VivaTech

Mark Zuckerberg und der Ruf nach mehr Engagement fürs Gemeinwohl

Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der VivaTech in Paris
© dpa
Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der VivaTech in Paris
Filterblasen, Wahlen beeinflussende Bot-Netzwerke und vieles mehr: Moderne Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz haben ihre Schattenseiten. Nicht zuletzt seit dem Datenskandal um Cambridge Analytica wird deshalb das Thema "Tech for Good" - Technologie für das Gemeinwohl - immer leidenschaftlicher diskutiert. So wie auf der Konferenz VivaTech in Paris, wo auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg in diesen Kanon einstimmte.

Der US-Unternehmer und Tech-Investor Andreessen Horowitz hat vor vielen Jahren mal gesagt: "Software frisst die Welt auf". Heute frisst beispielsweise Uber die Taxibranche auf und Facebook die Werbewirtschaft. Dass Uber dabei grundlegende Regulierungsfragen in der Taxibranche aufwirft und Facebooks Plattform mittlerweile in der Lage ist, Wahlen zu beeinflussen, damit hatte Horowitz damals vermutlich noch nicht gerechnet.



Weil das allerdings längst die Realität ist - ebenso wie andere Negativ-Auswirkungen wie Hate Speech, Filterblasen und Bot-Netzwerke - hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch bei einem Treffen mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Chefs internationaler High-Tech-Unternehmen mehr Engagement für das Gemeinwohl gefordert.

Das Thema "Tech for Good" spielt auch aktuell auf der Konferenz VivaTech in Paris eine wichtige Rolle. Unternehmer, Start-up-Gründer und Politiker diskutieren etwa, wie digitale Dienste die afrikanische Wirtschaft erblühen lassen und die weltweite Bildungs- und Ernährungssituation verbessern. Technologie also, die nicht vordergründig darauf ausgelegt ist, ein profitables Business aufzubauen, sondern darauf, den Menschen zu helfen. Da das von Macron angesetzte Treffen hinter verschlossenen Türen stattfand, ist zwar nicht bekannt, was der französische Präsident mit der Tech-Avantgarde konkret besprochen hat. Allerdings darf wohl nicht allzu viel erwartet werden. Jimmy Wales, Mitgründer der Onlineplattform Wikipedia und Teilnehmer bei dem Meeting, zeigt sich einen Tag später auf der VivaTech enttäuscht über den Austausch: "Ich habe nichts Erstaunliches gehört."


Wikipedia gilt im Prinzip als Musterbeispiel dafür, wie Technologie für das Gemeinwohl eingesetzt werden kann. "Wir wollen so vielen Menschen wie möglich den Zugang zu Informationen ermöglichen", sagt Wales, der sein Onlineportal nach wie vor über Spenden finanziert. Im Zuge des Facebook-Skandals sieht er nun vor allem Mark Zuckerberg in der Pflicht, das verloren gegangene Vertrauen in Technologie wieder herzustellen. Wales: "Die Macht, die er in seinen Händen hält, ist beispiellos."
„Die Macht, die er in seinen Händen hält, ist beispiellos.“
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Mark Zuckerberg
Der Facebook-Chef, der bei seiner Ankunft auf der Pariser Tech-Konferenz vom Publikum wie ein Rockstar gefeiert wird, stimmt sogleich in den Kanon seiner Vorredner ein und verspricht größeren Einsatz fürs Gemeinwohl. So kündigt er an, weitere zehn Millionen Euro in ein Forschungszentrum zu stecken, das Facebook in Paris betreibt und das schon jetzt in der Lage sei, mithilfe Künstlicher Intelligenz terroristische Inhalte und Kinderpornographie zuverlässig zu erkennen und von der Plattform zu schmeißen. Irgendwann, so der Facebook-Gründer, werde das auch bei Fake News und Hate Speech vollautomatisiert möglich sein.

Doch weil das seine Zeit brauchen wird, denkt Zuckerberg nun in Paris laut über inhaltliche Richtlinien nach, die viel stärker von der Facebook-Community vorgegeben werden sollen. Eine Art "Oberstes Gericht" für Facebook, wie der CEO sagt. Zuckerberg werde sich in den nächsten Monaten mit Experten zusammensetzen und gemeinsam an Modellen tüfteln, wie die Nutzer mehr Mitspracherecht bekommen können.

Heißt: Künftig könnten die User selbst entscheiden, welche Inhalte auf der Plattform bleiben - und nicht "ein paar Leute in einem Büro in Kalifornien", wie Zuckerberg sagt. "Derzeit bestimmen wir die Regeln. Und wenn wir entscheiden, dass dein Post Hate-Speech ist, schmeißen wir ihn raus. Möglichkeiten zur Beschwerde gibt es nicht. Sollte es aber." In den nächsten sechs MOnaten, wahrscheinlich nächstes Jahr will Zuckerberg konkrete Vorschläge präsentieren.  ron

stats