Nach Vorwürfen von Whistleblowerin

Facebook will neue Features zum Schutz von Kindern einführen

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Facebook sieht sich erhöhtem Druck ausgesetzt, junge Nutzer besser zu schützen
© IMAGO / Rüdiger Wölk
Facebook sieht sich erhöhtem Druck ausgesetzt, junge Nutzer besser zu schützen
Eine Woche nachdem die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen ihren früheren Arbeitgeber im US-Senat beschuldigte, Hass und Hetze im Netz mit seinen Social-Media-Plattformen zu fördern, reagiert der Tech-Konzern mit der Ankündigung neuer Schutzfunktionen für Kinder und Jugendliche. In Interviews mit mehreren US-Nachrichtensendern stellte sich Nick Clegg, Facebooks Vizepräsident für globale Angelegenheiten, jetzt den Vorwürfen und sprach von konkreten neuen Ansätzen, die die Nutzung der Facebook-Netzwerke künftig sicherer gestalten sollen. Kritiker zeigen sich jedoch skeptisch.
Bereits Ende September hatte Facebook nach massiver Kritik von verschiedenen Organisationen angekündigt, die geplante Instagram-Version für Kinder vorerst nicht auszurollen. Nachdem sich der US-Konzern von Gründer Mark Zuckerberg in der vergangenen Woche mit schweren Vorwürfen von Ex-Mitarbeiterin Frances Haugen im US-Senat konfrontiert sah, stellte Facebook gestern nun neue Funktionen vor, die für mehr Schutz von Minderjährigen sorgen sollen.
„Bei 10.000 Inhalten sieht man nur fünf Hate-Speech-Inhalte. Ich wünschte, wir könnten es auf null Prozent bringen.“
Nick Clegg
Nick Clegg, Vizepräsident für globale Angelegenheiten bei Facebook, sprach bei CNN davon, dass man die jungen User künftig aktiv dazu anhalten wolle, eine Pause bei der Nutzung von Instagram einzulegen. Zudem sollen Jugendliche, die sich wiederholt dieselben potenziell schädlichen Inhalte anschauen darauf hingewiesen und dazu angeregt werden, sich anderem Content zu widmen. Auch neue optionale Kontrollfunktionen für Eltern seien in Planung, so dass diese das Online-Verhalten ihrer Kinder besser nachverfolgen können.

Clegg betonte zudem, dass Facebook in den vergangenen Jahren 13 Milliarden US-Dollar investiert habe, um zu gewährleisten, dass die Plattformen sicher seien. 40.000 Angestellte würden daran arbeiten. In Bezug auf die vielfach krisitierten Algorithmen der Facebook-Plattformen sagte Clegg, dass sich Hate Speech gerade dank dieser Systeme auf 0,05 Prozent reduziert habe. "Bei 10.000 Inhalten sieht man nur fünf Hate-Speech-Inhalte. Ich wünschte, wir könnten es auf null Prozent bringen." Das sei aber schwierig bei der Menge von einem Drittel der Weltbevölkerung als Nutzer der Plattformen, denn da würde man immer auch das Schlechte der menschlichen Natur repräsentiert sehen.
Mark Zuckerberg
© dpa
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Mark Zuckerberg weist Vorwürfe von Whistleblowerin zurück

Nachdem die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen gestern bei einer Anhörung im US-Senat Vorwürfe gegen das Tech-Unternehmen erhoben hat, bezog Facebook-Chef Mark Zuckerberg wenige Stunden danach erstmals Stellung zu den Anschuldigungen. In einem Post nannte er die belastenden Enthüllungsberichte der Whistleblowerin, nach denen das Netzwerk von Hass und Hetze profitiere, "zutiefst unlogisch".



Kritiker zeigten sich skeptisch gegenüber Facebooks geplanten Änderungen und halten die Ankündigungen von Clegg für zu vage. "Es gibt gewaltige Gründe, skeptisch zu sein", wird Josh Golin von der Organisation Fairplay in mehreren Medien zitiert. Fairplay untersucht Marketing-Methoden gezielt mit dem Blick auf Kinder. Viele von ihnen würden ohnehin Accounts nutzen, von denen ihre Eltern nichts wüssten. Zudem sei zweifelhaft, ob sich Kinder durch virtuelle Anstupser zu einer Pause bewegen ließen. Facebook müsse zeigen, wie genau es diese Pläne umsetzen wolle.

Auf die Frage der CNN-Moderatorin Dana Bash, wie viel Nutzungszeit pro Tag Clegg den Nutzer*innen der Facebook-Plattformen empfehlen würde, sagte er, das sei sehr individuell zu betrachten, aber wie für alles im Leben gelte die Faustregel, dies in Maßen zu betreiben. Seiner Aussage nach sollten Regulatoren grundsätzlich sogar Zugriff auf die Algorithmen von Facebook erhalten, um den Schutz der User zu gewährleisten. hmb
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