Mobile World Congress

Welche faltbaren Smartphones gibt es und was können sie?

So sieht das Flex Pai von Royole aus
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So sieht das Flex Pai von Royole aus
Aufbruchstimmung im Smartphone-Markt: Der Mobile World Congress in Barcelona stand ganz im Zeichen der faltbaren Telefone, die unter anderem Samsung und Huawei mit im Gepäck hatten. Und auch Apple-Mitgründer Steve Wozniak ließ neulich mitteilen, dass er ganz scharf sei auf eines dieser "Foldable". HORIZONT Online zeigt die spannensten Falt-Telefone von der Branchenschau in Barcelona.

Samsung Galaxy Fold

Das Samsung Galaxy Fold gehört zu den Highlights auf dem MWC
© Samsung
Das Samsung Galaxy Fold gehört zu den Highlights auf dem MWC
Wenige Tage vor dem Mobile Wolrd Congress präsentierte Samsung das Galaxy Fold auf einem hauseigenen Event - und nahm damit dem Mobile World Congress, den der Konzern gewöhnlich groß bespielt, ein wenig den Wind aus den Segeln. Auf der Branchenschau in Barcelona hatte Samsung sein erstes faltbares Smartphone dennoch mit dabei - sperrte es allerding in einen großzügig abgesperrten Glaskasten. Nur gucken, nicht anfassen!
Samsung sperrt sein Galaxy Fold auf dem MWC in einen Glaskasten
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Samsung sperrt sein Galaxy Fold auf dem MWC in einen Glaskasten
Die Südkoreaner wagen mit dem Galaxy Fold, das sich in der Mitte zu einem Tablet aufklappen lässt, den Vorstoß in eine neue Produktkategorie. Das Gerät hat einen für heutige Verhältnisse eher kleinen Bildschirm mit einer Diagonale von 4,6 Zoll auf der Frontseite. Wenn man es aufklappt, faltet sich aber ein 7,3 Zoll großes Tablet-Display aus. Samsung wirbt damit, dass man innerhalb einer App nahtlos zwischen den Bildschirmen wechseln kann. Öffnet man etwa auf dem kleinen Display die Google-Karten, sieht man beim Aufklappen dieselbe Stelle - aber in einem größeren Ausschnitt und mit mehr Daten.


Ab April dieses Jahres soll das Galaxy Fold auch in Deutschland über die Ladentheke gehen. Allerdings müssen Käufer 2000 Euro berappen. Gegenüber HORIZONT Online hat Samsung-Manager Mario Winter den hohen Preis verteidigt: "Da steckt jahrelange Entwicklungsarbeit dahinter - und die kostet. Von daher sind solche Preise durchaus angemessen - egal, ob das unser Produkt ist oder das eines Wettbewerbers. Ein nagelneues Auto, das es in der Form noch nicht gibt, werden Sie ja auch nicht für den Preis eines Mittelklassewagens bekommen."

Huawei Mate X

So sieht das neue Huawei Mate X aus
© picture alliance
So sieht das neue Huawei Mate X aus
Neben dem Galaxy Fold war das Huawei Mate X der große Blickfang auf dem Mobile World Congress. Die Chinesen haben bei ihrem faltbaren Smartphone, das ebenfalls nur angeschaut und nicht angefasst werden durfte, allerdings ein komplett anderes Konzept gewählt: Während das Galaxy Fold zwei Displays besitzt und wie ein Buch auf- und zugeklappt wird, soll das Mate-X-Display so umgeknickt werden, dass es außen bleibt und auf beiden Seiten in halber Größe genutzt werden kann.
Das Huawei Mate X ist auf dem MWC ein Publikumsrenner
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Das Huawei Mate X ist auf dem MWC ein Publikumsrenner
Der Clou: Wenn man das zusammengeklappte Telefon in der Hand hält, bleibt jeweils der Bildschirm auf der unteren Seite deaktiviert. Zugleich aber kann man dank dem zweiten Display zum Beispiel Personen, die man gerade fotografiert, das Live-Bild der Kamera sehen lassen. Aufgeklappt besitzt das (nahezu quadratische) Tablet eine Bildschirmdiagonale von 8 Zoll (gut 20 cm).

