Mobiles Bezahlen

Apple Pay und Google Pay breiten sich in Deutschland aus

Mobiles Bezahlen setzt sich auch in Deutschland durch
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Mobiles Bezahlen setzt sich auch in Deutschland durch
Das Vorurteil der Bargeld-liebenden Deutschen hält sich weiter hartnäckig. Doch damit könnte bald Schluss sein: Eine aktuelle Studie bescheinigt den beiden mobilen Bezahldiensten Apple Pay und Google Pay hohe Nutzerzahlen in Deutschland. Die Autoren prognostizieren, dass Bargeld schneller schwindet als bisher angenommen.
Immer mehr Verbraucher bezahlen laut einer Studie der Strategieberatung Oliver Wyman ihre Einkäufe kontaktlos an der Ladenkasse. Zwar gelten die Bundesbürger nicht unbedingt als digitale Vorreiter, doch kontaktloses Zahlen gewinne allmählich an Akzeptanz, heißt es in dem Papier, für das gut 1500 Verbraucher befragt wurden. Hätten im Juli 2017 erst 15 Prozent der Befragten angegeben, sie hätten bereits kontaktlos bezahlt, waren es Anfang dieses Jahres fast die Hälfte (47 Prozent).


Kontaktloses Bezahlen heißt nicht automatisch, dass die Verbraucher via Smartphone bezahlen. Girocards würden immer beliebter, sagt René Fischer, Partner bei Oliver Wyman. "Deutschland ist ein Land der Girocard-Nutzer, Kreditkarten spielen eine untergeordnete Rolle". Bei kontaktlosen Zahlverfahren werden Karten an ein Lesegerät gehalten und kleine Beträge ohne PIN direkt abgebucht. Ein Einstecken der Karten in ein Gerät ist nicht nötig.

Aber auch das Zahlen per Smartphone breitet sich Oliver Wyman zufolge aus. Beliebt ist dies etwa bei Bus- und Bahntickets sowie Essens- und Taxibestellungen. Jeder vierte Befragte (26 Prozent) habe schon mit dem Handy mobil bezahlt. Darunter fallen Zahldienste wie Paypal und Payback Pay, aber auch die Apps Google Pay und Apple Pay. Auch an der Supermarktkasse werden die Apps verstärkt als digitale Geldbörse genutzt. Wie viele Leute regelmäßig mobil oder kontaktlos zahlen, wurde nicht erfasst.


Google Pay hätten knapp 5 Prozent der Befragten genutzt, bei Apple Pay waren es fast 4 Prozent - ein recht hoher Wert gemessen daran, dass nur knapp 30 Prozent der Smartphone-Kunden ein iPhone hätten. "Apple Pay hat in kurzer Zeit den Markt relativ weit durchdrungen", sagt Fischer. Google hatte seinen Zahldienst im Juni 2018 mit Partnerbanken in Deutschland eingeführt, Apple zog im Dezember nach.

Die Autoren beobachten, dass Bargeld auf dem Rückzug ist. "Auch kleinere Beträge von unter 20 Euro werden mittlerweile per Karte bezahlt", sagt Fischer. Schrumpfe der Bargeld-Anteil derzeit um 1 Prozent pro Jahr, könne sich das Tempo mittelfristig auf 2 Prozent beschleunigen. "Der Umsatzanteil von Bargeld an allen Transaktionen könnte binnen fünf Jahren unter 40 Prozent fallen", sagt Oliver Wyman voraus. 2017 lag der Wert laut Bundesbank bei 48 Prozent.

Die Ergebnisse der Studie decken sich in etwa mit denen, die die Marktforscher von PwC vor wenigen Wochen veröffentlichten. Demnach mache sich die Technologie vor allem in den jungen Bevölkerungsschichten breit. Fast jeder Zweite unter 30 Jahren hat mindestens einmal mit seinem Smartphone an der Kasse bezahlt, heißt es. Der Anteil der Mobil-Bezahler quer durch alle Altersgruppen liegt aktuell bei 25 Prozent. Die Ergebnisse verleiten die Studienmacher zu einem gewagten Fazit: "Das Bezahlen per Smartphone setzt sich auch in Deutschland durch." ron (mit dpa-Material)
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