Kampf gegen Hass und Gewalt

Facebook will stärker in Künstliche Intelligenz investieren

Mark Zuckerberg auf der F8-Konferenz
© Facebook
Mark Zuckerberg auf der F8-Konferenz
Im Kampf gegen Probleme wie Hate-Speech und Gewalt-Videos sieht Facebook die Lösung in Künstlicher Intelligenz. Wie der Konzern gestern auf seiner hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 erklärte, wolle man in Zukunft stärker in solche Technologien investieren, um Vorfälle wie den Live-Stream des Attentäters in Neuseeland zu vermeiden. Doch die Herausforderungen sind enorm.
Facebook und Künstliche Intelligenz: Dieses Paar machte erst vor wenigen Wochen unfreiwillig Schlagzeilen, als im neuseeländischen Christchurch ein Mann Dutzende Menschen ermordete und sein Gewaltverbrechen in einem Livevideo auf Facebook festhielt. Facebooks Software, die auf Basis einer KI arbeitet und in Livestreams auf der Plattform unter anderem Gewalt erkennen soll, hatte bei diesem Video nicht reagiert.


Angesichts dieses Vorfalls hatten viele Besucher der Entwicklerkonferenz F8 gespannt darauf gewartet, was Facebook nun verändern möchte, um Hass und Gewalt künftig besser zu erkennen. Und tatsächlich stand der zweite Tag auf der Facebook-Konferenz zum großen Teil im Zeichen von Künstlicher Intelligenz und wie sie helfen soll, diesem Problem Herr zu werden.

In seiner Eröffnungsrede erklärte Technologiechef Mike Schroepfer, dass Facebooks KI bereits alle auf den hauseigenen Plattformen veröffentlichten Inhalte, die gegen die Richtlinien verstoßen, vollautomatisch analysiere und in den meisten Fällen auch hohe Erfolgsraten habe. Bei Hatespeech und Belästigungen arbeite die Software allerdings noch nicht so gut wie erhofft. Die mit Abstand häufigsten Richtlinienverstöße werden durch Fake-Accounts und Spam ausgelöst, Gewalt und Hate Speech kommen vergleichsweise selten vor.


Ziel sei es, Inhalte künftig mit so wenig menschlicher Überprüfung wie möglich zu verstehen. Dafür hat das soziale Netzwerk beispielsweise eine allgemein gültige, digitale Sprache entwickelt (Natural Language Processing (NLP)), die schädliche Inhalte übersetzt, damit sie in mehreren Sprachen erfasst werden können. Außerdem verwendet Facebook einen neuen Ansatz zur Objekterkennung namens Panoptic FPN. Damit erkennt die Technologie nicht mehr nur Personen oder Gegenstände, sondern etwa auch Gebäude im Hintergrund und erfasst so besser den Kontext eines Fotos.

Die KI wird auch eingesetzt, um automatisiert festzustellen, was in Videos zu sehen ist und was nicht. Die Genauigkeit der Erkennung habe der Konzern 
um mehr als fünf Prozent gegenüber dem aktuellen Stand der Technik gesteigert. "Als wir diese Technik für Instagram angewendet haben, konnte die KI 80 Prozent mehr schädliche Inhalte proaktiv identifizieren", teilt Facebook mit.

Zuvor hatte Facebook am ersten Tag der F8 weitere weitreichende Veränderungen präsentiert und dabei einen starken Fokus auf das Thema Privatsphäre gelegt. So wird das Unternehmen auch seinen Chatdienst Messenger auf Komplett-Verschlüsselung umstellen. WhatsApp, der andere Chatdienst von Facebook, hat bereits seit langem die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der grundsätzlich nur Absender und Empfänger die Inhalte sehen können. Facebook-Chef Mark Zuckerberg versprach nach den Daten-Skandalen der vergangenen Monate, den Schutz der Privatsphäre in den Mittelpunkt des Online-Netzwerks zu stellen: "Die Zukunft ist privat". Zudem bekommt der Messenger einen prominent platzierten Knopf, hinter dem die Kommunikation mit Familie und engen Freunden gebündelt wird. In der redesignten Haupt-App von Facebook werden stärker Gruppen hervorgehoben, in denen sich Nutzer nach Interessen organisieren können. In den vergangenen Jahren hatte Zuckerberg noch oft wiederholt, es sei die Mission von Facebook, die Welt stärker zu vernetzen. Jetzt spricht er davon, dass sich Menschen online sowohl in öffentlichen als auch in strikt privaten Räumen bewegen wollten.

Das Online-Netzwerk will unterdessen sein Videotelefonie-Gerät Portal nach dem Start in den USA auch international auf den Markt bringen. Im Juni soll Kanada den Anfang machen, Europa folge im späteren Jahresverlauf - einzelne Länder nennt Facebook dabei vorerst nicht. Für Portal soll auch eine Videochat-App für Smartphones kommen, die die Reichweite der Plattform erweitern wird. ron (mit dpoa-Material)

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