Social Bots im Wahlkampf

Wähler zweifeln an freiwilliger Selbstverpflichtung der Parteien

Chatbots sollen 2020 den Kundendienst übernommen haben.
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Chatbots sollen 2020 den Kundendienst übernommen haben.
Zwar haben alle Parteien offiziell erklärt, keine Social Bots als Stimmungsmacher in sozialen Medien einzusetzen. Doch die deutschen Wähler zweifeln an dieser freiwilligen Selbstverpflichtung: Laut einer aktuellen, repräsentativen Befragung im Auftrag der Entwicklerkonferenz Developer Week ist jeder zweite Deutsche davon überzeugt, dass Social Bots dennoch zu Wahlkampfzwecken eingesetzt werden.

Social Bots liken, retweeten, texten und kommentieren in sozialen Medien vollautomatisiert und können gezielt eingesetzt werden, um Meinungen zu verbreiten oder Diskussionen im Internet in eine bestimmte Richtung zu lenken. Bei Inhalten zum Wetter oder Reise ist das harmlos, bei politischen Einstellungen zu emotionalen Themen wie Flüchtlingskrise, Europapolitik und Extremismus kann die Befeuerung gefährlich werden und das Stimmungsbild verzerren.



Damit das nicht passiert, hatten sich in den vergangenen Wochen alle großen Parteien selbst dazu verpflichtet, auf den Einsatz dieser Software-Programme zu verzichten. Die Grünen hatten ihre Bereitschaft für einen fairen Wahlkampf durch eine entsprechende Selbstverpflichtung deutlich gemacht. "Der Wahlkampf kann hart und zugespitzt geführt werden, aber gelogen, gefälscht und diffamiert wird nicht", sagte Robert Heinrich, Wahlkampfmanager der Grünen, im März gegenüber HORIZONT Online. Auch die AfD gab zu verstehen, dass Social Bots nicht verwendet werden.

In der Parteienlandschaft herrscht also offenbar Einigkeit bei diesem Thema, nicht aber bei den deutschen Wählern. 51 Prozent der Befragten glauben nicht daran, dass sich die Parteien tatsächlich an ihr Versprechen halten werden. Das geht aus einer Online-Befragung hervor, die von Fittkau & Maaß Consulting unter 1.200 deutschen Internet-Nutzern durchgeführt wurde und heute auf der Entwicklerkonferenz Developer Week (DWX) in Nürnberg veröffentlicht wird.


Einfach zu erkennen sind die Meinungsroboter nicht. 42 Prozent der Befragten gaben an, dass sie nicht unterscheiden können, ob ein Beitrag von einer natürlichen Person oder einem Bot stammt. Entsprechend kritisch stehen deutsche Nutzer diesem Thema gegenüber: 59 Prozent glauben, dass bereits viele Meldungen beziehungsweise Accounts in sozialen Medien "Fakes" sind und für Stimmungsmache missbraucht werden. 42 Prozent der befragten Deutschen sind davon überzeugt, dass Social Bots im Jahr 2016 politische Entscheidungen wie den Brexit und die US-Präsidentschaft von Donald Trump mitentschieden haben.

"Auch Softwareentwickler müssen sich bei ihrer Arbeit, hier beispielhaft herausgegriffen bei der Programmierung von Social Bots, ethischen Grundsätzen stellen", kommentiert Florian Bender, Projektleiter der DWX und Initiator der Studie, die Ergebnisse. "Daher werden wir uns auf der diesjährigen Konferenz auch dem Thema der sozialen Verantwortung widmen und mit unseren Experten diskutieren." ron

 

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