ihre Geschichten hinter den Songs oder über den kreativen Entstehungsprozess berichten. Die Benutzeroberfläche erinnert stark an Instagram Stories: Der Nutzer kann sich in der Story durch die einzelnen Elemente klicken, während kleine horizontale Linien am oberen Bildschirmrand aufzeigen, wie lang die Story insgesamt ist.

Storyline knüpft an Spotifys "Behind the lyrics"-Anmerkungen an, die seit 2016 in der App enthalten sind und Hintergrundinformationen zum gerade abgespielten Musiktitel liefern. Allerdings liefert diese Hintergrundinformationen der Drittanbieter Genius, mit dem Spotify zusammenarbeitet. Im Storyful-Feature würden die Künstler selbst ihre Inhalte hochladen.
Soe sieht Spotifys Storyline-Funktion aus
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Soe sieht Spotifys Storyline-Funktion aus
Spotify hat bereits damit begonnen, die Funktion auf Android und iOS einer kleinen Testgruppe zur Verfügung zu stellen. Genutzt wird sie bereits von den Jonas Brothers und der US-amerikanischen Singer-Songwriterin Billie Eilish. Denkbar wäre, dass Spotify die Funktion dann auch für die Hörer nutzbar macht. Sollte das Feature nach der Testphase weltweit ausgerollt werden, könnte sich Spotify zu einer Art sozialem Netzwerk wandeln, das nicht nur Musiker dafür bezahlt, ihre Songs spielen zu dürfen, sondern auch vermehrt auf originäre und selbstproduzierte Inhalte setzt, um die Nutzer länger in der App zu halten. Erst vor wenigen Monaten kaufte Spotify etwa die Podcast-Produzenten Gimlet und Anchor für mehrere hundert Millionen Dollar.


Der Musikstreaming-Marktführer Spotify hatte im April übrigens die Marke von 100 Millionen zahlenden Abo-Kunden geknackt. Zugleich arbeitet die Firma aus Schweden weiterhin mit Verlust: Im ersten Quartal fielen rote Zahlen von 142 Millionen Euro an. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 33 Prozent auf gut 1,5 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte Spotify noch 169 Millionen Euro verloren.

Die Nummer zwei im Musikstreaming, Apple Music, kommt nach jüngsten verfügbaren Zahlen - die allerdings auch schon etwas älter sind - auf über 50 Millionen Nutzer. Spotify befindet sich mit Apple derzeit in einem Rechtsstreit: Weil Apples App Store einen Teil der Erlöse aus den Apps für sich beansprucht, hat Spotify eine Wettbewerbs-Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Spotify argumentiert, der Dienst habe einen Nachteil gegenüber dem Konkurrenz-Angebot Apple Music, weil er einen Teil seiner Erlöse bei Vertragsabschlüssen auf dem iPhone abgeben müsse, während Apple als Plattformbetreiber den gesamten Betrag bekomme. ron (mit dpa-Material)
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