Hallo Magenta

Wie die Telekom mit ihrer eigenen Plattform den Voice-Markt aufrollen will

Torsten Brodt, Leiter Consumer Segment Management Telekom Deutschland
© Deutsche Telekom
Torsten Brodt, Leiter Consumer Segment Management Telekom Deutschland
In der Flut der Ifa-Neuheiten ist der Smart Speaker der Deutschen Telekom ein bisschen untergegangen. Aber hinter dem Magenta Speaker und dem Magenta-Sprachassistent stecken große Ambitionen. Das gemeinsam mit dem französischen Telekommunikationsanbieter Orange entwickelte Projekt soll eine europäische Alternative zu US-Plattformen wie Alexa, Google Assistant und Siri bieten. Im Interview mit HORIZONT spricht Torsten Brodt, Leiter Consumer Segment Management Telekom Deutschland, über die Strategie zur Markteinführung.

Die Hindernisse auf diesem Weg sind nicht zu unterschätzen: So zeigt beispielsweise die zögerliche Einführung von Samsungs Bixby und die fast vollständige Beschränkung von Microsofts Cortana auf das Windows Betriebssystem, dass die Etablierung einer an allen Interaktionspunkten verfügbaren Sprachplattform in der Praxis meist deutlich schwieriger ist als gedacht. Selbst Siri, die Großmutter dieses Technologietrends, bleibt bis heute faktisch auf die Assistentenrolle für iPhones beschränkt.

Trotzdem ist Brodt überzeugt, dass die Telekom nicht zuletzt aufgrund der Anwendungsmöglichkeiten für die Geschäftskunden eine reale Chance hat. Bei der Sprachtransformation schließt er auch das traditionelle Kerngeschäft seines Unternehmens nicht aus: Der Smart Speaker soll auch die Telefonie verändern.

"Für den bisherigen Festnetzbereich soll der Smart Speaker eine vollwertige Alternative werden"

Die Telekom hat auf der Ifa erstmals seinen Smart Speaker und seine Sprachplattform präsentiert. Glauben Sie wirklich, dass Sie den Vorsprung von Google, Amazon und Alexa noch aufholen können? Die Telekom würde nicht in das Thema investieren, wenn wir keine Chance sehen würden, uns einen entsprechenden Marktanteil zu erkämpfen.  Und der Markt ist ja noch jung: Weniger als 10 Prozent der Deutschen haben einen Smart Speaker zuhause stehen und weniger als 30 Prozent nutzen schon Sprachassistenten. Da ist noch genug Raum für unser Angebot.

Wann werden normale Kunden den Magenta-Speaker kaufen können? Das wird noch ein wenig dauern. Unser nächster Schritt ist jetzt 1000 Smart Speaker an Kunden auszuliefern, damit diese in der alltäglichen Nutzung die Plattform trainieren können. Und sobald sich unser Sprachassistent genügend bewährt hat, bringen wir ihn flächendeckend auf den Markt.

Und was für einen virtuellen Freund schicken Sie diesen ersten Kunden ins Haus? Hat Magenta schon eine eigene ausformulierte Persönlichkeit? Unser Sprachassistent ist ein Werkzeug, mit dem unsere Kunden Dinge einfacher und schneller erledigen können, auch wenn die Hände mal nicht frei sind. Aber wir wissen auch, dass bei Smart Speakern der Spaßfaktor eine große Rolle spielt.  Deshalb haben wir bei der Entwicklung lange darüber nachgedacht, welche akustische Persönlichkeit Magenta bekommen soll. Wir haben uns für eine menschliche, weibliche Stimme entschieden, die dann digitalisiert wird. Dabei legen wir natürlich Wert auf eine angenehme Interaktion mit unserer Sprachsteuerung.

„Für einige Händler ist es schlicht nicht attraktiv, eine Plattform wie Alexa zu nutzen und damit die eigene Konkurrenz mit Nutzerdaten zu füttern.“
Torsten Brodt
Das wäre dann noch eine digitale Persönlichkeit nach Siri, Alexa und Co. Wartet denn noch überhaupt jemand auf eine eigene Sprachplattform aus Deutschland? Wir sind mit vielen deutschen Unternehmen in intensiven Gesprächen. Denn sie alle sind sich bewusst, dass sie in das Thema Sprachsteuerung investieren müssen. Bisher gibt es dafür aber keine valide europäische Plattform. Und für einige Händler ist es schlicht nicht attraktiv, eine Plattform wie Alexa zu nutzen und damit die eigene Konkurrenz mit Nutzerdaten zu füttern. Dazu kommen noch Fragen des Datenschutzes, die sich aus Sicht der Unternehmen wesentlich besser lösen lassen, wenn die Server einer Plattform in der EU stehen. Entsprechend groß ist das allgemeine Interesse.

Der Magenta-Speaker selbst wirkt allerdings ein wenig wie die erste Modell-Generation des Amazon Echo. Die Design-Fans unter den potenziellen Kunden werden damit kaum zu beeindrucken sein. Das sehen wir etwas anders. Mit unserem Design haben wir das Ziel einer harmonischen Integration in das Wohnumfeld unserer Kunden verfolgt.  Dafür wurde der Speaker bereits mit dem Red Dot Design ausgezeichnet. Der Speaker ist die erste Geräte-Inkarnation unserer Sprachplattform. Diese werden wir über den Smart Speaker hinaus weiterentwickeln. Allein die Telekom hat 50 Millionen Handys im Netz und bedient 3,5 Millionen TV-Haushalte. Das sind alles Kontaktpunkte zu den Nutzern, wo wir mittelfristig unsere Sprachsteuerung einsetzen und so eine entsprechende Reichweite für die Plattform aufbauen werden. Denn der unmittelbare Nutzen der Sprachplattform ist für uns als Unternehmen, dass wir auf diese Weise unsere eigenen Produkte über eine intuitivere Nutzung deutlich veredeln.

Telekom investiert ja gleichzeitig auch in Virtual Reality und Augmented Reality. Sollen sich diese Innovationsfelder auch gegenseitig befruchten? Warum nicht? Alle diese Themen sind in der gleichen Abteilung gebündelt und langfristig lässt sich da viel vorstellen. Zum Beispiel ist denkbar, dass irgendwann einmal die Nutzer ihre Informationen über einen AR-Brille erhalten und ihre Befehle über die Sprachsteuerung geben. Der Befreiung der Hand von Kommunikationsaufgaben kommt vielleicht schneller als wir denken.

Was würde das für die Kommunikation bedeuten? Muss die Telekom in einer Welt der Smart Speaker ihr Geld ohne Telefone verdienen? Wie sich die Smartphones in diesem neuen Kontext verändern, wird man abwarten müssen. Aber für den bisherigen Festnetzbereich soll der Smart Speaker eine vollwertige Alternative werden. Unser Smart Speaker wird sich direkt mit dem eigenen digitalen Telefonbuch verbinden und so Anrufe ermöglichen, bei denen man gar nicht erst die Nummer wählen muss. cam




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