Talon One

Das hat Lieferando-Gründer Christoph Gerber mit seinem neuen Start-up vor

Das neue Start-up von Christoph Gerber heißt Talon One.
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Das neue Start-up von Christoph Gerber heißt Talon One.
Christoph Gerber will es noch einmal wissen. Nachdem der 31-Jährige mit Lieferando einen der größten deutschen Exits der vergangenen Jahre hingelegt hat, versucht er es nun mit Software-as-a-Service. Sein neues Start-up Talon One will mit Technologie die Planung von Promotion-Aktionen vereinfachen. Anders als bei Lieferando konzentriert sich Gerber nun auf Business-Kunden.

Christoph Gerber wirkt nahezu tiefenentspannt. Im Dachgeschoss eines heruntergekommenen Gewerbehofs in Berlin Kreuzberg sitzt er auf einer Couch, zurückgelehnt, die Arme seitlich von sich auf der Rückenlehne ausgebreitet. Die Loft-ähnliche Wohnung ist die Heimat seines neuen Start-ups. Er nimmt einen Schluck Wasser, schaut sich um und sagt mit ruhiger Stimme: "Das hier ist mein neues Baby".

Gerber hat jeden Grund dazu, locker und gelassen zu sein. Als er und seine beiden Mitgründer Jörg Gerbig und Kai Hansen vor drei Jahren Lieferando an Takeaway verkauften, legten sie einen der größten Exits der jüngeren deutschen Start-up-Geschichte hin. Vor wenigen Monaten schaffte der niederländische Mutterkonzern schließlich den Sprung an die Börse - bei dem Gerber und Co ordentlich mitverdienten. An Geld und Credibility mangelt es ihnen sicherlich nicht.

Nun will es der 31-Jährige aber nochmal wissen. Talon One heißt Gerbers neues Unternehmen, mit dem er Software-as-a-Service-Lösungen verkaufen will. Marketingmanager sollen mit dem Backend von Talon One in der Lage sein, ihre Promotion-Aktionen effizienter zu verwalten, etwa Gutschein- oder Rabatt-Kampagnen. Im Dezember 2015 wurde das Start-up gegründet, also noch vor dem Börsengang der Lieferando-Mutter. Erst seit Februar diesen Jahres ist Gerber mit dem Produkt vollends zufrieden.

Das Talon-One-Büro mit COO Sebastian Haas (rechts).
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Das Talon-One-Büro mit COO Sebastian Haas (rechts).
Knapp ein Dutzend Kunden vertrauen mittlerweile auf die Dienste von Talon One, darunter das Umzugsunternehmen Move24. Sie zahlen für unterschiedliche Pakete etwa einen vier- bis fünfstelligen Betrag im Monat. Im Berliner Headquarter arbeiten bereits 17 Angestellte für das Start-up - 13 davon sind Entwickler, die für eine bestmögliche Abwicklung der Geschäfte gar eine eigene Programmiersprache entwickelt haben.

"Das ist ein ganz anderes Geschäft als damals bei Lieferando“, sagt Gerber, der froh darüber ist, sich auf eine neue Aufgabe konzentrieren zu können. Die Idee stammt aus seiner Zeit beim Essensvermittler, als er selbst an der Orchestrierung der Gutschein-Aktionen verzweifelte. "Auch andere Firmen hatten ihre Probleme mit diesem Thema. Da kam uns der Gedanke, das 'once for all" zu lösen", so Gerber.

Ob das Geschäftsmodell auch etwas taugt, wird sich in den nächsten Monaten erst zeigen müssen. Zwei große australische Investoren und ein kleiner Pool aus Familie und Freunden haben aber bereits Vertrauen geschöpft und in Talon One investiert. "Bei Lieferando wollte uns zu Beginn keiner Geld geben", erinnert sich Gerber. Neben der beginnenden Weltwirtschaftskrise lag das vor allem am mangelnden Glauben der Geldgeber gegenüber Onlineplattformen. "Essen über das Internet bestellen? Es gibt doch das Telefon", so die Meinung damals. Lieferando sollte sie eines Besseren belehren. Konzentrierten sich Gerber und seine beiden Mitgründer anfangs noch stark auf das B2B-Geschäft (vor allem Werbeagenturen haben sich viel Essen kommen lassen), wurde der Privatkundenbereich mit der Zeit immer wichtiger. Heute ist Gerber mit Talon One, seinem zweiten Start-up, wieder im B2B-Bereich tätig. Als Serial Entrepreneur, also Seriengründer, würde sich Gerber aber nicht bezeichnen wollen. "Ich finde den Begriff schrecklich. Meine Mutter ist Lehrerin und war an drei Schulen, deshalb ist sie aber nicht Serial Teacher", so der 31-Jährige.

In andere Start-ups zu investieren, so wie es viele Unternehmer mit Geld auf der hohen Kante machen, kommt für Gerber nicht infrage. "Um wirklich gute Investments zu tätigen, muss man sich extrem viele Start-ups anschauen, um durch den Bullshit-Nebel blicken zu können. Die Motivation habe ich nicht", sagt Gerber. Das Geld aus dem Lieferando-Verkauf steckt er eigenen Angaben zufolge lieber in Immobilien. Zwei Holdings wickeln die Geschäfte für ihn ab.

Gerbers ganze Konzentration gilt jetzt Talon One. Der nächste Schritt sei nun, ein eigenes Sales-Team aufzubauen. Denn noch ist Gerber Geschäftsführer und Verkäufer in Personalunion, hat die ersten Kunden selbst angeworben. "Ich wollte so viele Learnings wie möglich sammeln", begründet er den Schritt, während er aus dem Fenster über die Dächer Berlins blickt. Mit viel gutem Willen erspäht man aus dem Büro von Talon One sogar das Headquarter von Lieferando. Die ehemaligen Kollegen von Gerber sitzen nur wenige Kilometer entfernt in der Nähe des Potsdamer Platzes. ron




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