Bitkom-Studie

Blockchain ist für die meisten deutschen Firmen kein Thema

Blockchain? Ist für die meisten deutschen Firma derzeit kein Thema
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Blockchain? Ist für die meisten deutschen Firma derzeit kein Thema
Irrelevantes Buzzword oder technologische Zukunft? Es gibt wohl kaum ein Thema, über das die deutsche Wirtschaft - auch die Werbewirtschaft - in den vergangenen Monaten so leidenschaftlich diskutierte wie über die Blockchain. Und tatsächlich sieht die Mehrheit der deutschen Unternehmen in der Blockchain großes Potenzial, wie eine aktuelle Bitkom-Untersuchung zeigt. Doch konkret mit dem Thema beschäftigen wollen sich bislang nur die wenigsten.
Wie aus der Untersuchung des Branchenverbandes Bitkom hervorgeht, haben sich sechs von zehn Unternehmen überhaupt noch nicht mit dem Thema Blockchain beschäftigt. Gerade einmal jedes achte Unternehmen sieht sich selbst dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Jedes elfte ist sogar kritisch und ablehnend eingestellt. 9 von 10 Unternehmen haben noch nicht einmal darüber nachgedacht, ob und wie Blockchain genutzt werden könnte.


Nur bei zwei Prozent der befragten Unternehmen laufen bereits erste Blockchain-Projekte an. Bei den Großunternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten sieht das Bild etwas anders aus. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) hat sich bereits mit dem Blockchain-Einsatz befasst: Jedes Neunte (11 Prozent) diskutiert darüber, jedes Vierte ist in der Planungs- oder Testphase. Und immerhin 17 Prozent geben an, dass bereits Projekte laufen.

Über die Studie

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1004 für das Thema digitale Technologien verantwortliche Personen (u.a. Leiter Informationstechnik, Leiter Digitalisierung, technische Direktoren) von Unternehmen aller Branchen mit 50 und mehr Beschäftigten telefonisch befragt. Die Umfrage ist laut Bitkom repräsentativ. 

Heißt: Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen verzichtet bislang vollständig auf Blockchain-Projekte. Der Grund: Sie sehen derzeit keinen praktischen Anwendungsfall. Außerdem würde es an qualifiziertem Personal fehlen. Auch machen den Firmen die Anforderungen an den Datenschutz und an die IT-Sicherheit einen Strich durch die Rechnung.


Dass die Technologie allerdings ein großes Potenzial birgt, das scheinen die meisten Unternehmen begriffen zu haben. Die größten Chancen sehen sie etwa im Einsatz als dezentrale Handelsplattform oder dezentrales Transaktionssystem. Ein Beispiel dafür sind Kryptowährungen wie Bitcoin. Rund jedes zweite Unternehmen geht davon aus, dass mit Blockchain die sichere und transparente Übertragung von Nachweisen über Eigentumsrechte möglich wird (57 Prozent). Damit ließe sich etwa der Kaufvertrag über die Immobilie manipulationssicher auf einer Blockchain speichern, so dass kein Notar mehr erforderlich wäre.

Auch in der Werbeindustrie wird der Einsatz der Technologie seit geraumer Zeit diskutiert. OWM-Chefin Tina Beuchler sieht in der Blockchain etwa die Chance, Dauerbaustellen im Digitalen wie Brand Safety, Intransparenz in den digitalen Wertschöpfungsketten und das Adblocker-Problem zu lösen. Allerdings tun Agenturen und Publisher hierzulande zu wenig, um praktische Anwendungslösungen für die neue Technologie zu entwickeln, wie Beuchler im Interview mit HORIZONT Online kritisierte: "Da würden wir uns mehr Dynamik wünschen." Setzt sich die Blockchain am Ende durch, so Beuchlers Prognose, verändert sich die digitale Wertschöpfungskette massiv zugunsten eines Direktgeschäftes zwischen Werbungtreibenden und Publishern. Doch bis es soweit ist, müssen jetzt speziell die Mediaagenturen konkrete Projekte liefern, so die Nestlé-Managerin. Diese könnten sich in diesem Feld eine technologische Vorreiterrolle erobern, die nicht nur den Werbungtreibenden helfe, sondern der Agentur ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Agenturen verschaffe.

Wenn es nach Bitkom-Präsident Achim Berg geht, sollten Unternehmen beim Thema Blockchain vor allem mit jüngeren und agileren Firmen kooperieren: "Unternehmen sollten bei der Blockchain die Zusammenarbeit mit Start-ups suchen, die bei der Technologie-Entwicklung häufig weit vorne mit dabei sind. Hier sollten gerade auch mittelständische Unternehmen ihre Chancen nutzen." Tatsächlich gehen rund zwei Drittel der befragten Firmen die Implementierung der Blockchain mit Partnern an. ron
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