Internet-Kritiker Andrew Keen

„Technologie wird die Welt nicht reparieren - sondern wir Menschen“

Andrew Keen, Internet-Kritiker und Autor
© Medientage München
Andrew Keen, Internet-Kritiker und Autor
Der britisch-amerikanische Autor Andrew Keen gründete vor über 20 Jahren ein Unternehmen. Heute kann er sich mit der dort herrschenden Mentalität nicht mehr identifizieren. Mittlerweile hat der 58-Jährige bereits sein drittes Buch veröffentlicht, in dem er das Internet kritisiert. Auf den Medientagen München stellte er seine neueste These vor, wie man die Zukunft noch reparieren kann.
Viel wurde versprochen und erhofft in den Anfängen des Internets: Jeder hat seine eigene Stimme und kann sie äußern, es gibt unendliche Möglichkeiten, eine flache Welt, interkulturelles Verstehen. Das Internet sollte die Welt besser machen. Doch die Realität sieht ganz anders aus, meint Andrew Keen. Kulturen werden zerstört, die eigene Stimme wird nicht nur für Gutes benutzt, sondern sogar von Präsidenten wie Trump oder Putin missbraucht.


Auch das monopolistische Internet der GAFA-Unternehmen entspreche nicht dem ursprünglichen Gedanken des Internets von einer flachen Welt. Zudem ersetzen immer mehr Algorithmen die Jobs der Menschen, Künstliche Intelligenz kann längst nicht mehr nur Autos fahren, sondern auch die Kompetenzen eines Arztes bieten. Die Zukunft ist zerbrochen, sagt Keen, Demokratie und Gleichheit wurden zerstört.

Auf den Münchner Medientagen präsentiert der Autor eine To-do-Liste, wie die Zukunft seiner Ansicht nach repariert werden kann. Der Schlüssel dafür: Wir müssen die Technik beherrschen und uns nicht von ihr beherrschen lassen. Unablässig dafür seien Behörden, die vor allem die GAFA-Unternehmen regulieren. Es brauche beispielsweise Gesetze, die die Privatsphäre der Nutzer auf Google und Facebook schützen. Nur so könne die Macht der Tech-Giganten eingedämmt werden - und kleineren Playern ermöglicht werden, auf dem Markt zu überleben.


„Ein freies Programm ist niemals kostenlos“
Andrew Keen, Autor
Außerdem brauche es Innovationen, die die Bedürfnisse und Interessen der Nutzer widerspiegeln. Dafür müssten die Nutzer künftig stärker und aggressiver argumentieren, was sie brauchen, fordert der Internet-Kritiker.

Drittens sollte jedem Menschen verständlich gemacht werden, dass ein freies Produkt wie Facebook oder Google niemals kostenlos sei. Denn die meisten Nutzer verstünden heute noch nicht, dass sie bei dort mit ihren Daten statt mit Geld bezahlen.

Eine weitere Forderung von Keen lautet: Das Schulsystem muss sich ändern, Menschlichkeit sollte in den Schulalltag integriert werden. Das Waldorf-Modell führt er als Paradebeispiel an. In allen Schulen sollten Kreativität und Empathie gelehrt werden. Denn: In den meisten Bereichen können Menschen sich nicht mit den Algorithmen messen - in diesem schon. Deswegen lautet Keens abschließender Appell: „Nicht Blockchain oder andere neue Technologien werden unsere Zukunft retten - sondern wir Menschen“. bre
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