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Wer mit seinem Gesicht bezahlt, sorgt sich nicht nur um den Datenschutz.
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Mobiles Bezahlen

Warum Mobile Payment in China schon von gestern ist

Wer mit seinem Gesicht bezahlt, sorgt sich nicht nur um den Datenschutz.
Mobile Payment in jedweder Form müht sich hierzulande noch durch die Mühen des Alltags. Deutschland hinkt zurück bei Regeln, Regularien, Technik und Akzeptanz. Was möglich ist – auch in Sachen Bequemlichkeit - zeigt China mit der Bezahlung per Gesichtserkennung. Die Händler müssen dafür Kundenbedenken zerstreuen, die nichts mit Datenschutz zu tun haben.
von Etailment Redaktion Donnerstag, 22. August 2019
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Bargeld ist in China zuweilen verpönt. Mobile Payment Alltag. WeChat und Alipay bringen den Chinesen bei, dass das kontaktlose Bezahlen an der Supermarktkasse noch einfacher sein kann: Per Gesichtserkennung. Und das funktioniert aus einer Reihe von Gründen sehr gut.


Frog (Frosch) heißt  Gesichtserkennungs-Kasse von WeChat Pay, "Dragonfly" (Libelle) taufte Alipay sein System. Und damit geht es tierisch ab im Markt.

Inzwischen setzen ganze Ladenstraßen auf Bezahlung per Gesichtserkennung und auch das U-Bahn-Ticket kann man testweise mit einem Lächeln kaufen.


Für den technischen Vormarsch gibt es einige Gründe:

Die Technik gilt als zuverlässig. Der Face-Scan der PoS-Geräte nutzt 3D-Kameras und  künstliche Intelligenz. Der Algorithmus zur Gesichtserkennung misst dabei die dreidimensionalen Informationen von menschlichen Gesichtern wie die Tiefe des Gesichts und die Höhe der Nase. Alipay nutzt insgesamt rund 600 Gesichtsmerkmale für die Erkennung.

Die Kasse erkennt Stammkunden

Sicher für den Händler soll das dank hinterlegter Datenbanken auch sein. Die Erkennungsgenauigkeit liegt wohl bei über 99,9%. Für den Kunden ist es aber auch sicher – wenn er bereit ist, auf Datenschutz und Privatsphäre zu verzichten.
Das System arbeitet mit einer zuvor im System gespeicherten Foto-ID des Kunden und scannt sein Gesicht nach einer Übereinstimmung. Der Kunde gibt dann einfach seine Telefonnummer ein und die Zahlung wird akzeptiert.

Die Gesichtserkennung an der Kasse kann sich zudem an das Gesicht von Stammkunden erinnern. Das lässt sich für Loyalty-Projekte nutzen, vereinfacht aber auch das Bezahlen. Der Kunde muss die Bezahlung  nicht mehr zusätzlich per Handy autorisieren.  Der Nutzer  muss  lediglich vor einer solchen Kasse stehen und auf die Kamera für die Gesichtserkennung  schauen. Identifizierung und Zahlung erfolgen dann automatisch. In Sekunden. 

Günstige Plug&Play-Lösung

Der Nachteil solcher Systeme: Sie sind kostspielig. Alipay verspricht aber, dass seine „Libelle“ als Plug&Play-Lösung inzwischen deutlich kostengünstiger sei. Bei der Integration achten die Kassenanbieter zudem darauf, dass die Systeme auch mit mehreren Zahlungsmethoden wie QR-Codescanner harmonisiert werden können.

Einige großen Ketten haben die Systeme längst im Einsatz. Der Fast-Food-Riese KFC beispielsweise ermöglichte seinen Kunden erstmals schon 2017, das Brathähnchen per “Smile to Pay” mit Gesichtserkennung zu bezahlen.

Und will mehr. Das Ziel: Eine Gesichtserkennung, die den Kundenwunsch basierend auf dem geschätzten Alter und der Stimmung eines Kunden vorhersagt.

Für Hürden sorgten in der Vergangenheit denn auch weniger die Sorgen um den Datenschutz. Sondern die Eitelkeit der Nutzer. Die fanden sich auf den Kamera-Aufnahmen unvorteilhaft getroffen. Alipay, Bezahldienst des chinesischen Online-Handelsgiganten Alibaba, kündigte daher gerade eigens Beauty-Filter für sein Bezahlsystem mit Gesichtserkennung "Smile to Pay" an.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf etailment.de
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