Apps-Flyer-Report

Ad Fraud wird seltener, stieg jedoch im Corona-Lockdown an

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Bots werden nach wie vor vielfach beim Ad Fraud eingsetzt
© Fotolia / Tatiana Shepeleva
Bots werden nach wie vor vielfach beim Ad Fraud eingsetzt
Der Betrug via Smartphone-Anwendungen ist weltweit rückläufig. So sank der finanzielle Schaden durch Ad Fraud bei App-Installationen im ersten Halbjahr 2020 um 30 Prozent und ist in Europa im internationalen Vergleich besonders niedrig. Allerdings sind einige App-Kategorien deutlich anfälliger als andere. Und die Corona-Pandemie hat zu einem vorübergehenden Gesamtanstieg der Fraud-Rate im mobilen Bereich geführt.
Apps Flyer, Anbieter von mobilen Marketing- und Attributionsanalysen, hat heute seinen Bericht "The State of Mobile Ad Fraud – 2020 Edition" veröffentlicht. Der Bericht erscheint jährlich und soll die weltweiten Auswirkungen von Betrug im mobilen Bereich - genauer: bei Apps - aufzeigen. Eines der diesjährigen Ergebnisse: Der Ad-Betrug auf Android ist mehr als 4,5-mal höher als auf iOS. Eine weitere Erkenntnis besagt, dass die finanzielle Belastung durch Fraud für Apps im Finanzbereich im ersten Halbjahr 2020 bei 630 Millionen Dollar liegt.

Die wichtigsten Report-Ergebnisse

• Die weltweite finanzielle Gefährdung durch Fraud bei der Installation von Apps belief sich im ersten Halbjahr 2020 auf 1,6 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Dies begründet sich durch eine deutlich niedrigere Gesamtbetrugsrate bei App-Installation, die im ersten Halbjahr 2020 bei durchschnittlich 13,2 Prozent lag.


• In Europa fällt die Fraud-Rate im Jahresschnitt um 80 Prozent geringer aus als im weltweiten Durchschnitt. In Deutschland liegt der Tiefpunkt des Anteils betrügerischer Installationen bei 6 Prozent im Februar und März 2020 gegenüber dem Weltdurchschnitt von 13 Prozent im gleichen Zeitraum.

• Gaming Apps sind deutlich weniger anfällig für Betrug als andere Genres, beziehungsweise erfolgreicher im Kampf dagegen. Bei den Nicht-Gaming-Apps sind 32 Prozent der weltweiten, nicht-organischen Installationen betrügerisch, während Gaming Apps mit 3,8 Prozent eine wesentlich geringere Rate verzeichnen.


• Besonders Apps aus dem Finanz- (50 Prozent) und Shopping-Bereich (30 Prozent) werden in Europa oft Ziel von Betrug. Das ist vor allem auf höhere CPIs (Cost per Install) und größere Marketingbudgets zurückzuführen.

• Betrüger suchen sich vornehmlich Android-Apps für ihre Machenschaften aus. Die Betrugsrate bei der Installation von Apps ist bei Android über 4,5-mal so hoch wie bei iOS. Android-Geräte haben weniger Einschränkungen für Apps, was sie global zum Marktführer, aber gleichzeitig auch zu einem attraktiveren Ziel für Ad Fraud macht.

• Ganze 62 Prozent der betrügerischen Installationen kommen durch Bot-Angriffe zustande. In Deutschland sind gar drei Viertel (75 Prozent) der Fraud-Angriffe auf Bots zurückzuführen. Device Farms machen hierzulande 12 Prozent aus, Install Hijacking liegt bei 4 Prozent und Click Flooding bei 9 Prozent. Bei Gaming Apps ist das Install Hijacking ein Problem. Auch wenn in Deutschland die Bots hier die Liste anführen, macht diese Fraud-Art zum Beispiel bei Hardcore Games schon fast ein Drittel (29 Prozent) aus. In-App-Käufe und damit verbundenen CPAs bieten günstige Angriffspunkte für Betrüger.

• Sogenannter "Post-Attribution Fraud" - also Installationen, die nicht in Echtzeit blockiert werden können - steigt weiter an. Diese Art von fortgeschrittener Betrugstechnik kletterte im Januar und Februar weltweit auf 24 Prozent. In Deutschland lag die Post-Attribution-Fraud-Rate im Januar bei 16 Prozent und sank zunächst konstant bis April 2020 auf 9 Prozent (global auf 12 Prozent). Seit Mai scheint sich eine neue Welle anzubahnen. Die Rate stieg wieder auf 11 Prozent.

Fraud trete meist in Wellen auf und die Einbußen seien für den einzelnen Vermarkter schwer kalkulierbar, so Ben Jeger. "Noch immer liegt der globale finanzielle Schaden durch Fraud bei ca. 1,6 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 2020. Eine Summe, die zwar 30 Prozent niedriger ist als im selben Zeitraum im Jahr zuvor, aber dennoch deutlich macht, dass Fraud auch weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt."

Corona begünstigte Ad Fraud

Einzig im März dieses Jahres, als viele Länder aufgrund der sich ausbreitenden Corona-Pandemie strenge Lockdowns verhängten und die Nachfrage nach mobilen Anwendungen bedeutend anstieg, nahm auch der gemessene Grad an Ad Fraud zu - weltweit um fast 25 Prozent gegenüber Februar. Grund war, dass Werbungtreibende in dieser Zeit eine aggressivere Nutzerakquise betrieben, was wiederum Betrüger anlockte, die versuchten, sich an den Werbebudgets zu bereichern. Die gute Nachricht: Die Angriffe waren größtenteils nicht von Erfolg gekrönt, was zu einem ähnlich hohen Rückgang der versuchten Betrügereien im Folgemonat führte.

Auch die sprunghaft gestiegene Nutzung von Social Apps während des Lockdowns hatte in Deutschland eine Zunahme der Betrugsfälle um rund 18 Prozent zur Folge. Der Betrug bei Entertainment Apps in Deutschland blieb während des gesamten Zeitraums der Kontaktbeschränkungen zwischen 10 und 13 Prozent. Für die Branche sei es immer noch möglich, den positiven Trend der sinkenden Fraud-Rate beizubehalten, so das Fazit von Apps Flyer.
Über den Report
Die Ergebnisse des Berichts "The State of Mobile Ad Fraud – 2020 Edition" sind ein anonymes Aggregat aus proprietären globalen Daten von 7 Milliarden App-Installationen über 173.000 Apps hinweg. Davon entfielen 1,1 Milliarden Installationen von 63.000 Apps auf die EMEA-Region.
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