Ein Jahr nach der Übernahme

Wie Sizmek mit Rocket Fuel auf dem Adtech-Markt angreifen will

Patrick Edlefsen ist Managing Director DACH bei Sizmek
Sizmek
Patrick Edlefsen ist Managing Director DACH bei Sizmek
Mit dem 145 Millionen Euro schweren Kauf der Firma Rocket Fuel sorgte der US-Technologieanbieter Sizmek im Sommer 2017 für eine der spektakulärsten Übernahmen im Adtech-Markt. Ein Jahr nach dem Kauf erklärt DACH-Chef Patrick Edlefsen, warum die Rocket-Fuel-Übernahme nicht ohne Reibungen verlief und wie sich die US-Firma nun mit einer neuen Positionierung gegen Google behaupten will.

Dass sich der Adtech-Markt in einer Konsolidierungsphase befindet, ist hinlänglich bekannt. Deutlich wurde diese Marktentwicklung vor allem im September vergangenen Jahres, als der US-amerikanische Adtech-Gigant Sizmek den Technologieanbieter Rocket Fuel, 2008 von Ex-Yahoo-Angestellten in Kalifornien gegründet, für insgesamt 145 Millionen Euro schluckte. Der Deal war in diesem Jahr einer der teuersten und aufmerksamkeitsstärksten in der globalen Adtech-Branche.

Denn die Marschrichtung von Sizmek ist an dieser Übernahme deutlich abzulesen: Das US-Unternehmen, das im Markt vor allem als Adserver bekannt ist, will sich zu einem Full-Stack-Technologieanbieter wandeln und auf diese Weise den großen Plattformen Google und Facebook Paroli bieten. Sizmek will sich für Kunden und Agenturen ins Spiel bringen, die unabhängiger werden wollen von diesen beiden Silicon-Valley-Giganten. Und diesen Wunsch haben immer mehr Dienstleister.




"Wir werden jetzt als die einzige Alternative zum Google Stack gehandelt und haben damit genau das umgesetzt, was unsere Kunden sich gewünscht haben", sagt Sizmeks DACH-Chef Patrick Edlefsen, der knapp ein Jahr nach der Übernahme von Rocket Fuel gegenüber HORIZONT Online erstmals Bilanz zieht - und sogleich gegen den Wettbewerber feuert: "Unsere Kunden wollen aus der Abhängigkeit von Google heraus und sind uns sehr dankbar dafür, dass wir neue und transparentere Lösungen geschaffen haben." Was Edlefsen damit meint: Durch die Übernahme von Rocket Fuel ist Sizmek nun in der Lage, eine Full-Stack-Lösung über den gesamten Mediaplan anzubieten - das Unternehmen kann also einen ganzheitlichen technologischen Ansatz verfolgen. "Die Daten und Erkenntnisse aus den Bereichen Kampagnen, Kunden, Kontext, Kreation und Kosten können - nicht zuletzt mithilfe der Rocket-Fuel-KI - sehr effizient zusammengeführt und instrumentalisiert werden. So können wir für unsere Kunden Data, Creativity und Media effizient miteinander verbinden und informierte Entscheidungen treffen, die die bestmöglichen Ergebnisse für jedes Investment erzielen", so Edlefsen.


Eine solche voll integrierte Plattform, wo der Fokus nicht nur auf die Buy-Side mit dem Adserver gerichtet ist, sondern auch auf einen voll integrierten Stack im Sinne einer DSP, hätten sich die Werbungtreibenden und Agenturen gewünscht, sagt Edlefsen. Sizmek bezeichnet sich mittlerweile als weltweit größte unabhängige Buy-Side-Stack der Welt, ist in 40 Ländern aktiv und besitzt kein eigenes Mediainventar.
Sizmek-Manager Patrick Edlefsen
Sizmek-Manager Patrick Edlefsen (© Sizmek)
Doch so sehr eine Alternative zu Google und Facebook auch herbeigesehnt wurde: Auf die Übernahme von Rocket Fuel reagierten einige Sizmek-Kunden und -Partner "mit gemischten Gefühlen", wie Edlefsen sagt. "Auch deswegen, weil die Positionen und das, für was die beiden Firmen standen, zumindest aus deutscher Sicht ein wenig zu weit auseinander lagen."

Reibung entstand vor allem wegen der neuen Positionierung von Sizmek, durch die einige der langjährigen Partner im Grunde genommen zu Wettbewerbern wurden. Kaum verwunderlich, dass Gesprächsbedarf herrschte. "Wir konnten allerdings alle Unklarheiten aus der Welt schaffen und haben letztlich keinen Kunden verloren. Es wäre allerdings falsch zu sagen, dass das komplett ohne Reibung abgelaufen ist", so Edlefsen.

Der DACH-Chef des Adtech-Riesen hat die vergangenen Monate damit verbracht, die Zusammenführung von Sizmek und Rocket Fuel auf deutscher Ebene über die Bühne zu bringen und aus einem 30-köpfigen ein 40-köpfiges Team zu formen. Die größte Herausforderung bestand laut Edlefsen darin, eine gemeinsame Kultur als Grundbaustein für eine gemeinsame Zusammenarbeit zu errichten. Denn stehen die neuen Kollegen nicht hinter der Sizmek-Vision, bringt selbst die beste Technologie der Welt nicht viel.
„Wir haben im neuen Büro die Sizmek-Mitarbeiter nicht auf leere Rocket-Fuel-Plätze gesetzt, sondern einmal komplett neu durchgemischt. Jeder musste sich einen neuen Platz suchen“
Patrick Edlefsen, Sizmek
Edlefsen ging das Projekt am Hamburger Deutschlandsitz als Merger an. Heißt: Sizmek wollte Rocket Fuel nicht "überrollen", sondern von den Mitarbeitern lernen und sie im neu geschaffenen Unternehmen bestmöglich einsetzen. Dazu war es notwendig, bei null anzufangen und bestehende Rollen und Strukturen aufzulösen, um gemeinsam neue zu schaffen. "Wir haben im neuen Büro die Sizmek-Mitarbeiter nicht auf leere Rocket-Fuel-Plätze gesetzt, sondern einmal komplett neu durchgemischt. Jeder musste sich einen neuen Platz suchen", so Edlefsen.

Von Vorteil war dabei, dass Sizmek mit Mark Grether einen deutschsprachigen CEO hat. Am Tag der Verkündung der Rocket-Fuel-Übernahme trommelte Grether die Belegschaft zusammen und erklärte die Beweggründe für diesen Kauf. Zwei bis drei Wochen später saßen in Hamburg schon alle zusammen in einem Büro. ron

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