"Startup der Woche"

Wie Uberall Geschäften hilft, besser im Netz gefunden zu werden

Die beiden Uberall-Gründer David Federhen (l.) und Florian Hübner
Uberall
Die beiden Uberall-Gründer David Federhen (l.) und Florian Hübner
Früher war der Eintrag in den Gelben Seiten für lokale Geschäfte elementar, heute steht die Auffindbarkeit beim Online-Kartendienst oder in Social Media im Vordergrund. Das Berliner Start-up Uberall kümmert sich darum, dass die Sichtbarkeit der Filialen in den wichtigen globalen Verzeichnissen wie Google und Tripadvisor optimiert wird und ist deshalb unser Start-up der Woche.

Das 2012 von David Federhen und Florian Hübner gegründete Unternehmen entstand in einer Zeit, in der Deal-Plattformen wie Groupon gezeigt hatten, dass man im Netz Nachfrage für Offline-Produkte und Dienstleistungen generieren kann. Mit der Software von Uberall können Unternehmen und lokale Geschäfte ihre Daten und Informationen zu ihren Standorten zentral verwalten, anreichern und kontrolliert publizieren.


Die Berliner tummeln sich in einem umkämpften Markt, der US-Wettbewerber Yext gilt als globaler Marktführer. Doch Uberall wächst weiter kräftig. Im Februar gab das Start-up den Abschluss einer millionenschweren Finanzierungsrunde bekannt. Kunden wie Deutsche Post, Vodafone und Douglas nutzen die Dienstleistung. Auf HORIZONT Online stellt Gründer Co-Gründer Florian Hübner sein Unternehmen vor.

"Unser ganzer Markt steckt noch in den Kinderschuhen."

Eine Minute im Aufzug mit einem potenziellen Investor. Wie lautet euer Elevator Pitch? Wer glaubt, E-Commerce sei die alles entscheidende Herausforderung für den stationären Einzelhandel, irrt sich. Nach wie vor suchen 80 Prozent der Konsumenten online nach lokalen Geschäften. 58 Prozent von ihnen, überwiegend Smartphone-Nutzer, ziehen dabei Kundenbewertungen zu Rate und 50 Prozent entscheiden sich innerhalb von 24 Stunden für ein Geschäft. Filialisten stehen also vor der Herausforderung, online auffindbar und attraktiv für mobile Konsumenten zu sein. Wir bei Uberall lösen dieses Problem, sorgen dafür, dass unsere Nutzer perfekt gefunden werden und bringen so mehr Kunden in deren lokale Geschäfte.

Wie das funktioniert? Wir optimieren die Auffindbarkeit aller Filialen in den wichtigen globalen Verzeichnissen wie Google und Bing, sozialen Netzwerken wie Facebook, Yelp und Tripadvisor, sowie Karten und Navigationsdiensten wie Apple Maps, Google Maps, Uber – insgesamt haben wir über 100 Partner. Abgerundet wird das ganze durch unser Reputation Management Produkt, das Kunden erlaubt, gesammeltes Online-Kundenfeedback zu analysieren, direkt darauf zu reagieren und auch proaktiv Inhalte zu posten. Und das alles zentralisiert, einfach und zeitsparend aus der Cloud.
Start-up der Woche
In der Rubrik "Start-up der Woche" stellen wir einmal in der Woche eine junge deutsche Firma vor, die mit innovativen Geschäftsideen einen Wirtschaftsbereich aufmischt. Die Start-ups werden subjektiv von der HORIZONT-Onlineredaktion ausgewählt.
Warum besteht Bedarf an eurem Produkt? Die Verbreitung von Smartphones und Datenflats hat unser Suchverhalten massiv verändert. Die Anzahl von "near me"-Suchen, also Suchanfragen mit lokalem Bezug, ist seit 2011 um das 60-fache gestiegen. Wir nehmen das Telefon aus der Tasche und suchen nach Produkten und Dienstleistungen, die wir am liebsten sofort haben wollen. Für jedes lokale Geschäft sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dabei so sichtbar zu sein wie möglich – und das verstehen mehr und mehr Unternehmen. War es früher am wichtigsten, einen Eintrag in den Gelben Seiten oder eine eigene Webseite zu haben, wird es jetzt höchste Priorität, dass das eigene Geschäft beim Online-Kartendienst im Vordergrund steht.

