WeQ-Chef Markus Malti

"Das riesige Potenzial wurde noch nicht in seinem Umfang erfasst"

WeQ-CEO Markus Malti
© Gene Glover/Agentur Focus
WeQ-CEO Markus Malti
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Mit WeQ tummelt sich seit Beginn der Woche ein neuer Player im deutschen Adtech-Markt. Die Berliner starteten aus dem Stand mit über 100 Mitarbeitern und mehr als 50 Millionen US-Dollar Kapital. Das Geschäftsmodell: Für Unternehmen aktive App-Nutzer akquirieren. Im Interview mit HORIZONT Online erklärt WeQ-CEO Markus Malti, was das Unternehmen nun konkret vorhat, warum der Siegenszug von Alexa & Co nicht das Ende der App-Ära bedeutet und weshalb das Mobile-Wachstum noch lange nicht erschöpft ist.
Herr Malti, der Mobile-Adtech-Markt ist sehr dicht besetzt. Warum glauben Sie, dass Sie dort noch angreifen können? Wir sind nicht nur ein Technologieunternehmen, sondern auch ein "Service-first-Business". Wir sind der festen Überzeugung, dass ein sehr guter, transparenter Kundenservice, der über Erreichbarkeit, Real-time-Optimierung und Targeting-Kapazitäten hinausgeht, wichtig ist. Das heißt, wir beraten unsere Kunden auch, wenn es zum Beispiel um das Eintreten in neue Märkte geht (Go-to-Market Strategy). Unsere Mobile-Experten, die aus den verschiedensten Ländern der Welt kommen, haben das lokale Marktverständnis und verstehen dessen Eigenheiten. Beispielsweise wissen unsere Manager, wie eine Werbung in China im Unterschied zu den USA aussehen sollte, damit diese besser konvertiert, um nur ein einfaches Beispiel zu nennen. Dieses Wissen ist absolut nötig, um eine Brand erfolgreich in einem neuen Markt zu etablieren. Viele Experten rechnen derzeit mit einem Siegeszug von Voice-Interfaces. Mobile Apps werden dann weniger relevant. Bereitet Ihnen das keine Sorgen? Mit der Einführung von Alexa, Siri und Google Assistant werden Sprach-Interfaces immer professioneller. Über Schnittstellen bereiten diese Plattformen für Entwickler einen neuartigen Weg der Interaktion, um ihre Apps anzubieten, den viele vor einigen Jahren noch für Science-Fiction gehalten hätten. Ein Sprach-Interface ist für eine Vielzahl von Aufgaben eine sehr gute Lösung. Wir sehen diesen Trend jedoch eher als ein zusätzliches Add-on zur Kommunikation und nicht als Ersatz der klassischen Interaktion mit Mobile Apps. Warum? Häufig werden beispielsweise drei Sprachinteraktionen oder weniger pro Session für Sprachassistenten empfohlen. Für die Suche nach etwas oder einfache Tätigkeiten ist Sprache sehr gut geeignet. Für komplexe Fragestellungen kommt Voice Search aber auch momentan noch an ihre Grenzen. Darüber hinaus ist in vielen Lebenssituationen die Interaktion per Spracheingabe nicht das erste Mittel der Wahl. Denken Sie zum Beispiel an den Weg zur Arbeit im lauten Zug oder die Suche nach der nächsten Bar in einem vollen, lauten Restaurant.


„Die ständigen technischen Innovationen wie zum Beispiel Augmented Reality, Virtual Reality, aber auch die Erschließung neuer Geschäftsfelder wie Mobile Banking und der wachsende Bereich des M-Commerce zeigen, dass das Wachstum noch lange nicht erschöpft ist.“
Markus Malti
Könnte Voice auch ein Geschäftsfeld für WeQ werden? Ich denke schon. Beispielsweise ist das Auffinden von Voice Apps oder Voice Skills immer noch recht schwierig. Dennoch birgt es ein großes Potenzial. Die Anzahl der Alexa-Skills hat sich von 2016 auf 2017 verfünffacht und der Trend geht stark nach oben. Viele Geräte für Sprach-Interaktion, wie Amazon Echo oder Google Home haben keinen Bildschirm, was das Auffinden neuer Voice-Apps und Skills erschwert. Um mehr Nutzer dafür zu gewinnen, werden bewährte Wege, wie Social-Media-Advertising, aber auch neue Vermarktungskonzepte zum Einsatz kommen. Ähnlich wie für Mobile Apps sehen wir auch hier einen großen Bedarf an qualitativer Nutzer-Akquise. Folglich könnte auch das ein Geschäftsfeld für uns werden.

WeQ-CEO Markus Malti
© WeQ
WeQ-CEO Markus Malti
Welche Pläne hat WeQ nun in der nahen Zukunft? Was werden die ersten Schritte sein? Wir verfolgen eine aggressive M&A- Strategie, die uns die Möglichkeit eröffnet, innovative Technologien einzukaufen, die unser Portfolio ergänzen und vervollständigen. Daneben wollen wir in Emerging Markets, wie APAC und LATAM, expandieren und unser internationales Expertenteam verstärken. Für all diese Dinge stehen uns Eigen- und Fremdkapital von bis zu 50 Millionen US-Dollar zur Verfügung, das wir in den kommenden zwölf bis 24 Monaten investieren werden. Außerdem arbeitet unser Technologie-Team nicht erst seit gestern an unserer Inhouse-Tech-Infrastruktur und an kundenorientierten Adtech-Lösungen. Wir haben schon Monate vor dem offiziellen Launch von WeQ an einer Kampagnen-Optimierungs- und Prozess-Automatisierungssoftware für unsere Mobile-Ad-Manager gearbeitet. Langfristig werden wir auch weiterhin Zeit und Geld investieren, um diese weiterzuentwickeln und zu stärken.


Welches Wachstumspotenzial sehen Sie im Mobile-Bereich? 3,5 Milliarden Menschen sind momentan mobil online. Daraus ergibt sich ein riesiges Potenzial, das noch nicht in seinem Umfang erfasst worden ist. Besonders in Europa und Asien ist noch viel Raum für Wachstum. Dazu werden wir mit unseren individuellen Lösungen, um qualitativ hochwertige User zu akquirieren, nachhaltig zum Umsatz vieler Unternehmen beitragen. Die ständigen technischen Innovationen wie zum Beispiel Augmented Reality, Virtual Reality, aber auch die Erschließung neuer Geschäftsfelder wie Mobile Banking und der wachsende Bereich des M-Commerce zeigen, dass das Wachstum noch lange nicht erschöpft ist.

Was hat es eigentlich mit dem Namen WeQ auf sich? Wir haben uns bei der Entwicklung und Benennung unserer Brand von der gleichnamigen sozioökonomischen Bewegung inspirieren lassen. WeQ bezeichnet den kulturellen Wandel von einer Ich- zu einer Wir-Kultur. Dabei steht die kollektive menschliche Intelligenz im Vordergrund. Für unsere Mobile-Adtech-Brand bedeutet das, dass wir als WeQ das Wissen des Teams mit innovativer Technologie kombinieren. Für uns ist es wichtig, Synergien zu schaffen, Wissen zu teilen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Der Buchstabe Q steht für zwei Elemente: die menschliche Formen von Intelligenz sowie intelligente Technologie, die unsere Welt verändert. Zusammen wird aus We plus Q gleich WeQ. WeQ repräsentiert also die Kombination smarter Menschen mit smarter Technologie.

Die Fragen wurden schriftlich beantwortet
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