GroupM-Studie

Deutsche Arbeitnehmer fürchten sich vor Kollege KI

Ersetzt KI viele Arbeitsplätze in Deutschland?
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Ersetzt KI viele Arbeitsplätze in Deutschland?
Vor ziemlich genau einem Jahr kündigte Zalando an, bis zu 250 Marketing-Stellen durch Künstliche Intelligenz zu ersetzen - und zettelte damit eine Branchendiskussion über die Zukunft der Arbeit an, an der sich sogar Rocket-Internet-Boss Oliver Samwer und About-You-Chef Tarek Müller beteiligten. Die große Frage damals wie heute: Gefährdet KI Arbeitsplätze oder macht sie die Arbeit nur einfacher? Einer aktuellen Studie der Group M zufolge befürchten deutsche Arbeitskräfte vor allem ersteres.
Drei von vier deutschen Arbeitnehmern sehen derzeit die Gefahr, dass Arbeitskräfte durch die fortschreitende KI-Entwicklung ersetzt werden. Besonders gefährdet sind ihrer Meinung nach Berufe in den Bereichen Produktion und Verarbeitung, Logistik und Transport sowie IT und Datenverarbeitung, wo automatisierte Programme deutlich effektiver arbeiten als die Kollegen aus Fleisch und Blut. Die Ergebnisse stammen aus einer aktuellen Untersuchung von Group M, für die im Oktober 2018 mehr als 2.000 Personen ab 16 Jahren zu ihren Erfahrungen, Wünschen und Hoffnungen rund um KI befragt wurden.


Was den Job angeht, sind die Deutschen zwar relativ besorgt, doch allgemein betrachtet ist das Bild, das sie auf Künstliche Intelligenz haben, eher ausgeglichen. Fast jeder (97 Prozent) der Befragten hat schon einmal von dem Begriff KI gehört, die meisten können ihn sogar erklären. Ob die Technologie nun aber Freund oder Feind ist, kann die Mehrheit kaum beantworten. Nutzen und Risiken halten sich bei den Deutschen die Waage. Einerseits schätzen die Deutschen vor allem Erleichterungen im Alltag und die möglichen Zeitersparnisse. Andererseits sorgen sich viele um einen Kontrollverlust, eine hohe Fehleranfälligkeit und nicht zuletzt um die Gefährdung vieler Arbeitsplätze.

Die größten Wachstumspotenziale von KI sehen die Deutschen im Auto. KI-gesteuerte Fahrassistenzsysteme werden zwar bislang nur von sechs Prozent genutzt. Doch beim Thema Navigation und der Steuerung von Multimedia-Anwendungen liegen intelligente Sprachassistenten bereits voll im Trend. Einen echten Mehrwert erkennen die Deutschen nicht zuletzt im Kampf gegen den Verkehrskollaps: 61 Prozent sind der festen Überzeugung, dass KI einen wesentlichen Beitrag leisten kann, die zunehmenden Staus im Straßenverkehr zu reduzieren.


In der Vergangenheit hatten zahlreiche Studien untersucht, wie die Arbeitnehmer hierzulande auf das Thema KI blicken - zum Teil mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Das Meinungsforschungsinstitut Civey hatte etwa im Auftrag von Sinner Schrader herausgefunden, dass die technologische Entwicklung die deutschen Arbeitnehmer eher kalt lässt. Nichtsdestotrotz seien sich die meisten aber sehr wohl bewusst, dass es in Zukunft einige Millionen Arbeitslose geben würde, für die keine Jobs mehr da sein werden.

Die Diskussionen ins Rollen brachte zuletzt der Online-Versandhändler Zalando, der vor einem Jahr 250 Marketing-Mitarbeiter durch KI ersetzte. Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer prophezeite wenige Tage später, dass dieses Modell Schule machen wird: "Ein Großteil des Marketings kann schon heute automatisiert gesteuert werden", so Samwer. About-You-Gründer Tarek Müller sagte, Zalandos Schritt sei "folgerichtig" gewesen. ron

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