Start-up der Woche

Dieses Start-up macht das Büro zur Paketstation

Pakadoo will das Büro zur Paketstation machen
© Pakadoo
Pakadoo will das Büro zur Paketstation machen
Der Paketversand zu Weihnachten soll auch in diesem Jahr erneut alle Rekorde brechen. Allein die Deutsche Post rechnet mit 11 Millionen Paketsendungen pro Tag. Vor allem die erfolglosen Zustellversuche sind ein großes Problem und sorgen nicht nur für Frust und Zusatzaufwand bei den Empfängern sondern auch für Zeitverluste bei den Fahrern. Das Start-up Pakadoo will dieses Problem aus der Welt schaffen und hat eine Plattform gebaut, die aus dem Büro kurzerhand eine Paketstation macht. Unser Start-up der Woche.
Immer mehr Arbeitnehmer lassen sich ihre privaten Online-Bestellungen an den Arbeitsplatz liefern, um sich beispielsweise lästige Fahrten zu den Poststellen zu sparen. Das 2014 gegründete Start-up Pakadoo aus Herrenberg bei Stuttgart bietet Unternehmen eine Paketdienst-übergreifende Zustelllösung an, die den gesamten Prozess verschlanken soll, indem die Lieferungen gebündelt werden. Heißt: Durch die gemeinsame Auslieferung von privaten und geschäftlichen Sendungen ins Unternehmen soll nicht nur die Work-Life-Balance der Mitarbeiter profitieren, sondern auch die Umwelt und der Verkehr, weil die Fahrer unnötige Wege vermeiden.
Start-up der Woche
In der Rubrik "Start-up der Woche" stellen wir einmal in der Woche eine junge Firma vor, die mit innovativen Geschäftsideen einen Wirtschaftsbereich aufmischt. Die Start-ups werden subjektiv von der HORIZONT-Onlineredaktion ausgewählt.
Um den Dienst anbieten zu können, müssen Unternehmen einen sogenannten Pakadoo Point einrichten, wo die Privatpakete der Arbeitnehmer in Empfang genommen und mit der Pakadoo-Software erfasst werden. Dafür eignet sich etwa der Ort, an dem auch die Firmenpakete angeliefert werden. Der jeweilige Mitarbeiter erhält daraufhin automatisch eine Benachrichtigung per Mail oder in der Pakadoo-App. Die Ausgabe erfolgt über einen Code, der in der Nachricht enthalten ist. Wie das Geschäftsmodell des Start-ups im Detail funktioniert, erklärt Geschäftsbereichsleiter Markus Ziegler gegenüber HORIZONT Online.

"Die Last-Mile-Logistik steht vor dem Kollaps"

Markus Ziegler ist Geschäftsbereichsleiter des Start-ups Pakadoo
© Pakadoo
Markus Ziegler ist Geschäftsbereichsleiter des Start-ups Pakadoo
Eine Minute im Aufzug mit einem potenziellen Investor. Wie lautet euer Elevator Pitch? Sie kennen sicher doch auch das Problem, dass Sie etwas online bestellen und der Paketbote genau dann kommt, wenn Sie nicht zuhause sind. Echt nervig, denn jetzt müssen Sie Ihrem Paket hinterherlaufen. An sich wäre Onlineshopping doch so bequem, wenn es nur das lästige Zustellproblem nicht gäbe. Genau dafür hat Pakadoo eine Lösung: Als digitaler Service stellen wir sicher, dass Onlinebesteller ihre Pakete dort empfangen können, wo sie sich aufhalten. Das kann beim Arbeitgeber sein oder auch im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel im Shoppingcenter. Damit entfallen vergebliche Zustellversuche und Mehrfachanfahrten der ohnehin überlasteten Paketzusteller. Zudem können auch Retouren abgewickelt werden.


Warum besteht Bedarf an eurem Produkt? Der E-Commerce wächst rasant, ein Ende ist nicht absehbar. Schon heute steht die Last-Mile-Logistik vor dem Kollaps. 50 Prozent aller Pakete sind beim ersten Versuch nicht direkt zustellbar, Zustellfahrten und Parken in zweiter Reihe der Paketdienste behindern den Stadtverkehr. Und nicht zuletzt hat die Branche mit einem massiven Fahrerproblem zu kämpfen. Gleichzeitig stehen viele Onlinekunden täglich vor dem Problem, dass der Paketzusteller genau dann anliefern wollte, als sie bei der Arbeit waren. So müssen Pakete nach Feierabend oder am Wochenende beim Nachbarn, in der Postfiliale oder Ähnliches abgeholt werden. Das ist sehr lästig und verringert die Convenience des schnellen und flexiblen Einkaufs per Internet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Einer unserer Mitarbeiter stand regelmäßig vor dem Problem, dass er samstags in der Post Schlange stehen musste, um die nicht zugestellten Pakete seiner Frau abzuholen. Für ihn wäre es eine echte Erleichterung gewesen, wenn er sich die Pakete ins Büro hätte schicken lassen können. Doch für seinen Arbeitgeber kam das ohne geregelten Prozess nicht infrage. Gleichzeitig kannten wir als Logistiker und Anbieter eines Repairservices das Problem auch – nur von der anderen Seite: häufig steht man tagsüber vor verschlossenen Türen, wenn etwas angeliefert oder abgeholt werden soll. So kam die Idee auf, einen Service zu entwickeln, der für alle Parteien Vorteile hat. Und was liegt näher, als Pakete am Arbeitsplatz zu empfangen, also dort, wo man sich tagsüber sowieso aufhält?


Wie verdient ihr Geld? Pakadoo finanziert sich zum einen durch Servicegebühren der Unternehmen, die bei sich einen Pakadoo Point eingerichtet haben, um damit ihren Mitarbeitern oder ihren Kunden einen zusätzlichen Benefit bzw. Service zu bieten. Zum anderen entrichten die Paketdienstleister, die von diesem Service ebenfalls stark profitieren, eine Gebühr pro Paket.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr in den nächsten Monaten? Unsere größte Herausforderung ist, unser Wachstum zu beschleunigen und schnell genug Mitarbeiter zu finden, die das ermöglichen.

Wie steht euer Unternehmen in fünf Jahren da? Unser Ziel ist, dass es im Jahr 2022 deutschlandweit mehr Pakadoo Points als DHL Packstationen gibt. Daneben arbeiten wir bereits an einem europaweiten Rollout von Pakadoo. Erste Pakadoo Points in Österreich und der Schweiz gibt es bereits.
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