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Wie In-App-Bots funktionieren - und wie man sie bekämpft

Botnetzwerke sollen es künftig deutlich schwerer haben.
© Fotolia / Tatiana Shepeleva
Botnetzwerke sollen es künftig deutlich schwerer haben.
Mensch oder Maschine? Diese Frage beschäftigt immer mehr Unternehmen im digitalen Marketing - Stichwort Adfraud. Doch mit den sogenannten In-App-Bots etablieren sich nun auch betrügerische Programme, die es nicht auf das Marketingbudget der App-Betreiber abgesehen haben, sondern das komplette Geschäftsmodell direkt angreifen. Das Berliner Adtech-Unternehmen Adjust hat erste Gegenmaßnahmen vorbereitet.
Relativ unbemerkt haben sich sogenannte In-App-Bots zu einem großen Problem in der Digitalbranche gemausert. Bei dem Phänomen handelt es sich um automatisierte Programme innerhalb einer App, die so tun, als ob sie echte Nutzer aus Fleisch und Blut sind. Und das, indem sie bestimmte Prozesse so menschlich wie möglich simulieren.


Ein Beispiel: Öffnet eine Plattform wie Eventim oder Ticketmaster im Netz den Ticketverkauf für eine angesagte Musikband, sind speziell dafür programmierte In-App-Bots in der Lage, blitzschnell massenhaft Tickets zu ordern - die dann in der Regel teuer weiterverkauft werden. Nutzer aus Fleisch und Blut haben dann oft das Nachsehen. Im Fußball gibt es ein ähnliches Phänomen nach Bekanntwerden von Turnier-Auslosungen. Die Tickets sind dann im Nu vergriffen - von Bots.

Ein anderes Beispiel kommt aus der Gaming-Industrie, die aktuell von solchen Bots geradezu überrant wird. Entwickler haben nämlich Programme geschrieben, die menschliche User nachahmen können, mit der Zeit dazulernen, schließlich unmenschlich hohe Punktzahlen generieren und die Rankings in den Spielen für lange Zeit uneinholbar anführen. Die Folge: Menschliche Zocker verlieren das Interesse an dem Spiel und tätigen weniger In-App-Käufe.


Das Berliner Adtech-Unternehmen Adjust schätzt, dass die globale App-Wirtschaft bis Ende 2019 Einnahmen von mehr als 120 Milliarden US-Dollar verzeichnen wird, sodass Bots hier enorme wirtschaftliche Schäden anrichten können. Die Experten gehen davon aus, dass einige der größten Apps auf dem Markt rund zehn Prozent ihres Umsatzes durch diesen sogenannten Bot-Fraud verlieren. Denn anders als bei Mobile-Adfraud zielt In-App-Bot-Fraud nicht auf das Marketingbudget einer App, sondern greift ihr Geschäftsmodell direkt an.

"Bots können quasi jede App, unabhängig von Anbieter und Branche, auf ganz verschiedene Weise beeinflussen. Sie stehlen Kreditkarteninformationen, tätigen in Onlineshops blitzschnell Käufe streng limitierter Produkte und generieren Spam-Nachrichten innerhalb von Dating-Apps", sagt Paul H. Müller, Mitgründer und CTO von Adjust. Aus diesem Grund haben die Berliner Fraud-Fachmänner heute ein neues Produkt angekündigt, die diesen App-Betrug den Kampf ansagen soll. Diese neue Lösung basiert auf der Technologie des israelischen Start-ups Unbotify, das Adjust im Januar übernommen hatte. Die zugekaufte Technologie ist mittels Künstlicher Intelligenz in der Lage, zwischen Menschen und Bots zu unterscheiden. Dafür wertet das Unternehmen sogenannte biometrische Verhaltenmuster anonymisiert aus - also beispielsweise, wie oft und zu welchen Tageszeiten das Smartphone entsperrt wurde oder wie genau der User innerhalb einer App scrollt. Nutzt ein User etwa eine Gaming-App 24 Stunden ununterbrochen, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Bot.

"Die Kombination mit der Adjust Fraud Prevention Suite ist die bestmögliche Absicherung für alle Apps, die sich gegen Bots und Mobile Ad Fraud schützen wollen", sagt Yaron Oliker, Mitgründer und CEO bei Unbotify. Mit der Lösung sichern sich bereits einige der größten Fortune-500-Unternehmen in den Bereichen E-Commerce, Social Media, Search und Gaming in den USA und Europa ab. ron
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