Gleichzeitig wissen unsere Kunden, dass sie dies selbst nicht mit der notwendigen Qualität machen können. Für McDonald’s Deutschland verwalten wir fast 100.000 Profile auf diversen Plattformen. Manuell wäre es schlicht unmöglich, diese kontinuierlich mit neuen Aktionen zu bespielen oder auf Kundenfeedback zu überprüfen. Mit Uberall hingegen ist das überhaupt kein Problem, wir machen das in Echtzeit! Und da heutzutage alles getrackt werden kann, sehen unsere Kunden auch direkt, dass es sich um den vermutlich effizientesten Marketingkanal handelt, den sie bespielen.

„Wer glaubt, E-Commerce sei die alles entscheidende Herausforderung für den stationären Einzelhandel, irrt sich“
Florian Hübner
Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Das war 2012, die Deal-Plattformen hatten gerade gezeigt, dass man online Nachfrage für Offline-Produkte und Dienstleistungen generieren kann. Wir entwickelten eine Mobile-App, die "das nette, nachhaltige Groupon" sein und self-service erlauben sollte. Nach einer Weile haben wir gemerkt, dass unsere Taschen nicht tief genug waren, um einen Marktplatz aufzubauen, für den wir mehr und mehr lokale Geschäfte onboarden und bei Endkunden App-Downloads generieren mussten. Aber in der Zwischenzeit hatten wir gelernt, wie man Unternehmen mit stationärem Geschäft erklärt, wie sie unseren kleinen Online-Kanal nutzen müssen. Und dann kam uns die Idee, dass es noch mehr Wert stiften würde, indem wir die Nutzung der längst existierenden, reichweitenstarken Kanäle kinderleicht machen.

Wie verdient ihr Geld? Derzeit bezahlen unsere Kunden uns pro Standort und Monat.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr in den nächsten Monaten? Wir haben viel vor! Gerade haben wir eine neue Version unseres Filialfinders veröffentlicht – ein regelrechter Durchbruch für Unternehmen, die ihre Filialen auch auf ihrer eigenen Webseite durchsuchbar machen wollen. Damit haben wir schon viele neue Kunden überzeugt und sehen großes Potenzial. Außerdem haben wir ein ganz neues Produkt in der Betaphase. Basierend auf all den Daten, die wir für unsere Kunden sammeln und verwalten, generieren wir in nur drei Klicks hyperlokale Werbung in der Google-Suche, auf Google Maps, Facebook und Instagram. Es macht Spaß, mit Google und Facebook so eng an einem innovativen Produkt zu arbeiten und die Ergebnisse übertreffen unsere eigenen Erwartungen. Jetzt müssen wir das richtig in den Markt einführen.

Außerdem haben wir vor ein paar Monaten eine Growth-Funding-Runde geschlossen und sind jetzt dabei, das eingesammelte Kapital in Wachstum und weitere Professionalisierung zu stecken. Wir investieren in internationale Märkte, haben jetzt neben unserem Hauptsitz in Berlin auch Büros in San Francisco, Paris, London und Kapstadt. Wir stecken gerade sehr viel Zeit und Mühe in die Suche nach neuen Kollegen und haben unheimlich viele offene Stellen, gleichzeitig wollen wir die Kultur bewahren, die uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Gar nicht so einfach!

Wie steht euer Unternehmen in fünf Jahren da? Unser ganzer Markt steckt noch in den Kinderschuhen. In fünf Jahren aber wird der digitale Wandel des lokalen Handels ein großes Stück vorangekommen sein – auch durch uns. Heute betreuen wir mehr als 250.000 lokale Geschäfte, bei unserem jetzigen Wachstum werden es dann viele Millionen sein. Unsere Rolle wird es auch dann noch sein, als Katalysator für das ganze Ökosystem um die großen Suchmaschinen, Kartendienste und Social-Media-Plattformen zu fungieren und es unseren Kunden zu ermöglichen, neue Use-Cases schnell und smart zu nutzen. Wir werden unheimlich viele coole Dinge sehen und mitentwickeln. Ich denke dabei an die Einbindung von Mehrwertdiensten von Produktdaten in Echtzeit bis hin zu Interaktionen mit AI in digitalen Assistenten und Bots, Auslieferungen per Drohne und vieles mehr. Es bleibt spannend und es gibt richtig viel zu tun!



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