Soundcloud

Warum die Musik für die Berliner künftig in Asien spielen könnte

Das Soundcloud Büro in Berlin
© Glassdoor
Das Soundcloud Büro in Berlin
Nachdem Ende vergangener Woche noch vom bevorstehenden finanziellen Kollaps des Berliner Start-ups Soundcloud die Rede war, ist die Existenz des Musikstreamingdienstes mittlerweile vorübergehend gesichert. Die Berliner haben das nötige Geld erhalten - unter anderem vom Staatsfond aus Singapur. Dieser könnte mit Soundcloud nun in Asien einiges vorhaben.
Die Rettung kam in letzter Sekunde: In einer neuen Finanzierungsrunde fließen knapp 143 Millionen Euro in das angeschlagene Unternehmen. Das teilte am Freitag der Mitgründer Alex Ljung in einem Blogbeitrag mit - und erklärte gleichzeitig seinen Rücktritt. Er ziehe sich von dem Chefposten des Chief Executive Officers zurück, neuer CEO soll der ehemalige Chef des Videodienstes Vimeo, Kerry Trainor, werden. Ljung bleibt aber bei Soundcloud in der Position des Chairmans an Bord.


Mitte Juli machte das Berliner Start-up auf sich aufmerksam, als es einen erheblichen Personalabbau beschloss. Demnach sollen 173 Mitarbeiter gehen, rund 40 Prozent der Belegschaft. Die Konzentration auf die Standorte Berlin und New York bedeutet zudem, dass Büros in San Francisco und London dichtgemacht werden. Die Einschnitte seien nötig für einen nachhaltigen Erfolg, erklärte Ljung. Er betonte in seinem Blogbeitrag mehrfach, dass Soundcloud unabhängig bleiben wolle.

Mit der neuen Finanzierungsrunde wird Soundcloud dem Vernehmen nach nur noch mit rund 127 Millionen Euro bewertet. Bei der Finanzierungsrunde davor lag noch eine Bewertung von rund 600 Millionen Euro auf dem Tisch. Zuvor wurde immer wieder über einen möglichen Verkauf spekuliert, an Twitter oder den Musikstreaming-Marktführer Spotify. Ein möglicher Verkauf ist durch die neuen Geldgeber aber erst einmal vom Tisch. Bei den Investoren handelt es sich um die kleine New Yorker Bank "The Raine Group" und den Stadtstaat Singapur über seine Investment-Gesellschaft Temasek. Letzterer ist erst kürzlich mit viel Geld bei den chinesischen Internet-Riesen Alibaba und Tencent eingestiegen. Was Temasek mit Soundcloud konkret vorhat, ist derzeit noch ungewiss. Dass sich das Berliner Start-up nun aber verstärkt auf den asiatischen Markt fokussieren wird, scheint zumindest wahrscheinlich.


Denn Alibaba-CEO Jack Ma hat bereits des Öfteren angekündigt, den chinesischen Streamingmarkt mit eigenen Angeboten besetzen zu wollen. Genau wie der US-Konzern Netflix will Ma Blockbuster-Kino und TV-Serien an die Kunden seines E-Commerce-Imperiums ausliefern. Auch ein Interesse an einem Eintritt ins Musikbusiness wird dem Internetkonzern schon seit Längerem nachgesagt.

Neben Alibaba verfolgt auch Tencent, Inhaber der in China überaus populären Whatsapp-Alternative Wechat, große Pläne im Musikstreaminmg-Bereich. Das Tech-Unternehmen, das mit seinen verschiedenen Angeboten das digitale leben der Chinesen wie kaum ein anderer Player beeinflusst, schloss erst kürzlich Lizenzvereinbarungen mit den drei größten Musiklabels des Landes ab. Soundcloud könnte mit seinen 175 Millionen Usern in diesen Plänen eventuell noch eine große Rolle spielen. ron (mit dpa)
Themenseiten zu diesem Artikel:
stats