Start-up der Woche

Wie RoadAds die LKW-Werbung neu erfindet

RoadAds bietet kontextbasierte Werbung an Fahrzeughecks an
RoadAds
RoadAds bietet kontextbasierte Werbung an Fahrzeughecks an
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Mit LKW-Werbung ist das so eine Sache: Einerseits hat die Werbeform gute Wahrnehmungs- und Erinnerungswerte, andererseits ist sie unflexibel und mit hohen Streuverlusten verbunden. Das Start-up RoadAds will das ändern. Die Mannheimer bieten als einziges Unternehmen weltweit digitale, standort- und kontextabhängige Fahrzeugwerbung in Echtzeit an und sind deshalb unser Start-up der Woche.

RoadAds hat sich auf die Fahne geschrieben, LKW-Werbung schnell und einfach an den aktuellen Standort anzupassen. Dafür hat das Unternehmen ePaper-Displays an den Fahrzeughecks angebracht, auf denen die Anzeigen ausgespielt werden. Werbungtreibende können so beispielsweise festlegen, dass ihre Anzeige nur von 13 bis 16 Uhr im Großraum Stuttgart und ausschließlich bei Sonnenschein gezeigt werden soll.


Die Mannheimer wollen es längst nicht nur bei LKWs belassen: Es läuft aktuell ein Pilotprojekt mit einem Displaymodul auf einem Kleintransporter, ein weiteres Projekt mit einem Stadtbus ist in Planung. Das Start-up, das im November 2015 gegründet wurde, zählt sechs Mitarbeiter. Auf HORIZONT Online stellt Gründer und CEO Andreas Widmann sein Unternehmen vor.

"Wir werden uns als der zentrale Anbieter für digitale Fahrzeugwerbung in Europa, vielleicht sogar weltweit etablieren."

RoadAds-Gründer Andreas Widmann
RoadAds-Gründer Andreas Widmann (© RoadAds)


Eine Minute im Aufzug mit einem potenziellen Investor. Wie lautet euer Elevator Pitch? 
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Autobahn und der LKW vor Ihnen würde Sie vor einer ungesicherten Unfallstelle warnen oder Sie auf das tolle Burger-Angebot der nächsten Raststätte aufmerksam machen. Genau das ist mit RoadAds interactive möglich.

Wir bieten als einziges Unternehmen weltweit digitale, standort- und kontextabhängige Fahrzeugwerbung in Echtzeit an. Hierzu montieren wir ePaper-Displays am Fahrzeugheck und können so relevante, wechselnde Inhalte zeigen, ohne den fließenden Verkehr zu gefährden. Die komplette Werbeschaltung erfolgt dabei automatisch und in Echtzeit über unsere Werbeserver. Über GPS wird die Position des Fahrzeugs auf 5 Meter genau bestimmt und die relevanten Anzeigen bereitgestellt. Dabei können auch Echtzeitdaten wie Wetter oder Verkehrslage berücksichtigt werden. Sie können also ganz genau festlegen, dass Ihre Anzeige beispielsweise nur von 13 bis 16 Uhr im Großraum Stuttgart und ausschließlich bei Sonnenschein gezeigt werden soll.

START-UP DER WOCHE
In der Rubrik "Start-up der Woche" stellen wir einmal in der Woche eine junge deutsche Firma vor, die mit innovativen Geschäftsideen einen Wirtschaftsbereich aufmischt. Die Start-ups werden subjektiv von der HORIZONT-Onlineredaktion ausgewählt.
Wir selbst nutzen diese Echtzeitfunktionalität außerdem, um den Autofahrern unter dem Label "RoadNews" aktuelle Schlagzeilen, Wetterinformationen und Verkehrsmeldungen zu zeigen. Über unsere Online-Plattform erhält der Werbekunde umfangreiche Live-Statistiken zu seinen Kampagnen. Dabei sieht er nicht nur, wann und wo eine Anzeige gezeigt wird, sondern auch, wie viele Personen seine Werbung gesehen haben. Hierfür nutzen wir eine innovative Sichtkontaktmessung auf Basis von WLAN-Signalen. Das gibt uns auch die Möglichkeit, transparent und fair nach den tatsächlich erzielten Sichtkontakten abzurechnen.
Warum besteht Bedarf an eurem Produkt? Fahrzeuge und insbesondere LKW-Heckflächen sind eigentlich wahnsinnig attraktive Werbeträger. Sie befinden sich immer im Blickfeld der Autofahrer und haben sehr gut Wahrnehmungs- und Erinnerungswerte. So wird LKW-Werbung unter den Verbrauchern auf der einen Seite als sehr unaufdringlich und sympathisch bewertet, auf der anderen Seite aber messbar besser wahrgenommen als beispielsweise statische Plakatflächen.

