Nach Google-Plus-Aus

Warum die Alphabet-Tochter jetzt nach Snapchat greifen könnte

 Snapchat könnte schon bald keine unabhängige Firma mehr sein
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Snapchat könnte schon bald keine unabhängige Firma mehr sein
Nachdem bei Google Plus der Stecker gezogen wurde, steht die Alphabet-Tochter ohne ein eigenes Social-Media-Angebot da. Das macht die Übernahme von Snapchat, über die schon seit geraumer Zeit spekuliert wird, umso wahrscheinlicher. Ein anderer Tech-Gigant könnte Google aber noch in die Parade fahren.
Groß waren die Hoffnungen, als 2011 das soziale Netzwerk Google Plus an den Start ging. Die Plattform sollte nicht weniger sein als eine Reaktion auf den Siegeszug von Facebook. Doch eine ähnliche Erfolgsgeschichte konnte die Plattform bekanntlich nicht schreiben. Im Gegenteil: Google Plus wurde von Verbrauchern kaum genutzt, zuletzt dauerten dort fast alle Interaktionen nicht einmal mehr fünf Sekunden. Vor wenigen Tagen zog die Alphabet-Tochter bei ihrem gescheiterten sozialen Netzwerk schließlich den Stecker.


Wenn es um soziale Medien geht, steht der Mutterkonzern Alphabet, einer der wertvollsten Konzerne der Welt, nun ohne ein eigenes Angebot da. Gut möglich, dass der Tech-Konzern diese Lücke im Portfolio mit einem Zukauf füllen wird. Seit geraumer Zeit sind Gerüchte im Umlauf, sowohl innerhalb des Unternehmens als auch allgemein in der Tech-Branche, dass es Google auf eine Übernahme von Snapchat abgesehen hat. Offenbar soll das Unternehmen bereits mehrmals einen Kauf angeboten und dabei bis zu 30 Milliarden US-Dollar auf den Tisch gelegt haben.
Ein Insider habe die Übernahmebestrebungen Googles gegenüber dem Portal "Business Insider" jüngst als "offenes Geheimnis" bezeichnet. Doch bislang hatte sich Snap-CEO Evan Spiegel, dem die Unabhängigkeit seiner Firma äußerst wichtig ist, gegen einen Verkauf gewehrt. Zwei aktuelle Entwicklungen könnten nun die Übernahmebestrebungen allerdings wieder befeuern. Erstens: der Tot von Google Plus. Zweitens: Snaps Börsencrash. Der Marktwert der einst so hochgelobten App befindet sich seit dem Börsengang im Frühling 2017 im Sturzflug. Nachdem die Anteilsscheine von Snap kurz nach dem Gang aufs Parkett mit bis zu 30 Dollar gehandelt wurden und dem Unternehmen kurzweilig eine Bewertung von 40 Milliarden Dollar bescherten, ist davon heute nichts mehr übrig geblieben. Gegenüber dem Ausgabekurs hat die Snap-Aktie bereits fast zwei Drittel ihres Wertes verloren und dümpelt nun bei unter 7 Dollar herum.

Für Evan Spiegel könnte ein Verkauf also die einzige Option sein, sein Geschäft auf glimpfliche Art und Weise abzuwickeln, bevor dem Unternehmen im nächsten Jahr eventuell das Geld ausgeht. Google und Snap sind ohnehin eng miteinander verbunden: Alphabet-Chef Eric Schmidt gilt als wichtiger Ratgeber für den jungen Spiegel. Außerdem ist Snap ein Großkunde der Google Cloud und die Snap-Mitarbeiter nutzen intern die Business-Apps von Google.
„Amazon braucht eine Zielgruppe, die viele blöde Produkte mit hoher Gewinnspanne kauft: Teenager“
Scott Galloway
Wenn es nach dem viel zitierten Marketing-Professor Scott Galloway geht, könnte Google ein großer Wettbewerber in die Quere kommen: Amazon. Der Onlinehändler ist seiner Meinung nach der ideale Übernahmekandidat für Snapchat. "Amazon braucht eine Zielgruppe, die viele blöde Produkte mit hoher Gewinnspanne kauft: Teenager", so Galloway in einer Video-Ansprache. Seine Prognose: Snap ist Ende 2019 keine unabhängige Firma mehr.


Amazon als Snapchat-Käufer wäre tatsächlich nicht unrealistisch: Mit Tim Stone ist seit Mai ein Finanzchef für Snap tätig, der zuvor 20 Jahre lang bei Amazon beschäftigt war und den Deal wohl mit nur einem Handy-Anruf bei Jeff Bezos besiegeln könnte. Zudem integrierte Snapchat erst vor wenigen Tagen ein Shopping-Feature in seine App, das den Einkauf direkt über Amazon ermöglicht - die beiden Firmen befinden sich also bereits in einem engen Austausch. ron
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