Telekom über Lautsprecher-Pläne

"Wir sehen uns nicht als Konkurrent von Google oder Amazon"

Das ist der smarte Lautsprecher der Telekom.
Deutsche Telekom
Das ist der smarte Lautsprecher der Telekom.
Die Deutsche Telekom hat angekündigt, einen eigenen smarten Lautsprecher auf den Markt bringen zu wollen. Im Prinzip ist das eine Kampfansage an die US-Tech-Giganten Amazon und Google, die mit Echo und Home als Platzhirsche gelten. Doch das sieht das deutsche Unternehmen ganz anders: "Wir sehen uns nicht in der Konkurrenz zu diesen großen Ökosystemen", sagt Telekom-Manager Torsten Brodt, der an der Entwicklung des Smart-Speakers maßgeblich beteiligt war, im Interview mit HORIZONT Online. Die Telekom sei eher Aggregator.

Der Magenta-Assistent, der sich mit dem Hotword "Hallo Magenta" aktivieren lässt, wurde in Zusammenarbeit mit Forschern des Fraunhofer-Instituts für digitale Medientechnologie aus Oldenburg entwickelt. Wie der Google Home, Amazons Echo und Apples HomePod solle sich mit dem Magenta-Assistenten auch das Smart-Home auf Zuruf steuern lassen.


Die Deutsche Telekom hat bereits erste Partner für den Magenta-Assistenten an Bord geholt. So gehören zu den Launchpartern Wetteronline, Toralarm und Radioplayer. Darüber hinaus werde mit der Tagesschau, Napster, Rewe, Lidl und Otto verhandelt. Lidl und Rewe hätten Interesse gezeigt, um sich gegen den großen Player Amazon stellen zu können.
Torsten Brodt, Leiter Consumer Segment Management Telekom Deutschland
Torsten Brodt, Leiter Consumer Segment Management Telekom Deutschland (© Deutsche Telekom)


Herr Brodt,wie will sich die Telekom gegen Konkurrenten wie Amazon, Google oder Apple behaupten? 
Es geht uns nicht in erster Linie darum, sich gegen die US-Unternehmen zu behaupten. Wir sehen uns auch nicht in der Konkurrenz zu den großen Ökosystemen von Google oder Amazon. Vielmehr möchten wir das Angebot unserer Partner ergänzen und treten als Aggregator auf. Klar, die genannten Firmen beherrschen den Markt für smarte Lautsprecher, aber es gibt noch viel Platz für weitere Player. Da es sich bei diesen Geräten um eine völlig neue Art von Mensch-Maschine-Interface handelt, müssen auch wir in diesem Markt mit einem eigenen Angebot präsent sein, um nicht langfristig an Relevanz zu verlieren. Aber das schließt eine Zusammenarbeit mit den von Ihnen genannten US-Firmen natürlich nicht aus. So haben wir beispielsweise Amazons Alexa beispielsweise in unseren Smart Speaker integriert.

Sie geben einem Wettbewerber also Platz in Ihrem Lautsprecher? Wir betrachten das nicht als Konkurrenzverhältnis, sondern glauben an die Koexistenz vieler Anbieter. In unserem Fall heißt das: Sie können mit dem Hotword "Hallo Magenta" den Telekom-Assistenten aktivieren oder mit "Alexa" eben das Pendant von Amazon. Je nachdem, was für den Nutzer in einer bestimmten Situation am sinnvollsten ist.

Warum haben Sie Alexa integriert und nicht Siri, Cortana oder den Google Assistant? Alexa gehört zu den etabliertesten Sprachassistenten auf dem Markt. Außerdem haben wir mit Amazon als Partner in Deutschland immer gute Erfahrungen gemacht.

Alexa deckt ja bereits einen Großteil der Möglichkeiten ab. Warum sollten Nutzer den Sprachassistenten der Telekom verwenden? Unser Sprachassistent bringt vor allem für Telekom-Kunden viele Vorteile. Unsere Services werden für unsere Kunden in einer neuen Dimension erlebbar. Zum Beispiel lässt sich das Fernsehangebot EntertainTV per Sprachebefehl und ganz ohne Fernbedienung nutzen. Durch Zuruf wird dann der Sender gewechselt oder die Lautstärke verändert. Außerdem können vernetzte Geräte  im eigenen Zuhause per Sprache bedient werden, wie etwa Heizkörper und Leuchten. Das Smartphone kann dabei immer in der Hosentasche bleiben. Ganz exklusiv ermöglichen wir sprachgesteuerte Telefonie über das Festnetz. Da ist kein weiteres Gerät wie bei anderen Anbietern notwendig, da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal.

Welche Rolle spielt das Thema Datenschutz? Bei unserer Produktentwicklung spielt der Datenschutz eine wesentliche Rolle und ist auch ein entscheidendes Verkaufsargument. Der Smart Speaker bietet höchste Datensicherheit nach deutschen und europäischen Datenschutzrichtlinien. Die Datenverarbeitung erfolgt in den Hochleistungsrechenzentren der Telekom. Die Sprachdaten werden anonymisiert in der Cloud verarbeitet und nach 30 Tagen gelöscht. Und nicht nur das, der Kunde hat sogar jederzeit das Recht, einzelne oder alle Daten jederzeit zu löschen.

Wann soll der smarte Lautsprecher auf den Markt kommen? Aller Voraussicht nach wird er im zweiten Quartal 2018 auf den Markt kommen und wird unter 150 Euro kosten.

Wird es zur Markteinführung eine Werbekampagne in Deutschland geben? Das können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Es ist aber wahrscheinlich.

Mit dem Voice-Dienst Immmr hat die Telekom ein Produkt auf dem Markt, das mit mächtigen Konkurrenten wie Whatsapp konkurriert. Der Dienst wurde oftmals als Totgeburt bezeichnet. Warum glauben Sie, wird der Telekom-Lautsprecher kein ähnliches Schicksal ereilen? Die Interaktion mit Apps und Geräten in natürlicher Sprache wird den Markt verändern. Wir glauben, dass der Sprachsteuerung eine zu Apps vergleichbare Bedeutung zukommt. Das wird in Kürze von jedem Anbieter erwartet. "Hallo Magenta" ist ein Werkzeug, mit dem unsere Kunden Dinge einfach schneller erledigen können. Wir konzentrieren uns aus darauf, was wirklich von einer Sprachsteuerung erwartet wird: Wir haben keinen neuen Mitbewohner oder Butler mit einer starken Persönlichkeit geschaffen, sondern interpretieren die Sprachsteuerung als verbale Benutzeroberfläche.

Interview: Giuseppe Rondinella



stats