Doch parteiisch?

Google zeigt mehr Anti-Trump-Inhalte an als andere Suchmaschinen

Google zeigt in den USA mehr Trump-kritische als -positive Inhalte
© Claudio/Colourbox
Google zeigt in den USA mehr Trump-kritische als -positive Inhalte
Vor wenigen Wochen hatte US-Präsident Donald Trump Google vorgeworfen, parteiisch zu sein. Der Suchkonzern würde konservative Stimmen unterdrücken, hieß es aus dem Weißen Haus. Später wurde die Kritik gar auf Facebook und Twitter ausgeweitet. Eine aktuelle Untersuchung von Searchmetrics, einem Anbieter für Search- und Content-Marketing, lässt nun den Schluss zu, dass an den Vorwürfen von Trump durchaus etwas dran sein könnte.
Die Untersuchung des Berliner Unternehmens, die gestern vorgestellt wurde, deutet demnach darauf hin, dass Google eher den Suchergebnissen eine höhere Sichtbarkeit verleiht, die dem US-Präsidenten kritisch gegenüberstehen. Andere Suchmaschinen wie Yahoo, Bing und Duckduckgo sind hingegen eher Pro-Trump ausgerichtet, heißt es.

Searchmetrics hat für die Auswertung in der Kalenderwoche 35, also unmittelbar nach Trumps Kritikäußerung, Artikel und Verlinkungen über Trump in den Google-Suchergebnissen in den USA gesammelt und analysiert, ob sie inhaltlich in irgendeiner Form parteiisch waren. Das Ergebnis: Rund 60 Prozent der Top-10-Ergebnisse für Trump-bezogene Suchanfragen auf Google.com standen dem US-Präsidenten kritisch gegenüber, 40 Prozent waren neutral, kein Ergebnis wurde als positiv vermerkt.

Zum Vergleich: Bei Yahoo (40 Prozent), Duckduckgo (40 Prozent) und dem Microsoft-Dienst Bing (50 Prozent) finden sich deutlich mehr positiv bewertete Inhalte zu Trump. Im Bereich Social Media gilt der Bilderdienst Tumblr als das Trump-kritischste Medium (80 Prozent Anti-Trump-Inhalte). Dahinter folgen 9gag, Pinterest, Twitter und Instagram. Bei der Facebook-Tochter finden sich mehr Inhalte, die Trump positiv gegenüberstehen als negativ.

Trump hatte Google im August mit Konsequenzen gedroht, nachdem er Nachrichten über sich selbst googelte und mit dem Ergebnis nicht zufrieden war. "Sie haben es manipuliert, für mich und andere, so dass fast alle Geschichten und Nachrichten schlecht sind", schrieb Trump in einem frühmorgendlichen Tweet um 5.24 Uhr (Ortszeit/11.24 Uhr MESZ). Ob Google seine Suchergebnisse zu Trump bewusst manipuliert, wie es der US-Präsident formulierte, geht aus der Searchmetrics-Untersuchung freilich nicht hervor. Die Berliner Experten gehen eher davon aus, dass der Anteil negativ-konnotierter Inhalte bei Google deshalb so hoch ist, weil die Suchmaschine Trumps eigene Kanäle - etwa sein Twitter-Profil oder seine Website trump.com - in den Ergebnislisten seltener oben anzeigt als andere Suchmaschinen.

Trump kritisierte damals zudem, wer auf Google nach "Trump News" suche, bekomme nur Berichte der "Fake New Media" - gemeint hatte er offenbar "Fake News Media", womit er pauschal ihm gegenüber kritisch eingestellte Medien bezeichnet. "96 Prozent der Ergebnisse für "Trump News" sind von überregionalen linksorientierten Medien, sehr gefährlich", schrieb er. "Republikanische/konservative und faire Medien sind ausgeschlossen." Trump warf die Frage auf, ob das "illegal" sei. ron


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