Zombies im App-Store

Warum 9 von 10 Apps für den Verbraucher nicht sichtbar sind

Im App-Store ist die Mehrheit aller Apps gar nicht sichtbar.
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Im App-Store ist die Mehrheit aller Apps gar nicht sichtbar.
Apple hatte neulich bekannt gegeben, dass die Zahl der erhältlichen Apps im App-Store bis Ende des Jahres auf fast 3 Millionen steigen wird. Doch die meisten sind für den Verbraucher gar nicht sichtbar, das zeigt eine Studie des Unternehmens Adjust. Danach sind 90 Prozent aller Apps sogenannte "Zombie-Apps" und müllen den Store zu.
Mit "Zombie-Apps" sind keine Spiele gemeint, in denen man gegen Untote kämpft. Den Begriff hatte die Firma Adjust mit einer ersten Studie zu diesem Thema im Jahr 2012 ins Leben gerufen. Adjust bezeichnet sich selbst als weltweit führendes Unternehmen für "Mobile Attribution und Analytics" und ist offizieller Marketingpartner von Facebook und Twitter. Sogenannte Zombie-Apps ziehen der Definition zufolge nicht genug Aufmerksamkeit auf sich, um im iOS App-Store auf Top-Listen angezeigt zu werden. Sie können nicht organisch gefunden werden, sondern nur über die direkte Namenssuche. "Lebend" ist eine App dann, wenn sie innerhalb eines Monats an zwei von drei Tagen auf einer Position der zehntausenden Top-Listen erscheint - egal an welcher Stelle.



Der aktuellesten Auswertung zufolge liegt der Zombie-App-Anteil im App-Store derzeit weltweit bei 90 Prozent. Das heißt, dass 9 von 10 Apps nur über die direkte Eingabe des Namens in die Suchmaske gefunden werden können. In Deutschland liegt der Anteil bei knapp 87 Prozent. Die weltweite Zombie-Rate war zuvor bereits von 72 Prozent im Januar 2014 auf mehr als 87 Prozent im Dezember 2015 gestiegen.

Doch woran liegt das? Der Studie zufolge spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ein Grund könnte sein, dass es zu wenig App-Listen - und in den Listen zu wenige Platzierungsmöglichkeiten gibt. "Die Konkurrenz um die Plätze in den Listen ist einfach zu groß", sagt Christian Henschel, CEO und Mitgründer von Adjust. Und das, obwohl Apple zwischen 2013 und 2014 bereits zwei Millionen neue Plätze auf App-Listen geschaffen hatte. Außerdem nehme die Zahl der monatlich im App-Store veröffentlichten Apps stetig zu, viele davon würden den Store sprichwörtlich zumüllen. "Es gab mal eine Zeit lang 2000 Taschenlampen-Apps. Keiner braucht diese große Auswahl", so Henschel. Ein anderer Grund für den Anstieg der Zombie-Rate: "Viele der Neuerscheinungen haben Potential, aber sie schaffen den Sprung nicht, weil sie sich teure und komplizierte Marketingkampagnen nicht leisten können", sagt Henschel. Es gebe zwar immer wieder Ausnahmen wie Prisma und Pokémon Go, die schnell ohne großes Marketing erfolgreich werden. "Wie nachhaltig dieser Erfolg ist, wird sich aber zeigen", so der Adjust-CEO. Ist kein Marketingbudget vorhanden, empfielt Henschel den Developern Folgendes: "Eine gute App-Beschreibung, passende Bilder und Keywords helfen dabei, möglichst gut gefunden zu werden."


Für die Studie verwendete Adjust seine Datenbank Apptrace. Dabei handelt es sich um ein frei zugängliches Online-Tool, das Einblicke in die App-Performance im Store gewährt. 2.050.439 iOS-Apps wurden in der aktuellsten Studie von Juli untersucht. ron
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