Dirk Ahlborn

Hyperloop-Chef kritisiert deutsche Technologiefeindlichkeit

Dirk Ahlborn beim Deutschen Marketing Tag
© Deutscher Marketing Verband
Dirk Ahlborn beim Deutschen Marketing Tag
Themenseiten zu diesem Artikel:
Wer Hyperloop hört, denkt wahrscheinlich meistens an Elon Musk. Dabei ist die Technologie, Menschen in einer Kapsel in Hochgeschwindigkeit durch eine Vakuum-Röhre zu befördern, ebenso mit einem Deutschen Namen verbunden: Dirk Ahlborn heißt der Mann, der als Gründer und CEO von Hyperloop Transportation Technologies aus einer Vision Wirklichkeit machen will. Auf dem Deutschen Marketing Tag in Hannover präsentierte er das Hyperloop-Prinzip – und ließ dabei kein gutes Haar an seiner Heimat.

"Stellt ein Unternehmer in Deutschland ein neuartiges Konzept oder eine Vision vor, wird ihm immer als erstes gesagt, warum das nicht klappen kann", so Ahlborn. Medien, Politik und Wirtschaft seien neuen Technologien gegenüber nicht aufgeschlossen genug - mit dem Ergebnis, dass Deutschland nicht das innovativste Land im Technologie-Sektor sei. Dass er es in Autokratien, wo eine Instanz oder vielleicht nur eine Person die Entscheidungen trifft, leichter habe, hat Ahlborn bereits berichtet - auch in Hannover ließ er dies wieder anklingen.



Der 1976 in Berlin geborene Ahlborn ging 2010 in die USA, wo er die Plattform Jumpstartfund mitgründete. Das Prinzip: Menschen können sich dort zusammenfinden, um in einer Mischung aus Crowdfunding und Crowdsourcing neue Technologien zu entwickeln.

Als Tesla-Chef Elon Musk 2013 die Idee des Hyperloops aufbrachte, gleichzeitig aber ankündigte, diesen nicht selbst bauen zu wollen, war Ahlborn zur Stelle. Er holte sich die Erlaubnis von Musk, das Projekt anzugehen und gründete Hyperloop Transportation Technologies. Interessierte Mitarbeiter mussten nur bereit sein, gegen Aktienoptionen mindestens zehn Stunden in der Woche für die Firma zu arbeiten.
Auf diese Weise kam ein Team von mehr als 800 Menschen zusammen, die seitdem den Hyperloop zur Marktreife bringen wollen. Testkapseln gibt es bereits, ebenso Teststrecken in den USA. Dort werden die Kapseln mit mehr als 1000 Km/h durch nahezu luftleere Röhren geschossen – die Fahrt zwischen Los Angeles und San Francisco würde mit der Technologie nur 30 Minuten dauern.


Inzwischen hat Elon Musk mit seiner Firma The Boring Company zwar nun doch selbst den Hyperlop in Angriff genommen, mit Hyperloop One gibt es zudem noch einen starken Konkurrenten. Ahlborns Firma aber hat bereits Absichtserklärungen bzw. Verträge mit der Ukraine, der Vereinigten Arabischen Emiraten und China. In Deutschland hat Hyperloop immerhin eine Kooperation mit dem Hamburger Hafen geschlossen, um die Technologie an einem der größten Frachtumschlagplätze der Welt zu testen.
In Hannover präsentierte Ahlborn das Hyperloop-Prinzip
© Deutscher Marketing Verband
In Hannover präsentierte Ahlborn das Hyperloop-Prinzip
In Hannover war Ahlborn, um die Realität des Hyperloop-Projekts zu erklären: Vieles daran sei Marketing, das sei nun einmal so, wenn man etwas verkaufen wolle. Dass er selbst in Sachen Marketing offenbar einiges richtig macht, zeigt die Reife, die das einstige Phantasie-Projekt inzwischen angenommen hat.

Wichtig sei, dass man nicht nur eine Firma gründe, sondern eine Bewegung in Gang bringe, gab Ahlborn der versammelten Marketing-Community auf den Weg. Klingt sehr nach Silicon-Valley-Optimismus – aber der hat ja schon des Öfteren funktioniert. ire

stats