iOS 11

US-Marktforscher beschweren sich über Apples Cookie-Blocker

   Artikel anhören
Mit iOS 11 können Nutzer in Safari nicht mehr so genau getrackt werden.
© dpa
Mit iOS 11 können Nutzer in Safari nicht mehr so genau getrackt werden.
Weil Apple mit seinem neuen Betriebssystem iOS 11 cookiebasierte Werbung schwieriger macht, bekommt der Tech-Konzern derzeit ordentlich Gegenwind aus der Wirtschaft zu spüren. Nachdem vor einem Monat bereits zahlreiche Marketing-Verbände ihren Unmut gegen diese Neuerung äußerten, melden sich nun auch die Marktforscher zu Wort und mahnen: Apple schneidet sich ins eigene Fleisch.
Konkret geht es um die Funktion namens "Intelligent Tracking Prevention", die mit dem Update für das Betriebssystem iOS 11 eingesetzt wird. Beim Surfen im Safari-Browser soll sie das Tracken der Nutzer erschweren, indem Cookies nur noch 24 Stunden lang durch Drittanbieter verwendet werden können. Retargeting wird nach diesem Zeitraum für Werbungtreibende eingeschränkt.

Die beiden US-Marktforschungsverbände "Insights Association" und "Marketing Research and Intelligence Association" (MRIA) beschweren sich nun in einem Offenen Brief an Apples Software-Chef Craig Federighi. Das Feature mache es schwer, Online-Metriken zu erheben, die beispielsweise bei der Erforschung der User-Experience wichtig sind und versperre Werbungtreibenden den Zugang zu wichtigen Daten: "Intelligent Tracking Prevention wird einen heftigen und nahezu unüberwindbaren Schaden für die Online-Marketing-Foschung und Analytics-Branche anrichten", so die Verbände in ihrem Schreiben.

Die Metriken, die den Werbungtreibenden durch das neue Apple-Feature verloren gehen, seien "essenziell" für die erfolgreiche Durchführung von Online-Marketing-Maßnahmen. 
"Ohne diese Insights zwingen Sie Unternehmen in den Blindflug", so die Verbände zu Federighi.

Außerdem kritisieren die Marktforscher, dass die Nutzer durch Apple bevormundet würden: "Statt die Nutzer selbst entscheiden zu lassen, ob sie getrackt werden wollen oder nicht, übernimmt Safaris 'Intelligent Tracking Prevention' die Kontrolle über die willkürlichen und undurchsichtigen Algorithmen und Prozesse."

Erst vor wenigen Wochen hatten bereits sechs prominente US-Marketingverbände ihren Unmut über den Cookie-Blocker geäußert. Die "American Association of Advertising Agencies", die "American Advertising Federation", die "Association of National Advertisers", die "Data & Marketing Association", das "Interactive Advertising Bureau" und die "Network Advertising Initiative" schrieben - ebenfalls in einem Offenen Brief an Apple - der Konzern würde das derzeitige ökonomische Modell des Internets sabotieren.

Apple selbst rechtfertigt den Cookie-Blocker mit seinen Privacy-Bemühungen: "Apple glaubt daran, dass jeder ein Recht auf Privatsphäre hat. Safari war der erste Browser, der Drittanbieter-Cookies standartmäßig geblockt hat und Intelligent Tracking Prevention ist eine erweiterte Methode dessen", äußerte sich der Konzern gegenüber Techcrunch. Das Feature würde keine Werbung blocken, so Apple, sondern dazu beitragen, die Privatsphäre der User im Internet zu schützen, indem es eben Cookies entdeckt und eliminiert. ron
stats