Zeitlich lässt Huawei seinem großen Konkurrenten Samsung den Vortritt: Die Südkoreaner gehen Ende April an den Start, das Mate X soll Mitte des Jahres auf den Markt kommen. Auch beim Preis will sich Huawei nicht an den Südkoreanern orientieren: Das Mate X wird in der günstigsten Ausstattung 2299 Euro kosten - und ist damit rund 300 Euro teurer. Dafür unterstützt es als eines der ersten Smartphones überhaupt den neuen Mobilfunkstandard 5G.


Royole Flex Pai

So sieht das Flex Pai von Royole aus
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So sieht das Flex Pai von Royole aus
Der chinesische Hersteller Royole gilt zwar als Underdog im globalen Smartphone-Markt, positioniert sich bei den sogenannten "Foldables" allerdings als Pionier. Das faltbare Smartphone Flex Pai hat Royole bereits auf der CES in Las Vegas präsentiert. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona war das Gerät eines der wenigen "Foldables", das die Messebesucher tatsächlich in die Hand nehmen durften.

Das Design ähnelt dem von Huaweis Mate X: Das große Tablet-Display lässt sich in der Mitte zu einem Smartphone zusammenklappen, das sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite mit einem Screen ausgestattet ist. Nimmt man das zusammengefaltete Gerät in die Hand, deaktiviert sich automatisch der nicht sichtbare Teil des Screens. Punkten will Royole vor allem mit einem vergleichsweisen günstigen Preis von umgerechnet 1400 Euro für die 128-GB-Variante. Ob das Gerät hierzulande aber überhaupt auf den Markt kommt, steht noch in den Sternen.
So sieht das Royole Flex Pai in zusammengeklapptem Zustand aus
© Screenshot Youtube / Engadget
So sieht das Royole Flex Pai in zusammengeklapptem Zustand aus
Zwar wirbt Royole damit, dass sein Flex Pai extrem widerstandsfähig ist und auch Stürze locker wegsteckt, allerdings fühlt sich das Gerät nicht sonderlich hochwertig an. Mit einem Samsung- oder Apple-Gerät kann die Verarbeitungsqualität nicht mithalten. Außerdem waren auf dem Gerät, das am Messestand von Royole ausgestellt wurde, bereits erste Schlieren auf dem Display zu erkennen. Offenbar setzt das ständige Öffnen und Schließen des Displays dem Smartphone mehr zu als gedacht.

LG V50 ThinQ

Das V50 ThinQ ist LGs Version eines faltbaren Smartphones
© LG
Das V50 ThinQ ist LGs Version eines faltbaren Smartphones
Warum ein faltbares Smartphone entwickeln, wenn man auch einfach zwei Telefone in der Mitte zusammenfriemeln kann? Diese Frage hat man sich wohl offenbar bei LG gestellt. Die Südkoreaner haben auf dem Mobile World Congress das neue V50 ThinQ vorgestellt und damit gleichzeitig ein Beispiel dafür geliefert, wie faltbare Smartphones künftig nicht aussehen sollten.

Das V50 ThinQ ist im Prinzip erst einmal nur ein Gerät, das man völlig eigenständig als "normales" Smartphone nutzen kann. Wenn gewünscht, kann man für einen Aufpreis allerdings eine aufklappbare Smartphone-Hülle ordern, in die ein zusätzliches zweites Display integriert ist. Steckt man das V50 dort hinein, hat man im Prinzip zwei Displays nebeneinander liegen, die durch ein Scharnier getrennt sind.

Ein perfektes Vollbild-Erlebnis wie das Galaxy Fold und das Mate X bietet das LG-Gerät auf diese Weise zwar nicht und die sichtbare Trennung des Displays in der Mitte bleibt ein optisches Manko, aber immerhin lassen sich zwei Apps gleichzeitig nebeinander bedienen. Hält man das Gerät beispielsweise horizontal, lässt sich das untere Display außerdem als große Tastatur bedienen, während auf dem oberen Bildschirm etwa die Messenger-App angezeigt wird.

Dennoch: Auf dem Mobile World Congress, der dieses Jahr im Zeichen der "Foldables" stand, gab LG mit diesem Produkt kein gutes Bild ab. Dabei besitzt der Konzern durchaus die Technologie, die für ein faltbares Smartphone á la Galaxy Fold oder Mate X notwendig ist: Auf der Tech-Messe CES zeigte LG im Januar einen ultradünnen TV-Bildschirm, der sich wie Papier aufrollen lässt. ron
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