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Stan Chudnovsky ist bei Facebook für den Messenger verantwortlich
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Facebook-Manager Stan Chudnovsky

"Messenger-Kommunikation wird die E-Mail nicht ersetzen"

Stan Chudnovsky ist bei Facebook für den Messenger verantwortlich
Der Facebook Messenger, bislang eher als Consumer-Anwendung bekannt, hat sich in den vergangenen Monaten auch zu einem echten Business-Case entwickelt: Immer mehr Unternehmen nutzen diesen Kanal, um mit ihren Kunden zu kommunizieren. Stan Chudnovsky, der die Entwicklung des Facebook Messengers verantwortet, prophezeit eine neue Ära der Kommunikation - die E-Mail sei allerdings nicht totzukriegen.
von Giuseppe Rondinella Freitag, 14. September 2018
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Angesichts der vielen Erfolgsmeldungen rund um die Facebook-Plattformen Whatsapp und vor allem Instagram fliegt der Facebook Messenger gefühlt ein wenig unter dem Radar. Zu Unrecht, wie aktuelle Zahlen zeigen: 1,3 Milliarden Nutzer, 200.000 Chatbots und 500 Milliarden verschickte Emojis im Jahr 2017 sprechen für sich. Kein Wunder also, dass auch immer mehr Unternehmen in diesen Kanal drängen.


Stan Chudnovsky verantwortet die Entwicklung des Facebook Messengers als Head of Product seit vier Jahren und betonte gestern auf der Dmexco in Köln, dass die Anwendung vor allem bei Unternehmen immer häufiger Gefallen finden würde. Den Grund für diese Entwicklung fasst Chudnovsky in einem Satz zusammen: "Würden Sie lieber 10 Minuten in der Telefon-Warteschleife hängen oder 10 Minuten warten auf eine Antwort im Facebook Messenger?"

In den USA sei der Kanal bei Unternehmen stärker verbreitet als in europäischen Märkten. Allerdings gibt es auch in Europa bereits einige vorzeigbare Cases. Die niederländische Fluggesellschaft KLM beispielsweise stellt ihren Kunden das Boarding Ticket auch über den Facebook Messenger zur Verfügung. 15 Prozent aller KLM-Reisenden würden diese Möglichkeit nutzen, heißt es.
„Wir werden künftig weniger E-Mails senden, aber diese Kommunikationsform wird nicht komplett verschwinden.“
Stan Chudnovsky, Facebook Messenger
Erst vor wenigen Tagen hatte die Schwesterfirma Whatsapp angekündigt, den Dienst für die Kommunikation zwischen Unternehmen und ihren Kunden zu öffnen. Zu den ersten Unternehmen, die den neuen Dienst "Whatsapp Business API" in Anspruch nehmen, gehören die Fluggesellschaften KLM und Singapore Airlines, das Online-Reiseportal Booking.com, die Einkaufsplattform Wish sowie der Fahrdienstleister Uber. Online-Händler können über die Schnittstelle beispielsweise die Kunden in Echtzeit über den Verlauf der Paketzustellung informieren.


Die klassische E-Mail sei allerdings nicht totzukriegen, prophezeit der langjährige Facebook-Manager Chudnovsky. Zwar hätten Nachrichten auf dem Messenger eine zehnfach höhere Öffnungsrate als E-Mails, doch die E-Mail werde auch in Zukunft weiter relevant sein. "Wir werden künftig weniger E-Mails senden, aber diese Kommunikationsform wird nicht komplett verschwinden", so Chudnovsky. Er bedient sich an einem historischen Beispiel: "Als die E-Mail eingeführt wurde, dachten auch alle, wir drucken nie wieder etwas aus. Dieses Szenario ist bekanntlich nicht eingetreten."

Wo die Reise hingeht für den Facebook Messenger, das will Chudnovsky noch nicht verraten. Der Vergleich mit dem chinesischen Pendant WeChat, mit dem Nutzer etwa zusätzlich Essen bestellen, Restaurant- und Stromrechnungen bezahlen, Arzttermine buchen oder Visa für die USA beantragen können, sei allerdings unangebracht. "WeChat ist in China so erfolgreich, weil die Menschen dort keine andere Wahl haben", so Chudnovsky. ron
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