Start-up der Woche

So sorgt LeanIX für den Durchblick im IT-Dschungel

Die beiden LeanIX-Gründer Jörg G. Beyer und André Christ
LeanIX
Die beiden LeanIX-Gründer Jörg G. Beyer und André Christ
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Die IT-Landschaft vieler Großunternehmen gleicht einem Dschungel aus unzähligen Software- und Serverpaketen. Das Bonner Start-up LeanIX verspricht, Übersicht in dieses Dickicht zu bringen und bietet eine gleichnamige Cloud-Software an, mit der die IT-Architektur im Blick behalten werden kann. Unser Start-up der Woche.
Im Prinzip will das 2012 in Bonn gegründete Start-up Großunternehmen bei der Digitalisierung unter die Arme greifen, indem es aufzeigt, wo die nötigen Informationen über die IT-Landschaft fehlen und welche Systeme veraltet oder nur aufwändig analysierbar sind. Unter den mehr als 100 Kunden gehören zum Teil namhafte Unternehmen wie Adidas, DHL, Merck und Vodafone, die mit der Technologie von LeanIX beispielsweise redundante Software abbauen. Co-Gründer, André Christ (36) steht gegenüber HORIZONT Online Rede und Antwort.

Start-up der Woche
In der Rubrik "Start-up der Woche" stellen wir einmal in der Woche eine junge Firma vor, die mit innovativen Geschäftsideen einen Wirtschaftsbereich aufmischt. Die Start-ups werden subjektiv von der HORIZONT-Onlineredaktion ausgewählt.

"Wir wollen die führende Lösung werden, die Unternehmen bei der Modernisierung ihrer IT-Architektur hilft"

Eine Minute im Aufzug mit einem potenziellen Investor. Wie lautet euer Elevator Pitch? Wir sind wie Google Maps für die IT. Mit unserer Software können Firmen eine Bestandsaufnahme ihrer IT vornehmen und durch den Dschungel an Applikationen navigieren, um effizient daten-getriebene Entscheidungen treffen zu können. Dank vieler Integrationen, Echtzeit-Konnektoren aber auch offener APIs und einfachsten Im- und Export-Mechanismen, ist der Start ein Kinderspiel. Wir klären somit viele Fragen des IT-Managements: Welche Software ist im Einsatz? Wer nutzt sie? Und ist die Software auf dem aktuellen Stand? Gibt es Redundanzen durch deren Abschaltung wir einfach Geld einsparen können? Je komplexer die Technik, desto wichtiger ist das Thema Enterprise Architecture Management (EAM), das unser Marktsegment beschreibt.

Warum besteht Bedarf an eurem Produkt? Unternehmen benötigen einen transparenten Überblick über ihre IT-Landschaften, wollen sie ihre IT aktiv einsetzen und das Geschäft voranbringen. Das können prinzipiell alle Firmen sein, die bisher ihre IT-Strategie mit Hilfe von Excel und Visio verwaltet haben und jetzt den nächsten Schritt gehen wollen oder auch Firmen, die schon ein Tool im Einsatz haben, aber nach einer pragmatischen, nutzerfreundlichen Alternative suchen. Viele unserer Kunden sind offen für neue Technologien und wollen sich und ihre IT weiterentwickeln.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Gegründet habe ich LeanIX gemeinsam mit Jörg G. Beyer im Jahr 2012. Zuvor hatten wir uns bei der DHL Inhouse Consulting kennengelernt. Nach mehreren Führungspositionen in der IT hat Jörg das interne IT-Management-Consulting im Konzern aufgebaut. Dabei haben wir die CIOs und IT-Manager in strategischen Fragen beraten. Wir haben erkannt, dass sich Projekte in der IT schneller und effektiver umsetzen lassen, wenn man nicht erst zu Beginn mühsam die notwendigen Informationen zusammentragen muss. Es gab zwar Tools, die uns bei der Erfassung der IT-Landschaft helfen sollten, diese hatten jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie waren ohne ausgiebige Lektüre des Handbuchs und einem Training, kaum zu nutzen. Damit scheiden solche Werkzeuge in der Nutzung außerhalb der Konzernzentralen schnell aus. In einer Zeit, in der intuitive Software-as-a-Services (SaaS) immer beliebter wurden, undenkbar. Also entschlossen wir uns, selbst eine Lösung zu entwickeln.

Wie verdient ihr Geld? Wir glauben, dass die Informationen in LeanIX möglichst vielen Personen im Unternehmen zur Verfügung stehen sollten, weshalb unsere Preise nicht auf der Anzahl der Benutzer basieren. Wir haben sehr transparente Preispläne, die hauptsächlich auf der Anzahl sogenannter Fact Sheets basieren, die in LeanIX verwaltet werden. Ein Fact Sheet beinhaltet alle Informationen zu beispielsweise einer Applikation, einem Prozess oder einer Business Capability. Auch die Relationen zwischen den Fact Sheets, also unter anderem Applikationen zu Projekten, sind wichtige Informationen die hier gepflegt oder via Recommendations Engine automatisch vorgeschlagen werden.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr in den nächsten Monaten? Gartner und Forrester, zwei der relevantesten Analystenhäuser im IT Bereich, sagen voraus, dass das Rennen um den Marktführer im Bereich Enterprise-, Cloud- und Software-Architecture das Tool machen wird, das die beste Recommendations-Engine auf den Markt bringt. Wir sehen gute Chancen, dass uns das dank unserer Artificial Intelligence (AI), auf der unsere Recommendations Engine basiert, gelingen wird. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir analysiert, dass eine Person für eine akkurate Relation zwischen allen Kernelementen einer Enterprise-Architektur 416 Tage - 24/7 - benötigen würde. Unsere AI benötigt dafür lediglich wenige Sekunden. Unsere Kunden erwirtschaften in der Regel einen zehnstelligen Umsatz pro Jahr und haben dementsprechend einiges an digitaler Infrastruktur. Die Komplexität hierbei steigt exponentiell. Daher gehen viele Unternehmen derzeit den Weg in die Cloud zu Amazon Web Services (AWS), Google Cloud oder Microsoft Azure. Diese intuitiven und flexiblen Cloud Plattformen ermöglichen nahezu jedem Team in der Organisation, die eigenen Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren. Dies führt aber häufig zu Intransparenz und Chaos. Mit unserem Addon für Microservice-Architekturen bieten wir die passende Lösung für dieses Problem und machen die wolkige Cloud wieder einsehbar.

Wie steht euer Unternehmen in fünf Jahren da? Unser Ziel ist es, weltweit die führende Lösung zu werden, die Unternehmen bei der Modernisierung ihrer IT-Architektur hilft. Eine flexible IT-Architektur trägt maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft bei. Hier gibt es bei vielen Organisationen noch Nachholbedarf, was häufig auch unter dem Begriff "digitale Transformation" zusammengefasst wird. Wir haben unsere eigene Plattform gerade selbst auf Microservices umgestellt und damit den gesamten Code seit Gründung einmal ausgetauscht. Wir sehen ein riesiges Potenzial für Unternehmen, die ihre monolithischen Strukturen aufbrechen, um damit an Geschwindigkeit und Agilität zu gewinnen. In den nächsten 12 bis 18 Monaten steht bei uns der weitere Aufbau des Teams im Vordergrund. Mehr als 20 Positionen in allen Bereichen wollen wir besetzen.



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