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Amazon hat viel vor mit Drohnen
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3 unwiderlegbare Argumente, warum Amazon großflächig Drohnen einsetzen wird

Amazon hat viel vor mit Drohnen
Amazon hat die Fluggenehmigung für seine Paketdrohnen in den USA beantragt. Drei Argumente sprechen dafür, dass bald ganze Schwärme den Himmel bevölkern werden.
von t3n Magazin Donnerstag, 22. August 2019
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Der offizielle Antrag von Amazon bei der US-Flugaufsichtsbehörde FAA auf eine Fluggenehmigung für Drohnen außer Sichtweite eines Piloten ist der Startschuss für das Drohnenzeitalter. Über 122.000 kommerzielle Drohnenpiloten und über 200.000 kommerzielle Drohnen sind in den USA laut der FAA registriert, weitestgehend für Immobilien-Luftfotografie, Industrieanwendungen und landwirtschaftliche Nutzung. Aber die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass das erst der Anfang ist, denn jetzt kommt das Transportwesen.


Alphabet und UPS haben schon die Genehmigung, autonome Drohnen einzusetzen, Amazon hat jetzt für die kompletten Vereinigten Staaten die Genehmigung für Drohnenflüge beantragt. Die Drohne streift ihren Ruf als PR-Gag ab und wird sich zum ernstzunehmenden Teil der Zustellinfrastruktur auf der letzten Meile entwickeln. Und Amazon wird über kurz oder lang in großen Massen Drohnen nutzen.

In einer Ausgabe der CBS-Sendung 60 Minutes enthüllte Jeff Bezos 2013 die Lieferdrohnen von Amazon und schätzte optimistisch, dass bis 2017 oder 2018 der Betrieb damit aufgenommen würde. Statt vier bis fünf Jahren sollte es sechs Jahre dauern, bis Amazon auf seiner Re-Mars-Konferenz im Juni dieses Jahres ankündigte, in wenigen Monaten mit der Auslieferung zu beginnen.
Amazon hat seine neue Lieferdrohne vorgestellt
© Amazon
Amazon hat seine neue Lieferdrohne vorgestellt
Wie lange Amazon insgesamt am Drohnenprogramm arbeitet, ist im Detail unklar: Ein realistisches Minimum von einem Jahr Entwicklungszeit bis zur Vorstellung der ersten Prototypen 2013 vorausgesetzt, müssten es aber mindestens sieben Jahre sein. Während in Großbritannien seit 2015 intensiv unter Einbeziehung der Flugsicherheitsbehörden getestet wird, ist aus Deutschland zumindest nichts zu hören oder zu lesen. Seit 2017 das generelle Betriebsverbot für Drohnen außer Sichtweite aufgehoben wurde und die Landesluftfahrtbehörden Genehmigungen erteilen dürfen, ist die theoretische Grundlage für die Erprobung gelegt.


Amazon konzentriert sich laut den entsprechenden Genehmigungen bei der Entwicklung in den USA und in Großbritannien auf ländliche Gebiete sowie auf „Suburban Areas“, was am ehesten mit unseren Vorstädten und Metropolregionen vergleichbar ist. Die Technologie besteht aus vollkommen autonomen Fluggeräten, die mit einer Sensorik ausgestattet sind, die der Drohne eine situationsbezogene autonome Entscheidungsvielfalt ermöglicht. Damit hat Amazon eine Art Autopilot geschaffen, der Hindernissen, die sich plötzlich in den Weg stellen, selbstständig ausweichen kann – die Technologie soll sich selbst manuellen Befehlen widersetzen, die Schaden anrichten würden. Die Asimovschen Robotergesetze lassen grüßen.

Wie lange Amazon insgesamt am Drohnenprogramm arbeitet, ist im Detail unklar: Ein realistisches Minimum von einem Jahr Entwicklungszeit bis zur Vorstellung der ersten Prototypen 2013 vorausgesetzt, müssten es aber mindestens sieben Jahre sein. Während in Großbritannien seit 2015 intensiv unter Einbeziehung der Flugsicherheitsbehörden getestet wird, ist aus Deutschland zumindest nichts zu hören oder zu lesen. Seit 2017 das generelle Betriebsverbot für Drohnen außer Sichtweite aufgehoben wurde und die Landesluftfahrtbehörden Genehmigungen erteilen dürfen, ist die theoretische Grundlage für die Erprobung gelegt.

