E-Marketer-Studie

Deutschland hinkt beim mobilen Bezahlen mal sowas von hinterher

Noch kein Massen-Magnet: Mobile Payment
© Fotolia / davizro photography
Noch kein Massen-Magnet: Mobile Payment
In keinem westeuropäischen Land bezahlen so wenige Menschen an der Kasse mit dem Smartphone wie in Deutschland. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von E-Marketer hervor. Damit stehe Deutschland auf einer Stufe mit diversen Entwicklungsländern - und China ist quasi uneinholbar vorn. Aber es gibt Hoffnung: Der Markteintritt von Google Pay und Apple Pay befeuert das Thema hierzulande.
Für viele Branchenexperten ist das mobile Bezahlen einer der Zukunftstrends schlechthin. Doch die Deutschen sind dafür nach wie vor nicht wirklich zu begeistern. Das untermauert zum wiederholten Mal eine Studie, diesmal vom US-Marktforschungsunternehmen E-Marketer: Demnach zücken hierzulande im stationären Handel nur etwa 5,8 Millionen Menschen an der Kasse lieber ihr Smartphone als ihr Portemonnaie. Das sind elf Prozent aller Smartphone-Besitzer.
Der Wert stieg zwar im Vergleich zum Vorjahr um sage und schreibe 36,6 Prozent, dennoch bildet Deutschland in dieser Hinsicht das Schlusslicht im westeuropäischen Vergleich. Das Maß aller Dinge ist Italien, wo bereits jeder Fünfte sein mobiles Endgerät an der Kasse zückt. Dahinter folgen die Briten, die Spanier sowie die Franzosen. Die Deutschen sind hingegen laut E-Marketer auf einer Stufe mit Entwicklungsländern wie Albanien, Weißrussland und dem Kosovo.

Die Mobile-Payment-Nutzung im europäischen Vergleich

Quelle: E-Marketer (Angaben in Prozent)



"Bargeld ist noch immer ein integraler Bestandteil des deutschen Handels", sagt E-Marketer-Analyst Chris Bendtsen, der darin den Hauptgrund für die langsame Adaption der Technologie in Deutschland sieht. Verantwortlich für diese Entwicklung sei dem Experten zufolge allerdings auch der Umstand, dass bis zu diesem Jahr noch kein großer Tech-Player mit seinem jeweiligen Mobile-Payment-Service im deutschen Markt tätig war.

Das ändert sich gerade. Tatsächlich nimmt das Thema hierzulande seit einigen Monaten deutlich an Fahrt auf. Seit Juni ist Google Pay hierzulande verfügbar, Apple Pay soll noch in diesem Jahr nachziehen, heißt es. Die Sparkassen, die Volks- und Raiffeisenbanken und Mastercard sind diesen Sommer ebenfalls mit eigenen Lösungen an den Start gegangen. Diese Entwicklung könnte den Mobile-Payment-Markt hierzulande kräftig befeuern, glaubt Bendtsen. Das zeigt sich auch in den Prognosen von E-Marketer: In den nächsten Jahren soll der Markt für mobile Bezahlvorgänge in Deutschland so stark ansteigen wie in kaum einem anderen europäischen Land. Für nächstes Jahr gehen die Experten bereits von 6,9 Millionen Smartphone-Bezahlern aus, für 2020 rechnen sie mit 8,1 Millionen, für 2021 mit 9,4 Millionen und 2022 schließlich mit mehr als 10 Millionen.


Wie weit die Deutschen bei der Adaption dieser Technologie tatsächlich hinterherhinken, verrät ein Blick in die asiatischen Märkte, wo das Bezahlen via Smartphone mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit avanciert ist. 80 Prozent der Smartphone-Nutzer in China verwenden ihr Gerät an der Ladenkasse zum Bezahlen. In keinem anderen Land der Welt ist dieser Wert höher. Zur Erinnerung: In Deutschland sind es gerade einmal elf Prozent. ron
stats