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Jeder Zweite nutzt Sprachassistenten im Auto - trotz Sicherheitsbedenken

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Seat-Fahrer können im Auto mit Alexa sprechen.
© Seat
Seat-Fahrer können im Auto mit Alexa sprechen.
Spätestens seit der großen Alexa-Allianz, die Amazon im September zusammen mit BMW und Audio-Spezialisten ins Leben gerufen hat, ist klar: Das Auto der Zukunft wird per Sprachbefehl gesteuert. Doch schon jetzt machen sich die Technologie zahlreiche Autofahrer zu nutze - und steuern einige Funktionen im Wagen nur durch ihre Stimme. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor. Aber: Die Autofahrer haben erhebliche Sicherheitsbedenken.

Die IT-Beratungsfirma Capgemini hat sich in einer Studie damit befasst, wie Sprachassistenten im Auto von Verbrauchern akzeptiert und bewertet werden. Das zentrale Ergebnis: Jeder zweite Autofahrer weltweit nutzt in seinem Wagen schon jetzt einen Sprachassistenten. Die meisten für das Abspielen von Musik und die Navigation im Straßenverkehr. Aber auch Wartungstermine für das Fahrzeug und Lebensmittellieferungen werden per Sprache aus dem Auto organisiert, wie aus dem Papier hervorgeht.


In den nächsten Monaten werden noch viele weitere Autofahrer auf den Geschmack kommen, prognostizieren die Studienmacher von Capgemini. Demnach gehen 95 Prozent der globalen und 96 Prozent der deutschen Verbraucher davon aus, dass sie innerhalb der nächsten drei Jahre Sprachassistenten im Auto verwenden. "Sie werden zu einem unverzichtbaren Teil davon, wie Menschen ihr Auto erleben und ihre Mobilität sicher gestalten", fasst Capgemini-Manager Henrik Ljungström zusammen.

Methodik

Für die Studie hat das Capgemini Research Institute mehr als 7000 Verbraucher in Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Spanien, UK und den USA sowie 300 Manager großer Automobilunternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar befragt. In die Studie eingeflossen sind zudem die Erkenntnisse aus zehn Tiefeninterviews, die mit Senior-Managern von Automobilunternehmen und Anbietern von Sprachassistenten durchgeführt wurden.

Allerdings: Autofahrer haben mit Alexa und Co bislang mehr schlechte als gute Erfahrungen gemacht. Der Studie zufolge wünschen sich die meisten Fahrer, dass Sprachassistenten im Auto und zu Hause besser miteinander vernetzt sind, zum Beispiel bei Systemen zur Temperaturregelung. Verbesserungsbedarf sehen die Befragten zudem beim Thema Feedback-Möglichkeiten oder Beschwerde sowie der Bestellung bestimmter Mobilitätsdienste.

Neben der Verbesserung des Kundenerlebnisses in den wichtigsten Anwendungsfällen müssen Automobilunternehmen aber auch auf Bedenken beim Datenschutz und der Datensicherheit eingehen, so die Studie: Die Hälfte der Verbraucher gab an, dass sie Sprachassistenten ihre persönlichen Daten nicht anvertrauen möchte. Ebenso viele geben an, dass Alexa und Co zu aufdringlich und auf zu viele persönliche Informationen aus seien.

Der Siegeszug von Sprachassistenten in Fahrzeugen hat schon längst begonnen. Die Konzepte der großen Autobauer unterscheiden sich jedoch stark. Während Daimler beispielsweise mit seinem System Mercedes-Benz User Experience (MBUX) eine eigene Plattform geschaffen hat, mit der sich Fahrzeuginformationen und Infotainment an Bord steuern lassen, sucht BMW auch die Nähe zu Amazon und Google. BMWs Intelligent Personal Assistant (IPA) ist mit Sprachassistenten wie Alexa kompatibel.

BMW ist zudem Teil einer Sprachassistenten-Allianz, die Amazon im September ins Leben gerufen hatte - zusammen mit 30 weiteren Firmen, etwa Spotify, die Hifi-Spezialisten Bose, Sony und Sonos sowie Chip-Konzerne wie Intel, Qualcomm und NXP. Das Ziel: Im Auto der Zukunft sollen mehrere Sprachassistenten parallel laufen und mit ihrem jeweiligen Weckwort wie etwa "Alexa" aktiviert werden. ron

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