Amazon konzentriert sich laut den entsprechenden Genehmigungen bei der Entwicklung in den USA und in Großbritannien auf ländliche Gebiete sowie auf „Suburban Areas“, was am ehesten mit unseren Vorstädten und Metropolregionen vergleichbar ist. Die Technologie besteht aus vollkommen autonomen Fluggeräten, die mit einer Sensorik ausgestattet sind, die der Drohne eine situationsbezogene autonome Entscheidungsvielfalt ermöglicht. Damit hat Amazon eine Art Autopilot geschaffen, der Hindernissen, die sich plötzlich in den Weg stellen, selbstständig ausweichen kann – die Technologie soll sich selbst manuellen Befehlen widersetzen, die Schaden anrichten würden. Die Asimovschen Robotergesetze lassen grüßen.

1. Die bestehenden Logistikkapazitäten sind endlich und halten nicht mit dem Wachstum von Amazon mit

Ja, Amazon Logistics baut eigene Kapazitäten auf. Der hauseigene Paketdienst von Amazon kann aber nur auf existierende, freiberufliche Kuriere und Lieferfahrer zurückgreifen. Im Prinzip ein Wettrennen um Kapazitäten mit den Paketdiensten. Die Kapazitäten nehmen dabei kaum zu, wie der ständige Personalmangel in der Branche eindeutig belegt; es wird nur umgeschichtet.

Das ist eine vorübergehende Strategie, damit Amazon möglichst viele freie Kapazitäten an sich bindet. Der intensive Versuch, neue Kapazitäten in Form von neuen Unternehmer in der Logistik mit einer Art Logistik-Startup-Brutkasten und Förderprogrammen für eigene Mitarbeiter zu „erzeugen“, zeigt, dass Amazon sich der begrenzten Ressourcen bewusst ist.

Amazon wächst aber immer weiter. Anscheinend schneller, als die Logistikbranche wachsen kann. Amazons Antwort auf die Herausforderung des Wachstums waren schon immer Effizienzwachstum und technologische Automatisierung.

2. Die letzte Meile ist bisher kaum skalierbar und nicht automatisierbar

Wachstum wurde bei Amazon immer mit der Eröffnung neuer Logistikzentren beantwortet. Möglichst nah am Kunden, lautet die Devise. Zur Verteilung der Warenströme zwischen den Logistikzentren hat sich Amazon von Lkw-Frachtmengen bis zu Flugzeugen und Luftumschlagplätzen schon jeden Beförderungsweg außer Containerschiffen gesichert. Ja, sicher, neue Depotstrukturen wie Mikrodepots in Städten und Einzelhandelsgeschäften (woran Amazon ebenfalls schon arbeitet) bieten noch Luft für weiteres Wachstum und weitere Optimierungen, aber das entscheidende Nadelöhr ist die sogenannte letzte Meile. Und da kann noch optimiert werden, aber nicht mehr mit den herkömmlichen Strukturen. Wenn Amazon-Mitarbeiter Pakete in Lastwagen packen, erblasst jeder Tetris-Junkie vor Neid, auch die Routen sind bereits so intelligent wie möglich automatisiert, da geht nicht mehr viel.

Ohne die entsprechenden Mitarbeiter und Fahrzeuge ist die letzte Meile nicht skalierbar; und wenn einfach nur die bereits bestehenden Strukturen skaliert werden, ändert sich auch die Kostenstruktur nicht. Die Mitarbeiter sind aber sowieso nicht da und da sich Menschen nicht automatisieren lassen, ist auch das keine Lösung für Amazon.

