Start-up-Schmiede

Rocket Internet auf Schrumpfkurs / CTO Hardenberg geht

Rocket-Internet-Vorstandsvorsitzender Oliver Samwer soll intern nur noch über Venture-Capital sprechen.
© Matthias Richter
Rocket-Internet-Vorstandsvorsitzender Oliver Samwer soll intern nur noch über Venture-Capital sprechen.
An der Börse läuft es für Rocket Internet derzeit nicht so gut. Nun wechselt CTO Christian Hardenberg zu Delivery Hero und es gibt Hinweise auf einen stärkeren Fokus auf Investitionen. Insider sprechen davon, dass Rocket seinen Fokus stärker vom Aufbau von Start-ups hin zum Beteiligungsgeschäft eines klassischen Venture Capitalist verschiebt.
Rocket-Internet-CTO Christian Hardenberg wechselt in gleicher Position zu der Rocket-Beteiligung Delivery Hero. Neuer CTO von Rocket wird ab dem 1. Oktober Ronny Rentner, der in dieser Position schon einmal arbeitete und zuletzt SVP Engineering war. Entsprechende Informationen von t3n.de bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens am Freitag. "Der Wechsel erfolgt in Absprache mit Delivery Hero, einer der größten und wichtigsten Beteiligungen von Rocket Internet", sagte die Sprecherin.


Offenbar will Rocket sich im Zuge der erhöhten Transparenz des Prime Standards der Frankfurter Börse auch etwas schlanker aufstellen. Bis Ende des Jahres sollen in der Rocket-Holding in Berlin nur noch rund 300 Mitarbeiter arbeiten, heißt es aus Unternehmenskreisen. Zuletzt hatte Rocket rund 400 Mitarbeiter in Berlin gemeldet. Rocket wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen. "Wir kommentieren Gerüchte grundsätzlich nicht", sagte eine Sprecherin.

Delivery Hero bereitet sich momentan auf einen anstehenden Börsengang vor. Für Rocket, dessen Aktienkurs derzeit bei rund 18 Euro weit unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro notiert, ist ein erfolgreicher Börsengang der Beteiligung von äußerster Wichtigkeit.


Insider sprechen davon, dass Rocket seinen Fokus stärker vom Aufbau von Startups hin zum Beteiligungsgeschäft eines klassischen Venture Capitalist verschiebt. "Wenn ich mit Oliver Samwer rede, verliert er kein Wort mehr über seine Portfoliounternehmen – er spricht nur noch über VC", sagt ein Insider.

Aus Kreisen des Großinvestors Kinnevik wird bereits seit längerem die Verschiebung des Fokus von Rocket weg vom Company Builder hin zu einem klassischen Investor beklagt. Damit würde Rocket zunehmend zu einer Konkurrenz zu der schwedischen Beteiligungsgesellschaft. Kinnevik-CEO Lorenzo Grabau hatte den Rocket-Aufsichtsrat im Mai 2016 verlassen. "Wir werden weiter sowohl Firmen aufbauen als auch in sie investieren", sagt dagegen die Rocket-Sprecherin. Von Seiten Rockets wird immer noch von einer engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Kinnevik gesprochen.

Rocket Internet kämpft schon lange mit einer schwachen Entwicklung des Aktienkurses und hat erst eines von neun Unternehmenszielen erreicht, die es im vergangenen September gesetzt hatte: Den Wechsel vom Entry Standard in den strenger regulierten Prime Standard an der Frankfurter Börse. Die Ziele sollten damals innerhalb von 18 bis 24 Monaten erreicht werden – also spätestens bis September 2018.

Der Prime Standard ist unter den gesetzlich regulierten Börsensegmenten der Frankfurter Wertpapierbörse der mit den höchsten Transparenzstandards und gleichzeitig die Voraussetzung für eine Aufnahme in die Indizes Dax, M-Dax, Tec-Dax und S-Dax. Am 22. September hatte Rocket die jüngsten Quartalszahlen veröffentlicht. Das Unternehmen verringerte demnach seine Verluste. Wesentliche Beteiligungen von Rocket Internet machten Fortschritte auf dem Weg zur Profitabilität.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n.de 
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