Tinder-Produktchef Brian Norgard

Warum die Dating-App keine Plattform für die schnelle Nummer ist

Tinder-Produktchef Brian Norgard
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Tinder-Produktchef Brian Norgard
Die Dating-App Tinder hat in der digitalen Welt etwas geschafft, was sonst wohl nur Google gelungen ist: eine neue Produktkategorie eröffnet und den Firmennamen als Verb etabliert. Heute "tindern" die Internetnutzer, ebenso wie sie "googeln". Großen Anteil an diesem Erfolg hat Tinders Produktchef Brian Norgard. Im Interview mit HORIZONT Online erklärt der Manager, wieso er Wettbewerbern wie Lovoo und Co keine Beachtung schenkt – und warum Tinder kein Schmuddelimage hat.

Norgard ist einer der alten Hasen bei Tinder. Dem Unternehmen, das 2012 in Kalifornien gegründet wurde, gehört er nahezu seit Tag 1 an. Viele Tinder-Funktionen und –Produkte entwickelte der umtriebige Manager noch im Alleingang, heute hat er als Chief Product Officer ein 29-köpfiges Team an seiner Seite. Unter seiner Verantwortung sind teils kostenpflichtige Tinder-Features wie Super Like, Boost und Gold entstanden - und avancierten zum Kassenschlager.


Ich erinnere mich an eine sehr kreative Tinder-Kampagne für ein weißes Nashorn. Meinen Sie solche Aktionen? Zum Beispiel. Wir haben für die Kampagne mit der Tierschutzorganisation Ol Pejeta Conservancy aus Kenia zusammengearbeitet, um auf den letzten männlichen Vertreter seiner Art aufmerksam zu machen. Und die Aktion hat sehr gut funktioniert, Millionen User haben das Nashorn in ihr Herz geschlossen. Warum? Weil die Kampagne die Nutzer in einem digitalen Umfeld erreicht hat, das vertraut ist. Außerdem war die Aktion mit einer großartigen Geschichte verbunden – und ist das nicht die Genese jeder guten Marketingaktion?

Geht es Ihnen auch ein wenig darum, das Schmuddelimage loszuwerden? Viele sehen in Tinder ja eine Plattform für die schnelle Nummer. Das ist nicht richtig. Ich denke, da gibt es ein großes Missverständnis in der Szene. Auf allen Plattformen gibt es immer mehrere Use-Cases. Tinder beispielsweise wird von Leuten aus unterschiedlichen Gründen angesteuert - auch wenn viele das nicht vermuten. Unserer Nutzer sind etwa auf der Suche nach neuen Freunden, nach Kontakten in einer neuen Stadt oder nach ernsthaften Beziehungen.

Viele Unternehmen setzen mittlerweile eigene Tinder-Accounts ein, um nativ für ihre Sache zu werben. Ärgert Sie das nicht? Immerhin gehen dem Unternehmen auf diese Weise Werbeerlöse flöten. Das kommt darauf an. Prinzipiell habe ich nichts dagegen, wenn Unternehmen einen eigenen Account bei Tinder aufsetzen. Millennials lieben diese Art integrierter Kampagnen. Und zum Teil entstehen auf diese Art und Weise auch wirklich kreative Projekte. Außerdem darf man nicht vergessen: Durch unser ertragreiches Subscription-Modell sind wir sehr viel unabhängiger von klassischen Werbekunden als unsere Wettbewerber.

Interview: Giuseppe Rondinella



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