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Warum Frauen so viel schwerer an Risikokapital kommen als Männer

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Gründerinnen werden von Risikokapitalgebern anders behandelt als Gründer.
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Gründerinnen werden von Risikokapitalgebern anders behandelt als Gründer.
Was Gründern als Stärke ausgelegt wird, sehen Investoren bei Frauen als Schwäche, wie eine Studie zeigt. Das kann auch Einfluss auf die Gesellschaft haben.
Dass die Start-up-Szene männerdominiert ist, zeigt sich nicht nur an dem geringeren Anteil von Frauen insgesamt. Auch ein Blick auf die Finanzierung von jungen Unternehmen verdeutlicht das. 2016 etwa erhielten Start-ups mit ausschließlich männlichen Gründern 58 Milliarden US-Dollar an Wagniskapital. Gründerinnen bekamen gerade einmal 1,46 Milliarden US-Dollar an Funding.


Aber warum ist das so? Dieser Frage sind drei schwedische Wissenschaftler in einer qualitativen Studie nachgegangen. Zwischen 2009 und 2010 folgten sie sieben Venture-Capital-Firmen und nahmen 36 Stunden an Entscheidungen auf. Insgesamt schaute sich die Studie 125 Bewerbungen von 26 Gründerinnen und 99 Gründern an. Sie fokussierte sich auf die Sprache und Rhetorik, die die Investoren in der Entscheidungszeit verwendeten. Das Ergebnis: Investoren sprechen über Gründer und Gründerinnen ganz unterschiedlich – auch wenn es um die gleichen Attribute geht.

Während jungen Männern ihr Alter etwa positiv ausgelegt wurde ("young and promising"), sahen es Investoren bei Gründerinnen als Schwäche ("young but inexperienced"). Auch Attribute wie Vorsicht legten die Wagniskapitalgeber unterschiedlich aus: Vorsichtigen Gründerinnen wurden als "zu wenig waghalsig" bezeichnet, vorsichtigen Gründern wiederum schrieben die Investoren Besonnenheit und Vernunft zu. Bei Frauen zählte auch das Aussehen mit in die Bewertung rein ("good-looking and careless with money"), bei Männern hingegen nicht.


Wenig überraschend habe sich diese Bewertung auch auf die Finanzierung ausgewirkt, schreiben die Wissenschaftler: Gründerinnen erhielten lediglich 25 Prozent des verlangten Kapitals, Gründer im Durchschnitt 52 Prozent. Interessant: Ursprünglich wollten die Wissenschaftler gar nicht die Unterschiede bei der Finanzierung von Gründern und Gründerinnen dokumentieren, sondern wie Entscheidungsprozesse in der Branche verlaufen.

Abgesehen von wenigen Ausnahmen schrieben die Investoren Frauen Charaktereigenschaften zu, die gegenteilig denen eines stereotypischen Entrepreneurs waren. Sie stellten die Glaubwürdigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Erfahrung und das Wissen infrage. Die Wissenschaftler ziehen ein scharfes Fazit: "[Unsere Studie] zeigt, dass der optimale Gründer in den Augen von Wagniskapitalgebern ein Mann ist, keine Frau."

Die Ergebnisse reihen sich in diverse wissenschaftliche Untersuchungen ein. Eine Studie des MIT zeigte bereits 2013, dass Gründer 40 Prozent wahrscheinlicher eine Finanzierung erhalten als Gründerinnen – selbst wenn sie dieselben Inhalte präsentieren. Eine andere belegt, dass es Frauen bei männlichen Investoren schwerer haben. Die Quintessenz gleicht sich bei all diesen Studien: Gründerinnen werden bei der Finanzierung benachteiligt.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n.de
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