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BVDW-Umfrage

Was Unternehmen in Sachen Metaverse noch lernen müssen

Jedes dritte Unternehmen plant, in naher Zukunft in Metaverse-Projekte zu investieren. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 111 Fach- und Führungskräften von digitalen Dienstleistern und Unternehmen. Demnach sehen die Expertinnen und Experten die Gaming-Branche als Vorreiter in Sachen Metaverse, die bislang vor allem die Fashion-Industrie mitzieht.
von Tim Theobald Montag, 22. August 2022
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So geben 82 Prozent der Befragten in der Umfrage an, dass die Fashion-Branche mittelfristig am meisten vom Metaverse profitieren wird. Von der Medien- und Unterhaltungsbranche glauben das 74 Prozent. Praktisch alle Befragten sind sich zudem einig, dass die Gaming-Industrie vorlebt, was den Mehrwert der virtuellen Parallelwelt für Unternehmen ausmacht: Sie ist interaktiv, dezentral und immersiv.

Um das Metaverse gewinnbringend für sich nutzen zu können, müssen Unternehmen deshalb ihre Geschäftsmodelle und -prozesse neu denken, sagt Nico Wohlgemuth, stellvertretender Vorsitzender des Ressorts Metaverse im BVDW. "Während virtuelle Güter seit Jahren im Gaming präsent sind und zum Teil auch monetarisiert werden, war eine Entmaterialisierung der Mode im Consumer Bereich vor wenigen Jahren noch undenkbar. Inzwischen ist dies ein Megatrend. Dieses Entmaterialisieren wird das gesamte Fashion-Business prägen." Modeunternehmen, Beratungen und Digitalagenturen müssten sich jetzt mit den Möglichkeiten der neuen digitalen Ökosystemen auseinandersetzen, um dann mit der richtigen Strategie neue Märkte für sich zu erobern, so Wohlgemuth weiter.
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Aber auch in anderen Branchen sehen die Befragten der BVDW-Studie Potenzial für erfolgreiche Metaverse-Strategien. In diesem Kontext werden neben der Fashion- (82 Prozent) und Medien/Unterhaltungsbranche (74 Prozent), die über allen thronen, noch die Automobil- (37 Prozent) sowie die FMCG-Branche (30 Prozent) genannt. Zudem sind 87 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass das Metaverse in erster Linie das Marketing und die PR betrifft. Dahinter folgen E-Commerce-Aktivitäten mit 71 Prozent. 

Des Weiteren hat der BVDW in seiner Umfrage die Expertinnen und Experten nach ihren eigenen Investitionsplänen in Sachen Metaverse gefragt. Das Ergebnis ist differenziert: 35 Prozent wollen mit ihren Unternehmen in den kommenden zwei Jahren in solche Projekte investieren. 34 Prozent sind noch unschlüssig, 26 Prozent haben keine Investitionspläne, die restlichen Personen machten keine Angaben.
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"Die Unternehmen können in Deutschland mit ihren geplanten Metaverse-Investitionen eine Eigendynamik auslösen. Allerdings muss der Jobmarkt zwingend auf die neuen Anforderungen vorbereitet sein. Hier brauchen wir eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Bildungsinstitutionen und Forschungseinrichtungen, um ein weitreichendes Offshoring zu vermeiden", sagt Carsten Rossi, Leiter des Labs Metaverse: Society – General Framework, Ethics und Sustainability im Ressort Metaverse des BVDW. "Zukunftstechnologien müssen in die Lehrpläne aufgenommen werden, um den Nachwuchs auf künftige Anforderungen vorzubereiten. Dazu gehört auch das Metaverse."

Unter dem Strich zeigen die Ergebnisse der Umfrage, dass immer noch viele Firmen das Metaverse noch als abstrakte Technologie für eine ferne Zukunft betrachten. Laut BVDW liegt das vor allem in einem mangelnden Verständnis und dem immer noch geringen Kenntnisstand für dieses komplexe Thema begründet. Aus diesem Grund räumt der BVDW dem Thema auch eine große Präsenz auf der Dmexco (21./22. September in Köln) ein, wo die Verantwortlichen in einem Panel unter anderem über die Ergebnisse der Umfrage diskutieren werden. tt
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