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Thomas Jarzombek auf der Dmexco
Dmexco
Digitalbeauftragter der Regierung

Die Politik muss viel agiler werden

Thomas Jarzombek auf der Dmexco
Klare Wort in eigener Sache: Thomas Jarzombek, Beauftrager für Digitalwirtschaft und Start-ups im Bundeswirtschaftsministerium, ist mit der Förderung digitaler Technologien durch die öffentliche Hand nicht zufrieden. Die Politik müsse viel agiler werden und auch in ihren Entscheidungsprozessen viel schneller auf aktuelle technologische Entwicklungen reagieren, forderte Jarzombek bei der Dmexco.
von David Hein Mittwoch, 11. September 2019
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Auch für die Politik müsse bei der Förderung und der Einführung neuer Technologien gelten: Try fast, fail fast. Zeiträume von fünf Jahren und mehr bis zur Ausschreibung von Aufträgen der öffentlichen Hand seien nicht mehr zeitgemäß. Zudem habe die Regierung bislang zu oft auf große Unternehmen gesetzt, zum Beispiel beim Breitbandausbau. Viele Ziele seien daher verfehlt worden.


„Wir dürfen Projekte nicht nur mit den Großen machen“, forderte der Digitalspezialist. „Wir wollen den Mittelstand und Start-ups stärker fördern.“ Dafür sollen zum Beispiel offene Schnittstellen bei öffentlich geförderten Projekten sorgen, über die sich auch kleine Unternehmen einfach beteiligen können.

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Vor allem bei der Regulierung und den gesetzlichen Regelungen liege noch viel im Argen. Derzeit arbeite das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit weiteren Partnern an einem konkreten Programm, um Start-ups besser zu fördern. So sollen unter anderem bürokratische Hürden abgebaut werden.


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Als Beispiel nannte Jarzombek die aus seiner Sicht unzeitgemäße Aufbewahrungspflicht von acht Jahren für bestimmte Unterlagen. Auch die Schließung nicht erfolgreicher Start-ups sei viel zu kompliziert. „Wir wollen das Gründen, aber auch das Schließen von Firmen einfacher machen.“ Auch rechtliche Vorgaben wie die DSGVO oder die E-Privacy-Verordnung seien ein Hemmschuh für digitale Start-ups.

Aber auch mit der Wirtschaft ging der Digitalbeauftragte hart ins Gericht. Es gebe  viel zu wenig Investitionen von Firmen und privaten Investoren in neue Geschäftsmodelle: „Mehr als die Hälfte des Geldes für Start-ups kommt vom Staat. Das ist nicht gut.“ Als Beispiel nannte er das Flugtaxi-Start-up Volocopter. Ein Großteil des Risikokapitals für die Firma aus Bruchsal komme aus China. Generell sei der Staat aber nach wie vor ein wichtiger Faktor für die digitale Wirtschaft, vor allem als Auftraggeber. dh
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