Nach Millionen-Exit

Das ist das neue IoT-Projekt des Relayr-Mitgründers

Harald Zapp, Mitgründer und CEO der Next Big Thing AG
© Next Big Thing
Harald Zapp, Mitgründer und CEO der Next Big Thing AG
Im September sorgte das Münchner IoT-Start-up Relayr mit einem 300 Millionen Euro schweren Exit für Schlagzeilen. Einer der Relayr-Gründer, Harald Zapp, hat mittlerweile ein neues Baby: Die Next Big Thing AG. Beim 2016 gegründeten Unternehmen mit Sitz in Berlin ist der Name Programm. Das Ziel: Die nächste technologische Killer-Anwendung soll aus Deutschland kommen. Unser Start-up der Woche.


Eine Minute im Aufzug mit einem potenziellen Investor. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Zapp: Während andere noch über IoT und Blockchain reden, haben wir bereits Geschäftsmodelle dafür – und entwickeln ständig weitere. Wer bei uns einsteigt, gestaltet die digitale Wirtschaft der Zukunft mit – das Next Big Thing eben. Mit einem klaren Fokus auf Demokratisierung und Machine Economy legt die Next Big Thing AG (NBT) den Grundstein für eine Zukunft vertrauenswürdiger, qualitativ hochwertiger Daten sowie Automatisierung durch intelligente Verträge und Sensoren, die die Kommunikation zwischen verbundenen Geräten effizienter machen.



Als Company Builder und Innovationsschmiede bringen wir IoT- und Blockchain Experten mit Business-Architekten zusammen und erschaffen so ein einzigartiges Innovationszentrum für Deutschland. Hier kommen Gründer und Startups, Investoren, Unternehmen, Technologie-Anbieter, Community Partner sowie Hardware- und Software-Experten zusammen und schaffen gemeinsam neue Chancen für Investitionen und Co-Creation. Wir halten die Einstiegshürden niedrig, um Partnern und Investoren einen einfacheren Zugang zu High-Tech-Innovationen zu ermöglichen. Unser Modell ist einfach, diversifiziert und ausgereift.

Warum besteht Bedarf an eurem Produkt? Wir sprechen zwei unterschiedliche Gruppen an. Zum einen Unternehmen, die den Anschluss an die Digitalisierungstrends finden müssen. Das benötigte Fachwissen und die Erfahrung in den entsprechenden Technologien wie IoT, Blockchain und künstliche Intelligenz sind allerdings nicht überall verfügbar. Bei der NBT bekommen sie Zugang zu einem umfangreichen Expertennetzwerk und können so die Digitalisierung ihres Marktes mitgestalten. Über Ausgründungen und Joint Ventures entstehen so neue Produkte und Services, ohne das traditionelle Geschäft vernachlässigen zu müssen. Zum anderen bieten wir Investoren einen schnellen und einfachen Zugang zu einem einzigartigen Startup-Portfolio. Im Vergleich zu den bekannten VC-Programmen, die das Scheitern von Startups erst in der Marktphase einplanen, bringt NBT nur tragfähige Geschäftsideen zur Marktreife. Dafür hat das NBT-Team mit seinem dreistufigen Konzept „Time Machine“ einen eigenen Venture-Building-Prozess entwickelt, der das Investitionsrisiko reduziert.
Start-up der Woche
In der Rubrik "Start-up der Woche" stellen wir einmal in der Woche eine junge Firma vor, die mit innovativen Geschäftsideen einen Wirtschaftsbereich aufmischt. Die Start-ups werden subjektiv von der HORIZONT-Onlineredaktion ausgewählt.



Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Unser Team verfügt über jahrelanges, fundiertes Know-how in IT- und IoT-Technologien sowie in der Gründung von innovativen Startups in genau diesen Bereichen. Ich für meinen Teil bin seit mehr als 30 Jahren in der Tech-Branche aktiv und kann unter anderem auf der Gründung von relayr, einer Plattform, mit der sich IoT-Lösungen viel einfacher entwickeln und betreiben lassen, aufsetzen. Im September 2018 hat die Munich Re relayr für 300 Millionen Dollar gekauft, NBT ist nun mein neues Projekt.

Die Weiterentwicklung des Internet und das Entwickeln sinnvoller Geschäftsmodelle, die unseren Arbeits- und Lebensalltag verbessern hat uns schon immer umgetrieben. Vor allem aber neue Innovationen aus Deutschland heraus zu fördern, ist uns ein Anliegen. Deutschland soll den Anschluss an die Spitze der Länder, aus denen Hightech-Innovationen kommen, nicht verlieren. Und am besten geht das nun mal, wenn man die richtigen Partner zusammenbringt und gemeinsam Neues entstehen lässt. Das „Bauen“ von Unternehmen gehört zu einem High-Tech-Standort einfach dazu.

Wie verdient ihr Geld? Wir entwickeln mit unserem Ökosystem an Experten kontinuierlich neue Geschäftsmodelle, überprüfen mit Industriepartnern deren Marktfähigkeit und gründen dann gemeinsam die entsprechenden Unternehmen. Wir haben dabei jeweils den Status als Co-Founder, da wir sehr viele eigene Entwicklungs- und auch administrative Ressourcen in der Entwicklungsphase einbringen. Sind die Unternehmen dann am Markt erfolgreich, verdienen wir im Rahmen unserer Beteiligung mit.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr in den nächsten Monaten? Wie andere Start-ups und etablierte Unternehmen beschäftigt uns der Mangel an Fachkräften. Vor allem Software-Spezialisten, IoT- und Blockchain- Experten, aber auch Fachleute für digitales Marketing sind für uns fundamental.

Eine weitere Herausforderung ist die sprichwörtliche „German Angst“: Deutsche Kapitalgeber zögern einfach zu lange, Risiken einzugehen. In Deutschland sind die Hürden für Wagniskapital immer noch zu hoch. Viel zu oft müssen Startups mit digitalen Zukunftstechnologien außerhalb von Deutschland, zum Beispiel in den USA und China, auf Investorensuche gehen.

Daneben haben auch wir die typischen Wachstumsschmerzen junger, erfolgreicher Unternehmen: Wachstum ja – aber nachhaltig. Obwohl es uns erst zwei Jahre gibt, haben wir unsere Mitarbeiterzahl innerhalb kürzester Zeit verdreifacht – das erfordert ein gutes Händchen im Aufbauen und Durchsetzen von Strukturen und Prozessen.

Wie steht euer Unternehmen in fünf Jahren da? Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden wir uns zu einer der Top-Adressen in Deutschland und Europa für datengetriebene Geschäftsideen rund um IoT, Blockchain und künstliche Intelligenz entwickelt haben. Die Digitalisierung braucht starke Ökosysteme, die mit viel Leidenschaft und Mut an den nächsten wichtigen Innovationssprüngen arbeiten. Als Company Builder und Corporate Innovation Partner stehen wir im Zentrum dieser Innovationen.

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