Google-Europachef Philipp Justus

"Wir möchten mehr für die User tun – mit weniger Daten"

Google-Manager Philipp Justus beim OMR-Festival
© OMR
Google-Manager Philipp Justus beim OMR-Festival
Bilder von Anti-Volkszählungs-Protesten aus den 80er-Jahren und Reminiszenzen an den Internet-Erfinder Tim Berners-Lee: Schon das kurze Einführungsvideo vor dem Werbevortrag von Google-Europachef Philipp Justus auf der bunten OMR-Showbühne zeigt: Ausgerechnet der große Datensammler Google will sich an die Spitze der Datenschützer setzen.

„Wir möchten mehr für die User tun – und das mit weniger Daten“, sagt Justus. Die gehörten ohnehin den Nutzern; auch dieses Pflichtbekenntnis jeder aktuellen Privacy-Diskussion darf bei ihm nicht fehlen. Dabei gehört Google zu den größten Sammlern und Auswertern von Nutzungsdaten im digitalen Ökosystem, das dürfte auch Justus kaum bestreiten. Aber: „Wir verkaufen die Daten nicht, an niemanden“, sagt er. Vielleicht eine Anspielung auf Facebook?



Google nutze die Daten lediglich intern, um seine Produkte zu verbessern. Und okay, auch fürs Targeting bei der Werbevermarktung – „aber niemals auf Basis sensibler Daten!“ Auch verfolge man keine digitalen Fingerabdrücke zwischen unterschiedlichen Geräten. Doch interessieren sich die Nutzer überhaupt für Privacy? Ja, sagt Justus: Der Google Account, mit dem die Nutzer ihre Privatsphäre-Einstellungen verwalten können, habe im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Besuche verzeichnet. Und wenn die User den Nutzen erkennen (unentgeltliche Inhalte und Services), dann seien sie im Gegenzug auch bereit, Daten preiszugeben.

Um die Privatsphäre-Anforderungen des Gesetzgebers und der Nutzer zu erfüllen, müssten Werbungtreibende, Publisher und Adtech-Anbieter mehr zusammenarbeiten, fordert Justus. Auch durch den Austausch ihrer jeweiligen First-Party-Daten, im Rahmen der Privacy-Anforderungen. „Wir alle brauchen möglichst relevante Daten – und nicht möglichst viele Daten.“ Hier will Google mit seinen Login- und Zustimmungssystemen (in Zukunft wohl auch über seinen Chrome-Browser) die Daten-Drehscheibe sein. Angeblich allein zum Wohle des Verbrauchers, doch ganz sicher auch zu dem des eigenen Vermarkungsgeschäfts. rp


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