Trotz allem wird LKW-Werbung bisher von Werbungtreibenden noch sehr selten genutzt, was einfach damit zusammenhängt, dass die Werbeform relativ unflexibel ist und hohe Streuverluste hat. Ein LKW ist eben ständig unterwegs und gerade hier in Europa auch gerne über Landesgrenzen hinweg. Da kann es gut sein, dass eine deutschsprachige Werbung wochenlang beispielsweise durch Frankreich fährt. Und genau dieses Problem haben wir mit RoadAds interactive gelöst. Durch uns kann der Werbekunde genau bestimmen, wann und wo seine Kampagne gezeigt werden soll und Inhalte beliebig in Echtzeit anpassen. Wir nutzen das Potenzial dieser Fläche also zum ersten Mal optimal und erschließen so einen völlig neuen Werbekanal.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Mein Vater ist Teil der Geschäftsleitung der LGI Logistik Gruppe und wir hatten uns darüber unterhalten, in wie weit man die Heckflächen ihrer LKW an Werbekunden vermarkten könnte. Dabei sind wir genau auf das oben genannte Problem gestoßen und haben nach einer Lösung gesucht. Wir mussten eine Möglichkeit finden, die Werbung schnell und einfach an den aktuellen Standort anzupassen. Damals war die Grundidee die Sprache der Werbung anzupassen sobald eine Landesgrenze passiert wird. Heute haben wir eine Genauigkeit von 5 Metern, wir können also einzelne Fahrspuren unterscheiden und z.B. ganz gezielt vor einzelnen Autobahnausfahrten werben.

Das Wichtigste war natürlich, die Idee technisch so umzusetzen, dass wir den Straßenverkehr nicht gefährden und uns im Rahmen verkehrsrechtlicher Vorgaben bewegen. Daher konnten beispielsweise LCD-Screens nicht verwendet werden. Wir wollten die Idee schon fast wieder verwerfen, als wir auf die Lösung mit ePaper gestoßen sind. Diese Technologie kommt vor allen Dingen in eBook-Readern zum Einsatz. Es handelt sich um geladene Tintenpartikel, die über einen elektrischen Impuls ausgerichtet werden. Die Darstellung kommt daher einer bedruckten Fläche sehr nahe. Unsere Displaymodule sind nicht hintergrundbeleuchtet und zeigen kein Bewegtbild, daher ist das Ablenkungspotenzial nicht höher als bei herkömmlicher Heckflächenwerbung und wir dürfen unser System in ganz Europa einsetzen. Wie verdient ihr Geld? Wir mieten Fahrzeugflächen an und montieren die Displaymodule auf eigene Kosten. Unser Geld verdienen wir dann durch den Verkauf der Werbezeiten. Das kann auf verschiedenen Wegen passieren, einmal natürlich direkt über unsere Self-Service-Online-Plattform, aber auch ganz regulär über Agenturen. Wir bieten außerdem eine API, über die Werbung programmatisch eingebucht werden kann.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr in den nächsten Monaten? Wir wollen bis Ende des Jahres unsere Fahrzeugflotte massiv ausbauen, um deutschlandweit flächendeckend Werbeschaltungen anbieten zu können. Natürlich geht das dann auch mit der Akquise neuer Werbekunden und Vertriebspartner einher. Im Moment können wir etwa 5 Millionen Sichtkontakte im Monat anbieten, das ist gerade für größere Werbekunden häufig noch zu wenig.
„Wir werden uns als der zentrale Anbieter für digitale Fahrzeugwerbung in Europa, vielleicht sogar weltweit etablieren.“
Andreas Widmann, RoadAds
Außerdem wollen wir uns auch anderen Fahrzeugtypen widmen und uns nicht nur auf LKW beschränken. Es läuft aktuell ein Pilotprojekt mit einem Displaymodul auf einem Kleintransporter, ein weiteres Projekt mit einem Stadtbus ist in Planung. Das werden wir in den kommenden Monaten weiter vorantreiben.

Wie steht euer Unternehmen in fünf Jahren da? Wir werden uns als der zentrale Anbieter für digitale Fahrzeugwerbung in Europa, vielleicht sogar weltweit etablieren.

Wir haben außerdem festgestellt, dass sich unser Ansatz der flexiblen Online-Buchung von Außenwerbung mit Echtzeitfeatures, Live-Statistiken und Sichtkontaktmessung auch sehr gut auf andere Außenwerbemedien übertragen lässt. Ganz unabhängig von Fahrzeugen. Vielleicht werden sich hier in den kommenden Jahren auch Möglichkeiten auftun, die von uns entwickelte Technologie in ganz anderem Kontext einzusetzen.



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