Start-up der Woche

Wie Risk Ident Betrügern im Onlinehandel den Garaus machen will

Roberto Valerio, CEO Risk Ident
Otto
Roberto Valerio, CEO Risk Ident
Betrügerische Aktivitäten im Onlinehandel verursachen allein in Deutschland einen Schaden von 2,9 Milliarden Euro. Das zur Otto-Gruppe gehörende Start-up Risk Ident will das Problem aus der Welt schaffen und deckt schwarze Schafe bei Bestell- und Bezahlprozessen im Internet mit seiner inhouse entwickelten Machine-Learning-Software auf. Unser Start-up der Woche.

Zahlungsbetrug, Kontoübernahmen oder Identitätsdiebstahl: Das Start-up Risk Ident hat sich auf die Identifizierung und Verhinderung von kriminellen Aktivitäten im Onlinehandel spezialisiert. Das Unternehmen ist 2012 innerhalb eines Company-Builders von Otto entstanden und hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der Marktführer im Bereich der Betrugsprävention entwickelt. Im Jahr 2017 sicherten die Hamburger ein Transaktionsvolumen von mehr als 40 Milliarden Euro und expandierte in die USA, indem ein Hauptsitz im Cambridge Innovation Center (CIC) in Boston eröffnet wurde. CEO Roberto Valerio stellt sein Start-up vor:

"Wer einmal weiß, wie man dem Anbieter schadet, der versucht es oft gleich nochmal."

Eine Minute im Aufzug mit einem potenziellen Investor. Wie lautet euer Elevator Pitch? Risk Ident ist ein spezialisierter Softwareanbieter für Betrugsprävention in den Bereichen E-Commerce,Telekommunikation und Finanzdienstleistungen. Wir verhindern Ausfälle durch Identitätsdiebstahl, falsche Identitäten, Kreditkartenbetrug und andere Betrugsformen im Online-Bereich. Unsere Kunden sind große, etablierte Unternehmen wie Otto, Galeria Kaufhof, Deutsche Telekom, Vodafone, RatePay, BillPay, TeamBank und weitere. Das Unternehmen sicherte in 2017 über 40 Milliarden an Volumen ab.

Warum besteht Bedarf an eurem Produkt? Alleine in Deutschland ist der Schaden durch Betrug im Online-Handel in den letzten Jahren rasant gewachsen und liegt derzeit bei 2,9 Milliarden Euro. Händler werden geschädigt, indem sie Ware an vermeintlich gute Kunden versenden, diese dann aber bei Betrügern landet. Auch die Anonymität bei Online-Vertragsabschlüssen im Bereich Mobilfunk oder bei Online-Kreditanträgen wird immer mehr durch Betrüger ausgenutzt. Die Schäden für die Anbieter sind groß - und wer einmal weiß, wie man dem Anbieter schadet, der versucht es oft gleich nochmal. Insbesondere die großen Anbieter leiden, denn bei ihnen werden geklaute Identitäten oder geklaute Zugangsdaten in Masse ausprobiert. Risk Ident ist spezialisiert auf große Anbieter mit tausenden bis hin zu zehntausenden oder mehr Transaktionen am Tag.



Start-up der Woche
In der Rubrik "Start-up der Woche" stellen wir einmal in der Woche eine junge Firma vor, die mit innovativen Geschäftsideen einen Wirtschaftsbereich aufmischt. Die Start-ups werden subjektiv von der HORIZONT-Onlineredaktion ausgewählt.



Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Risk Ident wurde von mir innerhalb der Liquid Labs, einem Company Builder der Otto Group Digital Solutions gegründet. Die Idee kam nicht von uns, die Betrugsprävention der Otto-Firmen suchten nach neuen Produkten am Markt. Ich hatte ein Team von hochqualifizierten Entwicklern zur Verfügung und das Know-how. Die Daten zur Berechnung der Modelle kamen aber alleine von den großen E-Commerce-Firmen innerhalb der Otto-Gruppe. Ich habe auch in den ersten vier Jahren bewusst keine einzige Person mit Branchenerfahrung eingestellt. Somit waren unsere Produkte anders - und gleichzeitig besser. Das sprach sich dann in anderen Branchen herum, so sind wir nach und nach in den Bereichen Mobilfunk und Banken bzw. Finanzdienstleistungen gestartet.

Wie verdient ihr Geld? Unsere Kunden zahlen Lizenzgebühren für den Einsatz unserer Software. Das ist in Teilen an der Anzahl von abgesicherten Transaktionen bemessen, in Teilen sind es auch monatlich festgeschriebene Gebühren. Unsere Kunden zahlen das auch gerne, da wir ihnen ein Vielfaches der Kosten durch die verhinderten Betrugsfälle ersparen. Für Otto selber hat sich das auch schnell gerechnet, der Einsatz unserer Software spart dem Konzern mittlerweile jedes Jahr ein Vielfaches der Summe, die der Konzern insgesamt in Risk Ident investiert hat. Wir machen aber über 75 Prozent unserer Lizenzumsätze außerhalb von Otto.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr in den nächsten Monaten? Viele unserer Enterprise-Kunden wachsen in neuen Märkten und bauen neue Vertriebskanäle auf. Mobile Commerce, Voice Commerce, IoT - der Endkunde will über alle Kanäle möglichst einfach und schnell bestellen. Der Anbieter will den Kauf so einfach wie möglich machen. Aber damit steigt auch das Risiko. Wir entwickeln unsere Software und die Berechnungsmodelle kontinuierlich weiter, um dem gerecht zu werden. Dazu kommen neue Absatzmärkte, bei denen Betrug teilweise doch sehr unterschiedlich begangen wird. Das startet mit unterschiedlichen Adressformaten und Zahlungsmitteln bis hin zu unterschiedlichem Kauf- und Vertragsverhalten der Konsumenten. Wer wachsen will, muss sich diesen Herausforderungen stellen.

Wie steht euer Unternehmen in fünf Jahren da? Die Frage würde ich auch gerne beantworten können. Risk Ident ist in dem Sinne besonders, da wir zur Otto-Gruppe gehören. Es gibt unterschiedliche Pläne zur Internationalisierung des Geschäftes, den ersten Schritt haben wir mit einer Tochtergesellschaft in den USA schon gemacht. Das Thema Finanzierung ist bei uns sehr einfach, denn Otto würde bei Bedarf immer ausreichend Geld zur Verfügung stellen. Dafür gleichen wir unsere strategischen Ziele auch mit denen des Konzerns ab. Somit unterscheiden wir uns in unserer Zielplanung von klassischen VC-finanzierten Start-ups.

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