Sprachaufzeichnung

Nein, Google zeichnet nicht alles auf, was wir sagen

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Sprachsuche per Google App
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Sprachsuche per Google App
"Google zeichnet alles auf, was Sie sagen", titelt der Stern. Doch das stimmt so nicht. Wir haben keine Wanze in der Hosentasche, außerdem ist die Funktion nicht einmal neu. Nutzer können sie sogar abstellen.
"Wussten Sie […], dass der Suchmaschinen-Riese alles speichert, was sie sagen?" heißt es im Aufmacher eines aktuellen "Stern"-Aufmachers. Doch die Aussage ist überspitzt und wird auch im Artikel ein wenig relativiert. Es ist zwar richtig, dass Google unsere Spracheingaben aufzeichnet – also alle Suchanfragen, die wir per Google-App via Sprache durchführen. Diese Funktion ist klar von Google im Zuge der Einführung des Portals "Meine Aktivitäten" kommuniziert worden und ein Teil der Google-Suche. Damit Google unsere Spracheingabe aber überhaupt aufnimmt, müssen wir entweder das Hotword "OK Google" sagen, oder das kleine Mikrofon-Icon im Suchfenster antippen – dieser Prozess findet lokal auf dem Smartphone statt. Einen permanenten Mithörer, ja eine Wanze, haben wir also nicht in der Hosentasche.

Die Funktion ist nicht einmal neu – wir berichteten schon im letzten Jahr darüber. Außerdem ist sie vor einiger Zeit mit der Einführung von Googles neuer Website zur Einstellung personalisierter Werbung an eine neue, sichtbarere Position gerückt worden. Mit den neuen Übersichtsseiten will Google Nutzern mehr Transparenz bieten als Unternehmen wie Facebook oder Apple, die aus verschiedenen Gründen ebenso diverse Daten von uns sammeln.

Damit haben wir geklärt, dass Google nicht alles aufnimmt, was wir sagen und auch, dass das Ganze nicht still und heimlich passiert. Stellt sich nun die Frage, was Google denn damit will. Das lässt sich relativ leicht erklären: Zum einen nutzt das Unternehmen die Daten zur Verbesserung seines Kerngeschäfts – der Werbung. Letztlich ist die in die Google-App eingesprochene Suche oder Aufgabe nichts anderes als eine Suchanfrage – die als solche behandelt und ausgewertet wird.

Angesichts dessen, dass immer mehr Nutzer die Sprachsuche verwenden, spielen die eingesprochenen Daten selbstredend einer immer größere Rolle. Im Laufe der Google I/O 2016 verkündete Google-CEO Sundar Pichai, dass rund 20 Prozent aller per Smartphone durchgeführten Suchanfragen schon eingesprochen werden. Mit dem anstehenden Start des Google Assistant, einer smarteren Version des digitalen Assistenten Google Now dürfte die Anzahl der Sprachbefehle künftig weiter ansteigen, zumal das Unternehmen mit Google Home in Kürze einen Amazon-Echo-Konkurrenten auf den Markt bringen wird.

Abgesehen von der Verwendung der Daten zur Optimierung der Werbung, werden eure Sprachnachrichten laut Google auch zur Verbesserung der Sprachfunktion genutzt. Je häufiger ihr sie verwendet, desto besser werdet ihr verstanden, denn der Klang eurer Stimme wird erlernt und auch die Art wie ihr Wörter und Wortgruppen aussprecht, so Google.
Google erlaubt das Deaktivieren der Aufzeichnung eurer Spracheingaben.
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Google erlaubt das Deaktivieren der Aufzeichnung eurer Spracheingaben.
Übrigens: Wenn ihr nicht wollt, dass Google eure Sprachsuchen aufzeichnet, könnt ihr die Funktion unter "Meine Aktivitäten" deaktivieren und darüber hinaus existierende Daten löschen. Ihr habt also mehr Kontrolle über eure Daten als ihr vielleicht denkt – zumindest bei Google. Falls euch das nicht genug sein sollte, existieren allerhand Google-Alternativen und Apples iOS als Alternative zu Android.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n.de 
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