Digitalisierungs-Ministerin Dorothee Bär

"In Sachen KI ist der Zug für Deutschland noch nicht abgefahren"

Dorothee Bär auf den Medientagen München
© Medientage München
Dorothee Bär auf den Medientagen München
Mitte Juli hat die Bundesregierung die Eckpunkte der Strategie Künstliche Intelligenz vorgestellt. Mit anderen Worten: "Bei diesem Thema hat die Regierung Flagge gezeigt", wie es der Journalist Richard Gutjahr formuliert. Bei den Medientagen München fühlt er der Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, auf den Zahn. Trotz Gutjahrs Einwänden glaubt sie daran, dass Deutschland noch die Chance auf eine Vorreiterstellung hat, wenn es um KI geht.

Was genau die Bundesregierung in Sachen Künstliche Intelligenz vorhat, das darf Dorothee Bär noch nicht verraten. Das bleibt der Kanzlerin exklusiv vorbehalten, die Anfang Dezember den "großen Plan" vorstellen soll, erläutert sie auf der Main Stage. Ihre eigenen Forderungen teilt Bär dem Branchenpublikum dennoch mit.



Demnach werde Grundlagenforschung über Künstliche Intelligenz in Deutschland schon sehr zufriedenstellend betrieben. Allerdings dürfe es dabei nicht bleiben. "Wir müssen Praxisbeispiele auf die Straße bringen, damit die Menschen KI verstehen", meint die Digitalisierungsministerin. "Denn wir müssen für jeden Bürger den Vorteil herunterbrechen, den KI bringt. Roboter und Co dürfen ihnen keine Angst machen". Dafür müssen laut Bär aber auch europaweit geltende ethische Standards festgelegt werden.

Aber ist Deutschand nicht schon wieder zu spät dran - und verpasst den sprichwörtlichen Zug wieder wie in Sachen Web 2.0? "Das glaube ich nicht", sagt Bär, "der Zug ist noch nicht abgefahren." Als klaren Vorteil im Gegensatz zu den USA, wo die GAFA-Unternehemen im Fokus stehen, und China, wo alles durch den Staat kontrolliert wird, sieht die Politikerin in Europa und Deutschland ganz klar die Ethik. "Das wird uns nicht kurz-, aber mittel- bis langfristig zu den großen Gewinnern beim Thema Künstliche Intelligenz machen", sagt sie. "Das ist ein großes Qualitätsmerkmal."


Doch kann man sich die Ethik nicht sparen, wenn China 50 Milliarden in KI investiert - Deutschland aber "nur" 230 Millionen Euro? Bär räumt ein, dass mehr Geld in die Hand genommen werden muss, als bislang geplant - das sehe auch die Kanzlerin so. "Auch, wenn es keine 50 Milliarden sein werden." bre

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