Soziales Netzwerk

Warum Facebook-Gruppen für den Konzern so wichtig sind

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Facebook-Gruppen spielen für das Unternehmen eine immer wichtigere Rolle.
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Facebook-Gruppen spielen für das Unternehmen eine immer wichtigere Rolle.
Facebook-Gruppen haben sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Feature des sozialen Netzwerks gemausert. Jeder zweite Nutzer engagiert sich in mindestens einer Gruppe. Die Targeting-Möglichkeiten in diesen Gruppen locken nun vor allem Werbungtreibende.

Menschen, die neu in Deutschland sind, haben in der Regel viele Fragen: Wie finde ich eine bezahlbare Wohnung? Wo werden Deutschkurse angeboten? Bei welchen Ämtern muss ich mich melden? Um auf die alltäglichen Fragen des Alltags Antworten zu finden, schauen vor allem Syrer immer häufiger auch auf Facebook nach. Genauer: In Facebook-Gruppen.


"Syrisches Haus in Deutschland" heißt hierzulande eine der größten Facebook-Gruppen. Etwa 190.000 Mitglieder teilen dort tagtäglich Informationen und Tipps für das Leben in Deutschland - etwa wie man einen Arzt findet, der Arabisch spricht oder wie man sich für eine Universität einschreibt. Gegründet wurde die Gruppe im April 2014 von Monis Bukhari, der vor vier Jahren nach Deutschland kam.

Gruppen haben sich in den vergangenen Jahren zu einer immer beliebteren Anwendung innerhalb des Facebook-Universums gemausert. Die Zahlen sprechen für sich: Von den weltweit 1,94 Milliarden Menschen, die monatlich das soziale Netzwerk nutzen, engagieren sich mehr als eine Milliarde in den unterschiedlichsten Gruppen, also mehr als die Hälfte. Hierzulande gehören etwa die Gruppen "Wir sind echte Mamas" oder "Low Carb Kompendium" zu den mitgliederstärksten.

"Wir alle wollen Teil einer speziellen Gemeinschaft sein", sagt Adit Vaidya. Er ist Product Manager bei Facebook in Menlo Park und in dieser Rolle verantwortlich für den Bereich "Groups". Vaidya, der vergangene Woche auf einer Veranstaltung in Köln für das Engagement in Facebook-Gruppen warb, will zwar keine genauen Zahlen nennen, vermutet aber, dass diese Form der Vernetzung besonders in Deutschland stark ausgeprägt ist. "Die Deutschen lieben es, sich in Facebook-Gruppen auszutauschen, besonders im Lokalen." Als Beispiel führt Vaidya etwa die Gruppe "Neu in Osnabrück" an, in der knapp 3000 Mitglieder sich regelmäßig über Events und Unternehmungen in der Stadt informieren würden. Vor allem Personen, die neu in der Stadt sind, lernen dort häufig neue Leute kennen. "Es ist schön, in dieser Gruppe aktiv zu sein, weil man lokal und spontan etwas mit Freunden unternehmen kann", sagt Waldemar Meier, Administrator der Osnabrück-Gruppe, in einem Werbevideo von Facebook.

Wie wichtig solche Gruppen für das soziale Netzwerk sind, hatte zu Beginn des Jahres Facebook-Chef Mark Zuckerberg eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In einem 6000-Wörter starken Manifest, in dem er sich an die digitale Weltgemeinschaft wendet und anstelle des Trumpschen Amerika-Zentrismus für ein stärkeres Miteinander wirbt, spielen Facebook-Gruppen eine zentrale Rolle. "Wir können viele Menschen in Gruppen vernetzen, die dann zu einer wichtigen sozialen Infrastruktur in ihrem Leben werden", so Zuckerberg.

Diese in der Regel sehr homogenen Facebook-Gruppen, in denen die Mitglieder die selben Interessen haben oder aus einem bestimmten Ort kommen, werden allmählich auch für Werbungtreibende immer spannender. Denn die Targeting-Möglichkeiten sind dort um einiges besser. Außerdem könnte der Anzeigendruck in den Timelines der User bald an ein Limit stoßen. Facebook selbst könnte also ein großes Interesse daran haben, Gruppen zukünftig zu vermarkten.

Das soziale Netzwerk testet zwar seit vergangenem Jahr sogenannte Facebook Group Ads in englischsprachigen Märkten. Doch die Vermarktung habe derzeit keine Priorität, sagt Product Manager Vaidya: "Bei der Entwicklung von Facebook-Gruppen geht es uns weiterhin um den Nutzer, nicht ums Geld."

Mit neuen Features versucht Facebook deshalb seit einigen Monaten, Gruppen für die User attraktiver zu machen. Vor einem Jahr launchte das soziale Netzwerk eine sogenannte "Discover"-Funktion, mit der sich Nutzer gezielt nach unterschiedlichen Gruppen auf die Suche machen können. Facebook sortiert dafür die Gruppen in unterschiedliche Themenbereiche wie Sport, Essen, Haustiere und Hobby. Das Tool ist bislang noch nicht in Deutschland ausgerollt worden.

Erst seit wenigen Tagen haben Gruppen-Administratoren weltweit zudem die Möglichkeit, einen kleinen digitalen Fragebogen zu erstellen, um zu prüfen, ob User, die in die Gruppe eintreten möchten, auch wirklich in die Community passen. So will das soziale Netzwerk dafür sorgen, dass sich Nutzer in Gruppen konstruktiv einbringen und nicht spammen oder trollen. ron

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