Start-up-Experte Jan Thomas

"Große Unternehmen kennen noch immer nicht die Blaupause"

Jan Thomas, Chef von NKF Media
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Jan Thomas, Chef von NKF Media
Es sind zwei Welten, die noch nicht so recht zueinandergefunden haben: Auf der einen Seite die großen Unternehmen, die sich digitalisieren und agiler werden müssen. Auf der anderen Seite die Start-ups, die auf der Suche nach Kapital und Kontakten sind. "Wenn es um die Zusammenarbeit mit Start-ups geht, wissen große Unternehmen noch immer nicht, was die Blaupause ist", kritisiert Jan Thomas, Chef des Verlags NKF Media. Mit einer eigenen Veranstaltung will er dem Problem entgegentreten.
Eine Studie des Branchenverbandes Bitkom sorgte zu Beginn des Jahres für Gesprächsstoff in der hiesigen Start-up-Welt. Die zentrale Erkenntnis: Etablierte Unternehmen lassen die jungen Wilden nach wie vor oftmals links liegen. Wenige Übernahmen, geringe Investitionen, oftmals nicht einmal ein Kontakt. Rund zwei Drittel der Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern haben demnach noch nie mit Start-ups zusammengearbeitet.


Nun ist seitdem fast ein Jahr ins Land gegangen, doch verändert hat sich an dieser Entwicklung kaum etwas, beobachtet der Start-up-Experte Jan Thomas, Chef des Berliner Verlags NKF Media, der unter anderem die Start-up-Magazine "Berlin Valley" und "The Hundert" herausbringt. "Wenn es um die Annäherung von Corporates und Start-ups geht, sehe ich keine signifikante Trendwende, beide Welten sind noch relativ weit voneinander entfernt."

Der zum vierten Mal von Thomas veranstaltete NKF Summit soll Abhilfe schaffen: Im Radialsystem V in Berlin treffen sich am 15. November sowohl Vertreter großer Unternehmen wie McKinsey, Daimler und Bosch als auch Start-ups wie Clark, CrossEngage und Optiopay, um sich auszutauschen. Insgesamt stellen sich auf einer dazugehörigen Expo rund 30 junge Unternehmen vor. Veranstalter Thomas erwartet etwa 750 Teilnehmer.


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"Es gibt für Corporates viele Möglichkeiten, mit Start-ups zusammenzuarbeiten - etwa in Form einer Beteiligung, mithilfe von Inkubatoren oder Übernahmen", sagt Thomas. Wichtiger sei seiner Ansicht nach aber das Mindset innerhalb der Firma, das sich ändern, digital-affiner werden muss. "'PR nach innen' nenne ich das", so Thomas. Der NKF-Media-Chef blickt optimistisch in die Zukunft: "Es passiert gerade jede Menge."

Da wäre etwa das IoT-Start-up Relayr, das im September für 300 Millionen Euro vom Rückversichererkonzern Munich Re gekauft wurde. Das Unternehmen aus Berlin-Kreuzberg gilt international als eines der Vorzeige-Start-ups für das Internet der Dinge. Oder das Kreditvergleichsportal Finanzcheck, welches für 285 Millionen Euro von Scout24 übernommen wurde. Allerdings scheint die Start-up-Welt derzeit eine ganz andere Herausforderung zu beschäftigen, wenn man dem Start-up-Monitor Glauben schenken möchte, der diese Woche veröffentlicht wurde: der wachsende Fachkräftemangel. Drei von vier Start-ups gaben an, Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften aus dem IT-Bereich zu haben. Die Jungunternehmen könnten nicht die gleichen Löhne und Sicherheiten wie etablierte Unternehmen bieten, heißt es erklärend in der Studie.

Der Start-up-Monitor analysiert die Daten von 1550 Start-ups in ganz Deutschland mit 3763 Gründern und 17.647 Mitarbeitern. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, gilt aber als umfassendste Untersuchung der Gründerszene in Deutschland. ron
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