Paketroboter und Drohnen sind hingegen skalier- und automatisierbar. Paketroboter sind momentan ein unkalkulierbares Risiko. Um das zu verstehen, muss man nur einen Blick auf die unzähligen E-Scooter in Flüssen werfen. Davon abgesehen ist Amazon mit seinem Roboter Scout zwar an dem Thema dran, aber einige Jahre vom Entwicklungsstand der Drohnen entfernt, der immerhin knapp drei Jahre vom ersten Pilotflug zu einem Kunden bis zur jetzt angekündigten Marktreife wachsen musste.

Deshalb wird Amazon da, wo es möglich ist, auf Drohnen setzen. Und schnell skalieren, um Logistikinfrastrukturen zu entlasten. Dazu sind Drohnen gut geeignet. Amazon operiert in ländlichen Gebieten, in Vorstädten und Metropolregionen; eine Kombination, die für den Drohnenflug gut geeignet ist, denn mit Gärten und anderen Freiflächen gibt es genug Landeplätze.

3. Amazons auserkorenes Einsatzgebiet skaliert gut und kann damit Amazons Logistikinfrastrukturen schnell entlasten

In Metropolregionen gibt es oft Logistikzentren von Amazon. Die Drohnen können eine Distanz von 24 Kilometern mit Nutzlast zurücklegen, sagt Amazon – das ergäbe einen Radius von 12 Kilometern um jedes Logistikzentrum herum. In Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte kann Amazon so viele Nutzer und viele Bestellungen abdecken.

In ländlichen Regionen müssen die Zustellfahrzeuge große Entfernungen zurücklegen, das bindet Kapazitäten. Die Logistikzentren können so schon mit einigen Lieferungen viele Fahrkilometer einsparen und ebenfalls Kapazitäten freiräumen.

Der ländliche Teil frisst am meisten Zeit und ist selbst im mit rund 230 Personen pro Quadratkilometer dicht besiedelten Deutschland ziemlich groß: Es leben über 25 Prozent der Bevölkerung in Gemeinden unterhalb von 10.000 Einwohnern, bei Betrachtung der räumlichen Verteilung der Bevölkerung zeigt der Landatlas, dass weite Teile der Republik eine Bevölkerungsdichte von unter 50 Personen pro Quadratkilometer aufweisen und der überwiegende Teil unterhalb von 150 liegt. Dafür steigt die Dichte in den städtischen Räumen auf Tausende Personen.

In den USA sieht das ähnlich aus, nur in wesentlich größeren Dimensionen. Durchschnittlich leben rund 30 Personen auf einem Quadratkilometer. In Städten steigt die Dichte ebenfalls auf Tausende Personen, dafür gibt es ländliche Staaten wie Wyoming, wo sage und schreibe zwei Personen einen Quadratkilometer bewohnen. Der überwiegende räumliche Teil der USA kommt auf unter 20 Personen pro Quadratkilometer, neun Staaten sogar unter zehn.
Platzsparend, weil mehrstöckig: ein Drohnen-Logistik-Zentrum in Bienenstock-Bauform. Perfekt auch als Hub für ländliche Gebiete geeignet.
© Skizze: Amazon
Platzsparend, weil mehrstöckig: ein Drohnen-Logistik-Zentrum in Bienenstock-Bauform. Perfekt auch als Hub für ländliche Gebiete geeignet.
Amazon deckt damit die beiden Bereiche ab, die von Drohnen bedient werden können und eine schnelle Skalierung versprechen: weite Entfernungen zwischen Lieferstopps, und Lieferstopps in Gegenden mit möglichst hohen Bevölkerungsdichten. Der ländliche Bereich wird sich dabei am Anfang auf den näheren Umkreis der Logistikzentren beschränken. Aber es wird mehr werden: Amazon wird Drohnenhubs errichten, um die ländlichen Gebiete noch besser zu erschließen. Es ist nicht einmal auszuschließen, dass in einer weiter entfernten Zukunft fliegende Hubs über die Kornfelder gleiten. Dann könnten Drohnen-Mutterschiffe einen Pulk von Amazon-Drohnen ausstoßen, der Farmen in Wyoming oder Bauernhöfe in Mecklenburg-Vorpommern anfliegt.
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